Stand: 19.07.18 07:00 Uhr

"Combat 18": Maulhelden oder rechte Terroristen?

von Julian Feldmann, Reiko Pinkert & Patrizia Schlosser
Der mutmaßliche C18-Chef Stanley R. bei einer NPD-Versammlung 2013 im thüringischen Leinefelde. © NDR Foto: Julian Feldmann

Der mutmaßliche C18-Chef Stanley R. bei einer NPD-Versammlung 2013 im thüringischen Leinefelde.

Aus den vorliegenden Bankunterlagen geht hervor, dass zwischen 2014 und 2017 insgesamt 25 Personen Mitgliedsbeiträge für den deutschen C18-Ableger bezahlt haben. Das Konto, auf dem die Summen eingingen, gehört Stanley R. Er stellt offensichtlich sein Girokonto bei der Kasseler Sparkasse als "Vereinskonto" für "Combat 18 Deutschland" zur Verfügung. R. ist den Behörden seit 1993 als Rechtsextremist bekannt. Sein Vorstrafenregister ist lang: Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl im besonders schweren Fall. Auch im Gefängnis saß R. schon. Regelmäßig organisiert er Rechtsrock-Konzerte, kommt aus der militanten Kasseler Szene, soll die Gruppe "Sturm 18" mit aufgebaut haben.

Aus der Neonazi-Szene ausgestiegen?

In den Bankunterlagen von R. tauchen einige Personen lediglich im Jahr 2014 als Beitragszahler auf. Panorama und Strg_F haben versucht, mit allen auffindbaren Personen ins Gespräch zu kommen, etwa mit dem Sänger der Rechtsrock-Band Strafmass. Die Bremer Band ist seit einiger Zeit inaktiv, in einem noch 2014 veröffentlichten Album bekennt sich die Musikgruppe allerdings ganz offen zu C18: "Dies ist eine Warnung, ihr solltet sie wahrnehmen. Dies ist eine Warnung von Combat 18." Und weiter: "Unser Name ist gefürchtet, unsere Taten noch viel mehr." Fotos zeigen den Neonazi bei einem Aufmarsch am 1. Mai 2014. Dort marschiert er an der Seite eines anderen Bremer Neonazis, beide tragen Jacken mit dem "Combat 18"-Logo und -Symbol, einem feuerspeienden Drachen. Auf dem T-Shirt seines Kumpanen ist das Motto von C18 zu lesen: "Whatever it takes" - "Was auch immer nötig ist".

Der Sänger der Bremer Rechtsrock-Band Strafmass (rechts) bei einer Neonazi-Demo in Dortmund 2014. © NDR Foto: Julian Feldmann

Der Sänger der Bremer Rechtsrock-Band Strafmass (rechts) bei einer Neonazi-Demo in Dortmund 2014.

Aus der Neonazi-Szene will der Rechtsrock-Musiker inzwischen ausgestiegen sein. "Ich bin seid (sic!) 3 Jahren raus aus der Szene", schreibt der ehemalige Strafmass-Frontmann auf Anfrage. Zu C18 will er sich nicht äußern.

Ballung im Ruhrgebiet

Auch alle anderen Mitglieder und ehemaligen Angehörigen von "Combat 18 Deutschland" äußern sich nicht zur Gruppe. Angesprochen auf ihre Zugehörigkeit wiegeln sie ab. Im Ruhrgebiet, wo viele C18-Mitglieder wohnen, fahren wir in ein Wohnviertel, in dem gleich drei ehemalige C18-Aktivisten leben sollen. Hinter einem Mehrfamilienhaus weht eine Reichskriegsfahne. Ein bulliger Mittvierziger mit freiem Oberkörper taucht auf, auf seiner Brust ist ein SA-Mann tätowiert. Seine Lebensgefährtin überwies in den Monaten März bis Dezember 2014 jeweils 30 Euro - jeweils 15 Euro Mitgliedsbeitrag für beide. Schon lange sei er aus der Szene raus, sagt der Mann. Aber zu C18 will auch er nichts sagen.

Ein anderer Beitragszahler, der von 2014 bis 2017 regelmäßig 15 Euro überwiesen und als Verwendungszweck "tiger" angegeben hatte, schlägt uns die Tür sofort wieder vor der Nase zu.

Innenministerium: Keine terroristische Organisation

Bundesministerium des Innern, Neubau, Berlin, Deutschland © picture alliance / Arco Images Foto: W. Wirth

Laut Bundesinnenministerium wohnen de Mitglieder von C18 überwiegend in süd- und westdeutschen Bundesländern sowie in Thüringen.

Auch ein Neonazi aus Baden-Württemberg, der bei den vorvergangenen Landtagswahlen für die rechtsextreme Partei "Die Rechte" kandidierte, will nichts sagen: "Ich habe keinen Bedarf, mit Presse, Antifa etc. zu sprechen", so die kurze Antwort des Mannes, der 2016 und 2017 C18-Beiträge auf das Konto von R. überwiesen hat. 2017 zahlten insgesamt noch zehn Personen ihre Mitgliedsbeiträge. Die Sicherheitsbehörden gehen derzeit von einem guten Dutzend C18-Mitglieder in Deutschland aus.

Die konspirative Vereinsmeierei bleibt auch den deutschen Behörden nicht verborgen. Ein Interview zu dem Thema wollten weder Verfassungsschutz noch Bundesinnenministerium geben. Auch schriftlich antwortete das Innenministerium nicht auf konkrete Fragen. "Combat 18 Deutschland" besteht "aus einem Netzwerk weniger regionaler Kleingruppen und Einzelpersonen", fasste das Bundesinnenministerium die Gruppenstruktur jüngst in einem als "Verschlusssache" eingestuften Bericht zusammen. Die Mitglieder wohnen demnach überwiegend in süd- und westdeutschen Bundesländern sowie in Thüringen. Die regelmäßigen Zusammenkünfte "dienen der Motivation und dem Zusammenhalt der Gruppierung", stellt das Innenministerium fest. Eine terroristische Organisation erkennt das Ministerium nicht.

International vernetzt

Auch international ist "Combat 18 Deutschland" gut vernetzt. Die Gruppe soll auch in die internationalen Strukturen von "Blood & Honour" (B&H) eingebunden sein. Auch hier verwenden die Gruppen als Erkennungszeichen dasselbe Symbol wie der deutsche Ableger: einen Drachen. Die B&H-Division Skandinavien verbreitet bis heute die Propagandaschriften "Field Manual" und "The Way Forward" - Anleitungen für den bewaffneten Kampf. Die Blaupause für Terrorgruppen wie den NSU. In Griechenland läuft derzeit ein Strafverfahren gegen eine C18-Zelle - sie soll 30 Anschläge verübt haben.

Die Linken-Abgeordnete Martina Renner hat sich intensiv mit dem "Blood & Honour"- und C18-Netzwerk beschäftigt. Sie kann nicht nachvollziehen, dass beim Bl&H-Verbot im Jahr 2000 C18 nicht ebenfalls aufgelöst wurde: "Es gibt dafür keine vernünftige Erklärung. Man hätte am ehesten den Bereich in das Verbot mit einbeziehen müssen, von dem auch die höchste Gefahr für Leib und Leben ausgeht." Renner fordert eine bessere Überwachung und Ermittlungen gegen die Gruppierung.

Martina Renner von der Partei "Die Linke" im Interview. © NDR

Martina Renner: NSU hat auch klein angefangen
Die Rechtsextremismus-Expertin der Linkspartei, Martina Renner, kritisiert im Panorama Interview die Behörden, die ihrer Meinung nach zu lasch gegen "Combat 18" vorgehen.

Bislang keine Ermittlungen gegen "Combat 18 Deutschland"

Das Amtsgericht im bayerischen Hof hat Tobias V. inzwischen für den Schmuggel der Munition zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. V. hat gegen das Urteil Revision eingelegt. C18-Kopf Stanley R. muss wegen fahrlässigem Einführen von Munition nach Deutschland eine Geldstrafe von 3.000 Euro zahlen. Weder R. noch V. wollten sich zu C18 äußern - auch nicht dazu, weswegen sie Munition nach Deutschland gebracht hatten. Gegen die Gruppe "Combat 18 Deutschland" selbst wird bislang nicht ermittelt.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 19.07.2018 | 21:45 Uhr