Stand: 12.04.18 06:00 Uhr

AfD Niedersachsen: Wo jeder gegen jeden kämpft

von Ben Bolz & Johannes Jolmes

Am vergangenen Wochenende kamen die Mitglieder der niedersächsischen AfD in Braunschweig zusammen, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Und eines muss man dem ehemaligen Vorsitzenden Armin Paul Hampel lassen. Er hat gekämpft - bis zum bitteren Ende. "Ich kämpfe um meine Ehre. Ich lasse mir meine Ehre nicht nehmen", sagte er immer wieder. Zuvor hatte Bundesrechnungsprüfer Christian Waldheim festgestellt, dass es unter Hampels Führung in den Jahren 2013 bis 2017 Ausgaben in Höhe von 27.333 Euro ohne Belege gegeben habe. Es war der vorerst letzte Akt eines politischen Schauspiels voller Intrigen, persönlicher Diffamierungen und Machtkämpfe.

Paul Hampel, entmachteter Landesvorsitzender und erneuter Kandidat für das gleiche Amt, steht vor schwarzem Hintergrund. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

AfD Niedersachsen: Jeder gegen jeden
Seit einem Jahr tobt in der niedersächsischen AfD ein Krieg, der so gar nicht zum Anspruch der Partei passen will. Ist man anders als die "Altparteien" - oder schlimmer?

Anders als die "Altparteien"?

Seit über einem Jahr tobt in der niedersächsischen AfD ein Krieg, der so gar nicht zum Anspruch der relativ jungen Partei passen will. "Wir sind keine Karrieristen-Truppe und wir werden das auch nicht werden, dafür haben wir schon CDU, CSU, FDP SPD, Grüne und so weiter und deren Jugendorganisationen gleich mit. Aber bei uns … so wollen wir nicht anfangen, wir machen das nicht, wir arbeiten anders. Wir unterstellen uns und unser Ego der Sache", sagte so auch der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen in Braunschweig.

Dana Guth freut sich über die Wahl zur AfD-Landesvorsitzenden in der Stadthalle beim Landesparteitag der niedersächsischen AfD Alternative für Deutschland. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Hat (noch) gut Lachen: Dana Guth freut sich über die Wahl zur AfD-Landesvorsitzenden.

In Niedersachsen allerdings ist genau das Gegenteil passiert. Die Partei zerlegte sich im Streit um Posten und Mandate. Angeführt von Armin Paul Hampel auf der einen und der Chefin der Landtagsfraktion Dana Guth auf der anderen Seite. Beide reden seit Monaten so gut wie kein Wort miteinander. Dabei war es vor allem die Hampel-Fraktion, die mit gezielten Angriffen auf die Fraktionschefin parteiintern Stimmung machte. So heißt es etwa in einem internen Papier von Hampels Mitarbeiter Uwe Wappler: "Wer will in Niedersachsen die Basis mundtot machen? ... Dana Guth ..."

Verleumdungen und Intrigen

Der Guth-Anhänger und Polizist Lars Seemann wiederum sagte öffentlich über Armin Paul Hampel: "Jeder, der in seinem Beruf lange arbeitet, erkennt seine Schweine irgendwann am Gang. Und ich habe mir Herrn Hampel sehr frühzeitig im Streifenwagen vorgestellt. Aber ganz sicher nicht auf einem Beifahrersitz."

So ganz falsch könnte Seemann mit seinem Eindruck nicht gelegen haben, wenn man dem Bericht des Bundesrechnungsprüfers Glauben schenkt, der jetzt auf dem Parteitag präsentiert wurde. Allerdings bestreitet Hampel die darin gemachten Vorwürfe vehement: "Ich sage ihnen bei meiner Ehre, die ich immer noch trage und habe, dass all diese Abrechnungen korrekt waren." Helfen konnte ihm das jedoch nicht mehr, Dana Guth wurde zur neuen Vorsitzenden gewählt. Wenn auch nicht so deutlich, wie man es nach der inszenierten "Vorführung" Hampels hätte erwarten können.

"Angst und Bange"

Was sagt all das über die AfD aus? "Wenn wir also tatsächlich antreten mit Mut zur Wahrheit und nach vier Jahren einige Landesverbände schon besser als die Altparteien sind, dann ist mir in der Tat wirklich angst und bange", sagte der vom Bundesvorstand nach Braunschweig entsandte Kay Gottschalk.

Und den ehemaligen stellv. Landesvorsitzenden Wilhelm von Gottberg beschleicht der Eindruck, dass die AfD ihrem Anspruch, anders als SPD, CDU, Grüne oder FDP zu sein, nicht gerecht werden wird: "Wir sind alles Menschen mit den menschlichen Unzulänglichkeiten. Und insofern - so ganz anders wie die anderen Parteien werden wir nicht sein. Vielleicht haben wir das eine oder andere Ziel, ob sich das dann realisieren lässt, muss man abwarten. Aber so ganz anders werden wir nicht sein."

Anmerkung der Redaktion:

Der O-Ton von Herrn Hampel (03:49 - 04:02) ist natürlich nicht vom 16.10.2018, sondern vom 16.10.2017. Bei uns hat sich ein ärgerlicher Tippfehler eingeschlichen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 12.04.2018 | 21:45 Uhr