Stand: 26.10.17 12:19 Uhr

Krieg gegen IS: Der US-Pakt mit Marxisten

von Stefan Buchen und Karaman Yavuz

Paradoxe Allianz militärisch erfolgreich

Fakt ist, dass das politisch paradoxe Bündnis militärischen Erfolg hat. Dorf um Dorf, Stadt um Stadt drängen die Alliierten seit 2015 den IS zurück. Die Arbeitsteilung ist klar: die Amerikaner bombardieren aus der Luft, die PKK-Kämpfer, die sich in Nordsyrien offiziell "Volksverteidigungskräfte" (YPG) nennen, machen die Drecksarbeit am Boden, unterstützt von einigen "Special Forces". "Für uns läuft es gut", betont General Thomas während der Podiumsdiskussion in Colorado. "Die haben tausende Gefallene. Wir haben nur zwei Soldaten verloren."

Trump rüstet Kurden auf

Im vergangenen Mai verkündete das Pentagon, die Verbündeten der "SDF" mit Schusswaffen, Granatwerfern und gepanzerten Fahrzeugen zu beliefern. "Ich denke, das war die richtige Entscheidung", sagt Oberst Ryan Dillon, Sprecher der US-Armee im Nahen Osten, im Panorama-Interview. "Die SDF hat sich als einzige Kraft erwiesen, die die Fähigkeit hat, den Islamischen Staat effektiv zu bekämpfen und zu besiegen."

Ryan Dillon, der Sprecher der US-Armee im Nahen Osten © NDR Fotograf: Screenshot

Ryan Dillon, Sprecher der US-Armee im Nahen Osten, trennt zwischen politischer Motivation und Kampfbereitschaft.

Vor wenigen Tagen sind die kurdischen Milizionäre in der ehemaligen IS-Hauptstadt Rakka am Euphrat eingezogen. Wem ihre politische Loyalität gilt, machten sie sofort deutlich: Auf dem zentralen Platz der Stadt entrollten sie ein Riesenposter mit dem Bildnis von PKK-Chef Abdullah Öcalan, der seit 18 Jahren in einem türkischen Gefängnis sitzt.

"Politische Hintergründe verblassen auf dem Schlachtfeld"

Wie natürlich es für die US-Armee sei, mit einer marxistischen Kaderorganisation zusammenzuarbeiten, wollen wir von Oberst Dillon wissen. "Uns Soldaten interessiert, dass unsere Partner fähig zum Kampf sind", antwortet der amerikanische Offizier. "Die politischen Hintergründe verblassen auf dem Schlachtfeld."

Aus der Realität lassen sich die politischen Hintergründe und ihre Fallstricke allerdings nicht hinwegdiskutieren. Denn klar ist, dass das Bündnis beide Seiten vor Probleme stellt. "Öcalan ist keine respektable Persönlichkeit", twitterte die US-Botschaft in Ankara am Wochenende in türkischer Sprache.

Erklärung der diplomatischen Vertretung der USA in der Türkei: "Unsere Haltung zur Befreiung von Rakka ist klar. Es ist ein Gewinn für alle Syrer. Wir erwarten von allen Seiten, auf Aktionen zu verzichten, die Spannungen erzeugen oder als aggressiv wahrgenommen werden könnten. Die US-Regierung arbeitet eng mit der Türkei im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Stärkung der regionalen Stabilität zusammen. Die PKK ist eine Organisation auf der Liste der ausländischen Terrororganisationen und Öcalan befindet sich aufgrund der terroristischen Aktivitäten der PKK in der Türkei in Haft. Öcalan ist keine Persönlichkeit, die Respekt verdient."

Lässt sich Erdogan besänftigen?

Dass diese Botschaft den türkischen Staatschef Erdogan besänftigt, darf bezweifelt werden. In Syrien halten kurdische Kämpfer jetzt nicht nur Rakka, bis zum Krieg eine überwiegend arabische Stadt, sondern sie stehen auch auf Ölfeldern der Provinz Deir az-Zour im Südosten des Landes, fern vom kurdischen Siedlungsgebiet im Norden. Neue Konflikte mit der arabischen Bevölkerung sind vorprogrammiert. Wer den IS besiegt, wird danach nicht zwangsläufig zur Stabilisierung des Landes beitragen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 26.10.2017 | 21:45 Uhr