Stand: 26.10.17 12:19 Uhr

Krieg gegen IS: Der US-Pakt mit Marxisten

von Stefan Buchen und Karaman Yavuz

Plaudern gehört eigentlich nicht zu seinem Job. Aber am 21. Juli wollte der Befehlshaber des Kommandos "Spezialoperationen" der US Army offenbar einmal mitteilen, wie er die Fäden zieht. General Raymond Thomas hatte bei einer Sicherheitskonferenz des Aspen-Instituts im Bundesstaat Colorado auf dem Podium Platz genommen. Im lockeren Plauderton hangelt sich die Unterhaltung mit der Moderatorin von Brennpunkt zu Brennpunkt um den Globus. Nach einer knappen halben Stunde kommt man in Syrien an, genauer gesagt im Norden des nahöstlichen Landes, in dem seit sechs Jahren Krieg herrscht. Auch dort hat der hochdekorierte General "Spezialtruppen" unter seinem Kommando.

Soldaten mit YPG-Abzeichen © NDR Fotograf: Screenshot

Krieg gegen IS: Der US-Pakt mit Marxisten
Mit den "Syrian Democratic Forces" bekämpfen US-Streitkräfte seit 2015 den IS in Syrien. Doch die Milizionäre sind in Wahrheit Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK.

PKK? "Sie müssen Ihren Firmennamen ändern"

US-General Raymond Thomas © NDR Fotograf: Screenshot

Die Kunst der Verschleierung: General Raymond Thomas brachte die PKK in Syrien dazu, ihren Namen zu ändern.

Dass sie dort sind, um den "Islamischen Staat" (IS) zu bekämpfen, ist kein Geheimnis. Ebenso ist bekannt, dass sich die US-Streitkräfte dort von einer 2015 ins Leben gerufenen "kurdisch-arabischen Miliz" namens "Syrian Democratic Forces", kurz SDF, helfen lassen. Aber um wen es sich bei dieser mysteriösen Miliz genau handelt, daraus hatten US-Militärs bis dato keinen Gegenstand öffentlicher Erörterung gemacht. Auch für eingefleischte Syrienexperten waren die "SDF" bisher ein Rätsel.

US-Panzer im Nahen Osten © NDR Fotograf: Screenshot

"Special Forces" unterstützen die PKK-Kämpfer. Die Verlustzahlen sind für die USA dabei gering.

In Colorado legt General Thomas überraschend die Karten auf den Tisch. Damals, 2015, habe er kurdische Politfunktionäre und Milizenchefs der PKK getroffen. "Sie müssen Ihren Firmennamen ändern", habe er ihnen gesagt. Der General erläutert, dass der alte Firmenname nicht vermittelbar gewesen wäre. "Wenn sie zu sehr die Verbindung zu ihrer Vergangenheit, zur PKK, in den Vordergrund stellen würden, dann schüfe das Probleme", erklärt Thomas dem Publikum.

Die aus der Türkei stammende PKK ist in vielen Ländern als "terroristische Organisation" eingestuft, so auch in Deutschland. Offenbar verstanden die kurdischen Milizenchefs das Anliegen des amerikanischen Militärkommandeurs. "Es dauerte nur einen Tag. Dann erklärten sie, dass sie jetzt die 'Syrian Democratic Forces' seien", erzählt General Thomas, um dann noch eine Pointe zu setzen: "Ich dachte mir, dass es eine geniale Eingebung war, das Wort 'Demokratie' irgendwie in dem neuen Namen unterzubringen." Das Publikum in Colorado lacht begeistert.

Kapitalisten paktieren mit Marxisten

Der US-General hat also verraten, dass "SDF" in Wahrheit ein Deckname für die Kämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei PKK ist. Das Bündnis ist nicht gerade naheliegend, bringt es doch die imperialistische und kapitalistische Weltmacht USA mit einer marxistischen Ideen anhängenden linken Kaderorganisation zusammen, die von sozialistischer Kooperativenwirtschaft schwärmt. Obendrein wird die PKK von der Türkei, einem Natomitglied und daher formellen Verbündeten der Vereinigten Staaten, als staatsfeindliche Terrororganisation betrachtet.

Es ist also keine Übertreibung zu sagen, dass in Nordsyrien zwei gegensätzliche politische Pole eine Allianz geschmiedet haben. Man mag es als Indikator für die absurde Verworrenheit des Syrienkrieges werten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 26.10.2017 | 21:45 Uhr