Stand: 27.06.19 11:29 Uhr

Lübcke-Mord: Mutmaßlicher Helfer als Neonazi bekannt

von Robert Bongen, Otto Carsten, Julian Feldmann und Nino Seidel

Bei einem der zwei jetzt festgenommenen mutmaßlichen Helfer des geständigen Lübcke-Mörders Stephan E. handelt es sich um den Kasseler Neonazi Markus H. Der 43-Jährige, der Stephan E. Waffen vermittelt haben soll, war bereits 2006 im Zusammenhang mit dem Mord an Halit Yozgat in Kassel als Zeuge vernommen worden. Das haben Recherchen des ARD-Politikmagazins Panorama ergeben. Wie sich später herausstellte, war Yozgat ein Opfer der Terrorgruppe NSU. H. soll das Mordopfer Yozgat gekannt haben.

Mann mit Kapuze, Reporter im Hintergrund © NDR Foto: Screenshot

Spurensuche im Umfeld des mutmaßlichen Lübcke-Mörders
Panorama 3 hat sich auf Spurensuche im Umfeld des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke begeben. Ein ehemaliger Wegbegleiter erzählt von seinen Erfahrungen mit Stephan E.

Hasskommentare und Verurteilung

Markus H. gehörte seit Jahren zur Kasseler Neonazi-Szene und war nach Panorama-Informationen jahrelang beim "Freien Widerstand Kassel" aktiv. Unter dem Pseudonym "Stadtreiniger" verbreitete er bereits vor mehr als zehn Jahren Hasskommentare auf den Internetseiten einer Lokalzeitung. "Die BRD ist nicht Deutschland", hieß es dort etwa.

"Wenn ich mir das so recht überlege, sollte es wieder eine Reichskristallnacht geben", hatte "Stadtreiniger" im internen Forum des "Freien Widerstands Kassel" geschrieben. Screenshots der Einträge liegen Panorama vor. Damals soll H. schon über die Beschaffung von Waffen und Sprengstoff diskutiert haben. 2006 war H. den Sicherheitsbehörden wegen des Brüllens von "Sieg Heil" und dem Zeigen des Hitlergrußes in einer Kneipe aufgefallen. Dafür wurde er später zu einer Geldstrafe verurteilt.

Stephan E. © C.O. Meyer/Panorama Foto: Screenshot

Exklusiv: Video zeigt mutmaßlichen Lübcke-Mörder Stephan E.
Panorama liegt ein Video vor, das den wegen Mordverdachts an Walter Lübcke in Untersuchungshaft sitzenden Stephan E. bei einer Auseinandersetzung 2007 in Kassel zeigt.

H. nicht für Stellungnahme erreichbar

Am 1. Mai 2009 war Markus H. zusammen mit rund 400 Neonazis in Dortmund, als Rechtsextremisten eine Gewerkschafts-Kundgebung attackierten. Auch Stephan E. war damals dabei und wurde deswegen 2010 wegen Landfriedensbruch verurteilt.

H. soll einer der beiden Helfer des mutmaßlichen Mörders des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sein. Die Generalbundesanwaltschaft führt gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Mord. Die Ankläger werfen ihm vor, Stephan E. den Kontakt zu einem Waffenhändler - Elmar J. - aus Nordrhein-Westfalen vermittelt zu haben.

Aus dem Umfeld von Stephan E. heißt es, dass Markus H. bis in die jüngste Zeit Kontakt zu ihm gepflegt habe. Für Reporter von Panorama war H. in den vergangenen Tagen nicht zu sprechen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 25.06.2019 | 21:30 Uhr