Wärmedämmung: Wie man lästige Mieter loswird

von Johannes Edelhoff & Fabienne Hurst

Hans Freiwald dachte erst an einen schlechten Scherz, als er vor kurzem Post von seinem Vermieter bekam. Um rund 1.200 Euro pro Monat werde seine Miete steigen, kündigte das Schreiben an. Was Freiwald kaum glauben konnte: die Mieterhöhung war legal. Denn bei einer "Modernisierung" dürfen elf Prozent der Kostenauf den Mieter umgelegt werden. Freiwald sollte vor allem für eine energetische Modernisierung zahlen. Dreifach verglaste Fenster, Wärmedämmung und ein effizienteres Heizsystem. Teure Maßnahmen, die er durch seine zukünftigen Heizkosten niemals einsparen wird. Die Nachbarn von Hans Freiwald zogen kurz nach der Ankündigung der Mieterhöhung aus.

Eine riesige Wollmütze ist auf einer fünf Meter hohen Litfaßsäule zu sehen © dpa picture alliance Fotograf: Frank Rumpenhorst

Wärmedämmung: Wie man lästige Mieter los wird
Dreifach verglaste Fenster, Wärmedämmung,ein hauseigenes Blockheizkraftwerk - das klingt gut. Doch die energetische Sanierung dient oft dazu, lästige Mieter loszuwerden.

Mieter als Verkaufshindernis

Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund

Energetische Dämmung sei eine beliebte Methode Altmieter zu vertreiben, so Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Laut deutschem Mieterbund ist genau das häufig das Ziel von Vermietern. Sie hoffen, dass die Mieter aufgrund der energetischen Sanierung ausziehen. Denn das steigert den Wert der Wohnung erheblich. In angespannten Wohnungsmärkten finden Vermieter fast immer neue Mieter, die bereit sind, jede Fantasiemiete zu bezahlen - oder sie können die Wohnung erheblich teurer verkaufen. "Auf den Wohnungsmärkten ist es mittlerweile so, dass der Mieter ein Verkaufshindernis ist. Es gibt einen Abschlag, ein neuer Käufer wird weniger bezahlen. Leere Wohnungen dagegen sind deutlich mehr wert, das sind die Gesetze des Wohnungsmarktes", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Hans Freiwalds Vermieter bestreitet, aus diesem Grund modernisiert zu haben.

"Goldene Gesetzeslücke"

Hans Freiwald sitzt in seinem Wohnzimmer.

Hans Freiwald soll nach einer Modernisierung rund 1.200 Euro mehr Miete pro Monat zahlen.

So gilt die Modernisierungsumlage unter Vermietern als Renditeparagraph - als goldene Gesetzeslücke im sonst strengen Mieterschutz. Mieter raus - Rendite rauf - alles jetzt im Namen des Klimaschutzes. Da die energetische Modernisierung so teuer ist, können Vermieter die Miete ins Unerschwingliche steigern. Ein einfacher Weg, Mieter mit alten Mietverträgen loszuwerden. Das zuständige Justizministerium will daran wenig ändern, beruft sich darauf, dass es einen Härtefallparagraphen gebe. Die Mieter müssten mehr klagen, und schon sei Schluss mit dem Missbrauch. Doch viele Mieter haben Angst vor dem teuren Rechtsstreit und ziehen aus.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 25.06.2015 | 21:45 Uhr