Stand: 19.12.14 15:06 Uhr

Edathy: Rückkehr eines Geächteten

von Thomas Berbner & Johannes Jolmes

Sebastian Edathy sieht sich als Opfer: als Opfer übereifriger Staatsanwälte, als Opfer schlagzeilengetriebener Journalisten, vielleicht auch als Opfer seiner eigenen Partei. Die SPD ließ den einstigen Hoffnungsträger auf dem wichtigen Feld der Innenpolitik fallen, als der Verdacht des Besitzes von Kinderpornografie Anfang des Jahres öffentlich wurde.

Sebastian Edathy bei der Bundespressekonferenz in Berlin. © dpa-Bildfunk Fotograf: Kay Nietfeld

Edathy: Rückkehr eines Geächteten
Sebastian Edathy hat sich Presse und Untersuchungsausschuss gestellt. Er selbst sieht sich offenbar als Opfer von Staatsanwaltschaft und Medien.

Edathy wehrt sich seitdem aus seinem Unterschlupf im Ausland gegen die, wie er es selbst nennt, "öffentliche Hinrichtung". Mit Facebookeinträgen und seltenen Äußerungen gegenüber der Presse, etwa nun im Stern  kurz vor seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Bekanntwerden der Affäre, offenbart Edathy seine Sicht: Er sei vom Bundestagsabgeordneten und Parteifreund Michael Hartmann Ende 2013 vor Ermittlungen gewarnt worden. Hartmann bestreitet das. Beide blieben vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages bei ihren widersprüchlichen Darstellungen.

Edathy belastet Oppermann

Mit besonderer Spannung hatte das politische Berlin auf die Äußerungen von Sebastian Edathy gewartet. Mehr als zwei Stunden stellte er sich der Presse und belastete den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann. Informiert habe ihn jedoch Michael Hartmann, mit dem er einen sehr intensiven Austausch im November 2013 gehabt habe. Und die Informationen, die er erhalten habe, seien "direkt von der Spitze des BKA" gekommen, von Jörg Ziercke. "Hartmann gehe davon aus, dass Ziercke wolle, dass ich im Bild bin", zitiert Edathy aus seiner eidesstattlichen Erklärung. Als Beleg hierfür hatte er bereits vor einigen Tagen dem Magazin "stern" einen SMS-Verkehr mit Hartmann vorgelegt.

Keine Informationen über das laufende Verfahren

Zu den Details des laufenden Verfahrens äußerte er sich nicht. Der Richter habe allerdings intern den Vorschlag gemacht, das Verfahren gegen einen überschaubaren Geldbeitrag einzustellen, so Edathy. Er wolle das unterstützen und würde auch der Staatsanwaltschaft entgegenkommen. Das Landgericht Verden widerspricht dieser Darstellung.

Den Verdacht der Kinderpornografie kommentiert er ausweichend, spricht von der juristischen und der moralischen Seite. "Es war sicherlich falsch, diese Filme zu bestellen. Aber es war legal." Und ob er denn pädophil sei, beantwortet er klar mit "Es geht Sie nichts an, was ich bin." Was seine politische Zukunft betrifft, da ist er eindeutig: "Den Politiker Edathy gibt es nicht mehr".

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 18.12.2014 | 22:00 Uhr