Bischöfe zu Abtreibung

von Bericht: Thomas Berbner

Bischöfe zu Abtreibung

Anmoderation

PATRICIA SCHLESINGER:

Bischöfe von hinten © picture-alliance/ dpa Foto: Arne Dedert

Nicht klug, aber vielleicht wenigstens schlau - das haben sich wahrscheinlich die deutschen Bischöfe gedacht, als sie jetzt ihre Entscheidung zur Abtreibung fällten. Ein Schwangerschaftsabbruch für eine gläubige katholische Frau soll weiter möglich sein, zwar unter erschwerten Bedingungen, aber immerhin. Auf jedem Beratungsschein, den eine katholische Stelle ausstellt, wird künftig also stehen: "Berechtigt nicht zu einer straffreien Abtreibung". Dieser Satz sei für staatliche Stellen aber ohne Relevanz, zu diesem Schluß kamen die Bischöfe. Das Diktum des Papstes wird so im Dienst der Sache und nicht des Glaubens kraftvoll umgangen. Frauen können sich beraten lassen und abtreiben. Die katholische Kirche ist eine der wenigen gesellschaftlichen Institutionen, die laut gegen Abtreibung auftreten. Sie könnte Nachdenklichkeit - ohne Druck - fördern und echte Hilfe anbieten. Sie macht sich ein weiteres Mal völlig unglaubwürdig. Aber mit dem Prinzip Scheinheiligkeit und Heuchelei hat man ja jahrhundertelange Erfahrung. Mein Kollege Thomas Berbner ist nach dieser Entscheidung fast vom Glauben abgefallen, fast.

KOMMENTAR:

Herr, ich weiß, Du hast gesagt: Selig sind die geistig Armen, denn ihrer ist das Himmelreich. Aber daß sich Dein Diener Karl und all die anderen Bischöfe in Himmelpforten so dreist aus der Verantwortung stehlen, das, Herr, tut weh. Bischöfe, die zu Kreuze kriechen.

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KARL LEHMANN:

(Bischof)

"Man kann nicht Bischof sein, ohne daß es Loyalität zum Papst gibt."

KOMMENTAR:

Herr, ich weiß, Karl hatte einen schweren Stand gegen seinen Widersacher, den Fuldaer Erzbischof Dyba. Offenbar hast Du ja in Himmelpforten auch alles versucht, um das drohende Unheil aufzuhalten.

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KARL LEHMANN:

"Als nämlich der Blitz während unserer Beratungen in unmittelbarer Nähe in einen Baum schlug und zum Beispiel diese Rinde direkt vor unser Fenster geworfen hat - und übrigens sprach gerade Erzbischof Dyba."

KOMMENTAR:

Allein, Herr, genützt hat es alles nichts. Da ist es nur ein schwacher Trost, daß sie Karl fast im Hals steckengeblieben ist, die Himmelpfortener Haarspalterei.

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KARL LEHMANN:

"Das war nun immer auch ein Punkt in den Gesprächen, wo wir etwas nuancierende Bemerkungen hatten."

KOMMENTAR:

Oh, Herr, sie ist geradezu babylonisch, die bischöfliche Spitzfindigkeit. Der Satz auf dem katholischen Beratungsschein verbietet künftig die Abtreibung, aber eben nur moralisch und nicht rechtlich. Und was können Bischöfe dafür, wenn Frauen eben einfach keine Moral haben? Die Bischöfe waschen ihre Hände in Unschuld.

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KARL LEHMANN:

"Und insofern ist diese Spannung, die einfach da ist plötzlich in diesem Satz und dem, was geschieht, die ist in der Sache selber begründet."

KOMMENTAR:

Herr, Du hast gesagt: Euer Ja sei ein Ja und Euer Nein sei ein Nein, und nicht: Euer Ja sei ein Ja, aber und Euer ein Nein, aber vielleicht doch, oder ein Ja, warum eigentlich nicht, aber nein, wir können wirklich nichts dafür. Dein Diener Karl ist der Meinung, daß ein Jein klar genug ist.

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KARL LEHMANN:

"Jetzt muß auch die ewige Forderung nach der Klarheit und Entschiedenheit des Zeugnisses, das muß mal ein Ende haben. Und beides gehört zusammen, wir bleiben drin, und jetzt soll uns niemand sagen, wir wären auch nicht eindeutig genug. Also, da ist jetzt Endstation.

Dieses Thema im Programm:

Panorama | 24.06.1999 | 21:15 Uhr