Neuer Skandal bei der Bundeswehr

von Bericht: Christoph Mestmacher und Thomas Berndt

Anmoderation:

PATRICIA SCHLESINGER:

Trotzdem ist es gut, daß es diesen Bericht der Hardthöhe gibt, im Anhang findet sich nämlich ein ganz besonderes Dokument. Einfach abgeheftet, die Brisanz des Papiers hat bisher wohl noch niemand so richtig erkannt. Daraus geht hervor, daß Nazi Roeder und sein dubioser Verein nicht die einzigen waren, die in den Genuß direkter Hilfe der Bundeswehr kamen. Auch das "Kameradenwerk Korps Steiner", eine Nachfolgeorganisation der Waffen-SS, hat aus Bundeswehrbeständen LKW bekommen - kostenlos. Gegen die alten Kameraden ist die Truppe wohl nur bedingt abwehrbereit.

Stiefel von Bundeswehrsoldaten © dpa

Neuer Skandal bei der Bundeswehr
Einfach abgeheftet das Papier - daraus geht hervor, daß Nazi Roeder und sein dubioser Verein nicht die einzigen waren, die in den Genuß direkter Hilfe der Bundeswehr kamen. Auch das "Kameradenwerk Korps Steiner", eine Nachfolgeorganisation der Waffen-SS, hat aus Bundeswehrbeständen LKW bekommen - kostenlos.

Informationen von Christoph Mestmacher und Thomas Berndt.

KOMMENTAR:

Das niedersächsische Wifelstede heute morgen. Hier wohnt einer mit extrem guten Kontakten zur Bundeswehr. Kein Wunder, schließlich ist er Präsidiumsmitglied eines ganz speziellen, rechtsradikalen Kameradenwerks. Doch Georg Diers will spontan zu seinen Beziehungen nichts sagen.

0-Ton

GEORG DIERS:

"Da bin ich nicht vorbereitet."

INTERVIEWER:

"Aber Sie sind doch Vorsitzender auch, also da könnten wir doch irgendwie spontan..."

GEORG DIERS:

"Nee, möchte ich nicht."

EHEFRAU:

"Nee, wofür?"

KOMMENTAR:

Dabei hätte dieser Georg Diers viel zu erzählen. In diesem Brief bedankt er sich freundlich bei der Bundeswehr, präzise dem Materialamt des Heeres, für die nette Unterstützung. Geliefert wurden zwei MAN-LKW 5-Tonner, kostenlos. Die Hilfe der Bundeswehr galt alten Kameraden vom Korps Steiner e.V. In dieser Truppe ist Georg Diers unter seines gleichen.

0-Ton

FRANZISKA HUNDSEDER:

(Rechtsextremismus-Expertin)

"Im Kameradenwerk Korps Steiner versammeln sich bis heute Rechtsextremisten, das ist ja bis zum heutigen Tage aktiv. Es gibt Broschüren heraus, es gibt Broschüren mit einem unverhohlenen Gedankengut. Also hier wird nur ganz wenig die Ideologie des Dritten Reiches, Verherrlichung des Dritten Reiches kaschiert. Beispielsweise wird eben die Waffen-SS dargestellt als eine gewissermaßen Befreiungsarmee, und die Verbrechen dieser Truppe werden nicht genannt."

KOMMENTAR:

Georg Diers ist ein führendes Mitglied in diesem Korps. Er diente an der Ostfront unter dem bekannten SS-General Felix Steiner. Steiner war Hitler und dessen Ideologie treu ergeben. Er führte die berüchtigte SS-Division Wiking. Steiner steht auch heute noch für die ewig Gestrigen.

0-Ton

FRANZISKA HUNDSEDER:

"Felix Steiner, nach dem dieses Kameradenwerk benannt ist, war einer der bekanntesten Militärs des Dritten Reiches, einer von den Einpeitschern, und er ist bis zum heutigen Tage ja ein Idol, sowohl für Alt- wie auch für Neonazis."

KOMMENTAR:

Doch bei alten Kameraden, egal wie weit rechts sie stehen, ist das Verteidigungsministerium offenbar großzügig, wenn das Wort humanitäre Hilfe fällt. LKW wie diese wurden von den Altnazis nach Estland gebracht. Und einmal mehr also muß die Bundeswehr dem Eindruck widersprechen, es fehle in einigen Amtsstuben an der nötigen Distanz zum rechten Rand. Daß bei der SS-Nachfolgeorganisation Korps Steiner kein Militär rechtzeitig Alarm schlug, mögen Bundeswehrexperten kaum glauben.

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PROF. BERND WEGNER:

(Bundeswehr-Universität Hamburg)

"Da hätten ganz sicher Alarmglocken klingeln müssen. Der Titel weist eindeutig hin auf eine Einrichtung, die mit der ehemaligen Wehrmacht oder der Waffen-SS zu tun hat. Der Name Steiner deutet eindeutig auf die Waffen-SS hin, und das wäre ein Fall, der dann zur Prüfung gegeben werden müßte."

INTERVIEWER:

"Aus welchem Grund? Gibt es da Vorschriften?"

PROF. BERND WEGNER:

"Natürlich, der Traditionserlaß der Bundeswehr verbietet alle Formen der Zusammenarbeit mit Einrichtungen der ehemaligen Wehrmacht oder deren Traditionsverbände. Und es gibt keinen Zweifel, daß es im Truppenalltag oder in der Praxis hier durchaus ab und zu Grauzonen gibt."

Abmoderation:

PATRICIA SCHLESINGER:

Die Hardthöhe hat den Vorgang übrigens bestätigt und hält ihn für - Zitat - "möglicherweise prüfenswert". Das ist alles.

Dieses Thema im Programm:

Panorama | 15.01.1998 | 21:00 Uhr