Stand: 20.09.17 15:27 Uhr

Terrorprozess in Stuttgart: 3,5 Jahre Haft für Syrer

In einem Staatsschutzverfahren gegen einen 26-jährigen Flüchtling aus Syrien hat das Oberlandesgericht Stuttgart den Angeklagten für schuldig befunden und zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Beteiligung an Kriegsverbrechen und Freiheitsberaubung verurteilt.

Panorama hatte im Oktober 2016 berichtet, dass Suliman al-S. der erste Flüchtling ist, der in Deutschland wegen Kriegsverbrechen in Syrien angeklagt wurde. Der anerkannte Asylbewerber hatte über Monate in einem schwäbischen Städtchen an einer Schule Deutsch gelernt und mit Unterstützung syrischer Freunden im Rems-Murr-Kreis einen Job und eine neue Heimat gefunden.

Entführter UN-Mitarbeiter in Syrien. © NDR/ARD

Prozess gegen syrischen Flüchtling wegen Kriegsverbrechen
Der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Suliman al-S. soll in Syrien einen UN-Mitarbeiter aus Kanada entführt haben. Kommende Woche steht er in Stuttgart-Stammheim vor Gericht.

UN-Mitarbeiter entführt

Das Stuttgarter Gericht sah es nun als erwiesen an, dass Suliman al-S. als Mitglied der islamistischen Terrormiliz Dschabhat al-Nusra an der Entführung eines UN-Mitarbeiters in Syrien beteiligt war. Der Kanadier Carl Campeau hatte als Rechtsberater für die Vereinten Nationen gearbeitet und war im Rahmen einer UN-Mission im Februar 2013 entführt und acht Monate lang festgehalten worden - bis ihm die Flucht gelang.

Entführter UN-Mitarbeiter in Syrien. © NDR/ARD

Entführungsopfer: Carl Campeau.

Nachrichtendienstliche Hinweise hatten die Ermittler auf die Spur des Syrers gebracht, der Anfang 2016 von einem mobilen Einsatzkommando der Polizei in Backnang festgenommen wurde. Gegenüber den deutschen Behörden hatte das Opfer Campeau den jungen Syrer als einen seiner Bewacher identifiziert. Er habe immer eine selbstgebastelte Handgranate an einer Halskette vor seiner Tarnweste getragen. "Mir hat man erklärt, dass er die Handgranate zünden wolle, falls er gefasst werde", sagt der UN-Mitarbeiter dem Magazin "Stern" und Panorama. Die Ermittler stießen in sozialen Medien außerdem auf Einträge, in denen Suliman al-S. als "Abu Adam" angesprochen wurde - von unterschiedlichen Personen.

"Der war doch der Traum aller Schwiegermütter."

In Deutschland lebt Suliman al-S. zuerst in einer Flüchtlingsunterkunft bei Kaiserslautern und zieht im März 2015 in den Rems-Murr-Kreis. Im Deutschkurs fällt er als disziplinierter Schüler auf. Die Leiterin der Schule ist nicht grundsätzlich gut auf Schüler aus dem arabischen Raum zu sprechen. Suliman al-S. aber, erzählt sie Panorama am Telefon, habe sie als "höflich und eher zurückhaltend" wahrgenommen. Seine Festnahme hat sie überrascht: "Der war doch der Traum aller Schwiegermütter."

Suliman al-S. holte im August 2015 mit Hilfe von Schleusern seinen Vater und seine drei Schwestern nach Deutschland. Und die Ermittler stoßen auf Chats, die nahe legen, dass Suliman al-S. in Deutschland ein neues Leben begonnen hat. Anhaltspunkte dafür, dass Sulaiman al-S. in Deutschland Terrortaten plante, gibt es nicht. Einem Freund, der vom Leben im Jenseits schwärmt, antwortet er: "Gut, dass du mich nicht siehst, während ich Hasch rauche oder mit einem Mädchen ...!" Dahinter setzt er einen Smiley und schreibt: "Es ist so gewollt!"

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 13.10.2016 | 21:45 Uhr