Bei Missbrauchsverdacht: Lehrer brauchen Schulungen

In 40 Prozent aller Schulen haben Lehrer in den vergangenen drei Jahren von Verdachtsfällen sexueller Gewalt erfahren. Das ergab eine Studie des Deutschen Jugendinstituts, die jetzt vorgestellt wurde.

Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann

Christine Bergmann fordert mehr Schulungen für Lehrer, damit sie bei Verdachtsfällen von sexueller Gewalt richtig reagieren.

Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann, forderte im ZDF-Morgenmagazin als Konsequenz mehr Fortbildungen für Lehrer im Umgang mit sexuellen Missbrauchsfällen. Die Studie ergab, dass 32 Prozent der in den Schulen gemeldeten sexuellen Übergriffe außerhalb des Schulumfelds passierten.

Bestrafung für Schüler, kaum Konsequenzen für Lehrer

In 16 Prozent der gemeldeten Fälle sollten andere Schüler Täter sein, in vier Prozent der Fälle soll der Missbrauch durch Lehrer oder anderes Schulpersonal passiert sein. Weiterhin hat die Studie untersucht, wozu die Verdachtsfälle führten. Dabei gibt es in der Statistik ein starkes Ungleichgewicht zwischen Konsequenzen für Schüler und Lehrer: Während 67 Prozent der beschuldigten Schüler bestraft wurden, gab es nur für 20 Prozent der beschuldigten Lehrer Konsequenzen.

Woher dieses Ungleichgewicht kommt, wird in der Studie allerdings nicht geklärt. Über sexuellen Missbrauch durch Lehrer hat Panorama bereits 2009 berichtet. In einem der dargestellten Fälle hatte ein 36 Jahre alter Lehrer eine 14-jährige Schülerin in 22 Fällen sexuell missbraucht.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Koblenz hatte das Verfahren gegen den Pädagogen zunächst eingestellt und begann erst nach der Panorama-Berichterstattung wieder zu ermitteln. Inzwischen wurde der Lehrer zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt auf Bewährung. Am 27. Juni hat das Landgericht Koblenz die Berufung des Lehrers abgelehnt und das Urteil in zweiter Instanz bestätigt.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 16.04.2009 | 21:45 Uhr