Interview

Stand: 04.05.18 10:00 Uhr

"Ausgrenzung unter dem Kreuz nicht möglich"

Markus Söder (CSU) hängt ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf. © dpa Bildfunk Fotograf: Peter Kneffel

Markus Söders Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei ist ein besonderes.

Markus Söder mit einem Kreuz. Dieses Bild steht symbolisch für die Debatte über den Beschluss der Bayerischen Landesregierung, demzufolge ab dem 1. Juni 2018 im Eingangsbereich eines jedes bayerischen Dienstgebäudes ein Kreuz hängen soll.

Das Kreuz, mit dem Markus Söder posierte, ist nicht irgendein Kreuz: Es war ein Geschenk des früheren Münchner Kardinals Friedrich Wetter an den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Bis vor zehn Jahren hing es im Kabinettssaal. Geweiht wurde es von Wetter und gesegnet vom ehemaligen Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich. Ben Bolz hat mit Dr. Johannes Friedrich über Markus Söders Umgang mit dem Kreuz gesprochen.

"Universelles Liebesgebot"

Wie bewerten Sie den Vorstoß von Ministerpräsident Söder und der Bayrischen Landesregierung, demzufolge ab dem 1. Juni 2018 im Eingangsbereich eines jedes bayerischen Dienstgebäudes ein Kreuz hängen soll?

Der ehemalige evangelische Landesbischof von Bayern, Johannes Friedrich. © dps / picture-alliance Fotograf: Daniel Karmann

"Keine Ausgrenzung unter dem Kreuz": Johannes Friedrich.

Ich freue mich immer darüber, wenn im öffentlichen Raum ein Kreuz sichtbar wird. Ich finde es viel besser, wenn in unserem Staat Kreuze aufgehängt werden als wenn sie abgenommen würden, das haben wir ja auch erlebt. Und ich freue mich, wenn wir Politiker, die dieses Kreuz aufzuhängen befürworten, darauf ansprechen können, was das Kreuz bedeutet: Demut unter dem Kreuz, Eintreten für die Feindesliebe, den Einsatz für die Schwachen, ja, das universale Liebesgebot. Es bedeutet auch eine Selbstverpflichtung das, wofür das Kreuz steht, auch im politischen Handeln ernst zu nehmen. Denn wir haben eine Verantwortung für alle Menschen.

Sie haben das Kreuz, das Ministerpräsident Söder nach seiner Pressekonferenz im Eingangsbereich der Staatskanzlei anbrachte und mit dem er sich fotografieren ließ, gemeinsam gesegnet Wie haben Sie den Auftritt empfunden?  

Ich habe mich gefreut, dass dieses Kreuz, über das ich den Segen gesprochen hatte, nun seinen Dienst in der Staatskanzlei tut.

Kardinal Marx sagte im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", durch den Vorstoß sei "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" entstanden. "Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden". Wie sehen Sie das? 

Ich glaube, dass Kardinal Marx mit dieser Aussage Recht hat: Eine rein kulturelle Deutung des Kreuzes (von der ja wohl auch Ministerpräsident Söder inzwischen abgerückt ist), geht nicht. Das Kreuz ist ein religiöses christliches Symbol, das nicht zu trennen ist von den christlichen Inhalten, die ich eben genannt habe.

Markus Söder wird von Kritikern vorgeworfen, er würde das Kreuz zu Wahlkampfzwecken instrumentalisieren. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Ganz kann ich von dem Gedanken, dass es hierbei auch um Wahlkampf ging, nicht absehen. Aber lieber macht man hiermit Wahlkampf als mit der Ausgrenzung von Flüchtlingen und von Muslimen, denn beides ist unter dem Kreuz nicht möglich.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 14.12.2017 | 21:45 Uhr