Stand: 06.03.18 17:00 Uhr

Henrik - Ein Prinz mit Liebe zur Poesie

von Stefanie Grossmann

Manche Menschen bekommen erst spät die Anerkennung und den Respekt, der ihnen gebührt. Dazu gehörte auch Prinz Henrik, der Mann von Königin Margrethe von Dänemark. Im Gegensatz zu seiner überaus beliebten Gemahlin schlossen ihn die Dänen lange Zeit nicht in ihr Herz. Vielleicht, weil er keiner von ihnen war, sondern Franzose. Jahrelang haben sie sich einen Spaß daraus gemacht, sich über den angeheirateten Prinzen lustig zu machen. Sie spotteten über sein holpriges Dänisch - und amüsierten sich darüber, dass der Dackelnarr Liebesgedichte über seinen Vierbeiner schrieb. "Er wurde wirklich gemobbt wie kein anderer", sagte der frühere Hofberichterstatter Bodil Cath im dänischen Rundfunk.

Ein Franzose im rauhen Norden

Charakterstark trotz Mobbing

Prinz Henrik hat sich trotz der vielen Anfeindungen und des Spotts nicht aus der Ruhe bringen lassen, selbst Gerüchte, er sei eigentlich schwul, ließ er an sich abprallen. Er blieb sich stets selbst treu - und das schien auch seine dänischen Landsleute zu beeindrucken. "Er bringt mich oft zum Lachen, weil er selbst gern Spaß hat", sagte die frühere Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Richtig populär machte ihn sein Spaziergang durch die berüchtigte "Pusher Street", die Dealer-Straße, im alternativen Kopenhagener Stadtteil Christiana. Das meinte jedenfalls die Journalistin Stéphanie Surrugue, die 2010 ein Buch über den Prinzen veröffentlicht hat.

Prinzgemahl vermisst Königstitel

Mit seiner Rolle als Prinz im Schatten von Königin Margrethe fand sich Henrik zunächst nicht so leicht ab. Schließlich hatte der am 11. Juni 1934 im südfranzösischen Talence geborene Adlige mehr zu bieten als den klangvollen Namen Henri Graf de Laborde de Monpezat. Nach dem Studium an der Sorbonne in Paris schlug der weltoffene Graf eine Diplomatenlaufbahn ein. Durch seine Arbeit in der französischen Botschaft in London lernte er Margrethe kennen, die damals noch Prinzessin ist. Die beiden verliebten sich, 1967 folgte die Traumhochzeit. Für die Ehe mit der künftigen Königin gab der Franzose viele Freiheiten auf: Er konvertierte vom Katholizismus zum Protestantismus, nahm die dänische Staatbürgerschaft und den Namen Prinz Henrik von Dänemark an. Der Königstitel blieb ihm jedoch versagt.

Poet mit eigenem Weingut

An Bord der königlichen Jacht Dannebrog stellt Prinz Henrik einen seiner Gedichtbände vor © Picture-Alliance / dpa / Polfoto

Prinz Henrik schrieb Gedichte: Er veröffentlichte mehrere Prosabände.

Der erste dänische Prinzgemahl lebte von der Apanage seiner Frau, sein Status war nicht genau definiert. Es hieß, seine Frau hatte stets das letzte Wort. Prinz Henrik engagierte sich zunächst im Charity-Bereich, indem er Organisationen wie das Rote Kreuz und den WWF unterstützte. Und als gebürtiger Franzose verstand der Prinz natürlich etwas vom Savoir-vivre. Er malte, spielte ausgezeichnet Klavier - und schrieb Gedichte. Den letzten Prosaband veröffentlichte der Prinz im Mai 2014. Es war bereits sein siebter. Als Franzose und Weinliebhaber betätigte sich Henrik lange als Winzer auf seinem Gut Châteaux de Caix im südfranzösischen Cahors, das ihm auch als Rückzugsort diente.

Streit um Rolle in der Königsfamilie

Steckbrief

Name: Henri Graf de Laborde de Monpezat
Titel: Prinz von Dänemark
Geburtstag: 11. Juni 1934
Geburtsort: Talence, Südfrankreich
Todestag: 13. Februar 2018
Ehefrau: Königin Margrethe
Kinder: Prinz Frederik, Prinz Joachim
Sternzeichen: Zwilling
Kontakt: Website, Facebook, Instagram

Doch seine Rolle als Privatier schien den stolzen "Franzosen" nicht glücklich zu machen. 2002 begehrte er deshalb auf. Damals brach Prinz Henrik in einem Interview sein Schweigen - zur Überraschung der Dänen und anderer europäischer Königshäuser. Statt in aller Stille weiter zu leiden, beklagte er sich, er werde von bestimmten Leuten am Hofe unterschätzt und erniedrigt. Das Fass zum Überlaufen brachte ein offizieller Termin beim Neujahrsempfang des diplomatischen Corps. Die erkrankte Königin schickte statt ihres Mannes Prinz Frederik vor. Dass er sogar seinem eigenen Sohn den Vortritt lassen musste, führte dazu, dass Henrik das Land verließ und sich auf sein Weingut zurückzog. Ein Kommentar in der dänischen Zeitschrift "Ekstra Bladet", dass Dänemark ohne den Prinzen nicht "von einem unersetzlichen Verlust betroffen wäre", verschärfte die Krise am Königshaus zusätzlich. Doch die Familie versöhnte sich. In der Neujahrsansprache 2016 kündigte Königin Margrethe an, dass Prinzgemahl Henrik sich aus dem öffentlichen Leben teilweise zurückziehen werde. Es hagelte öffentliche Häme für den scheidenden "König".

2017 erklärte das Königshaus, dass Henrik an Demenz erkrankt sei. Anfang Februar 2018 wurde zudem bekannt, dass er an einem gutartigen Tumor in der Lunge leidet. Am 13. Februar 2018 starb er auf Schloss Fredensborg im Beisein seiner Frau und seiner beiden Söhne Kronprinz Frederik und Joachim im Alter von 83 Jahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Mein Nachmittag | 08.02.2018 | 16:20 Uhr