Drogen auf Rezept - wie Ärzte Patienten süchtig machen

von Bericht: Michael Cordero, Norbert Lübbers
Eine Frau schluckt eine Tablette © picture-alliance/chromorange Fotograf: Reinhold Tscherwitschke / CHROMORANGE

Im Durchschnitt bekam jeder Versicherte in Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr Medikamente im Wert von 246 Euro verordnet.

Es sind kleine chemische Helfer aus der Gruppe der Benzodiazepine - kurz "Benzos" genannt: Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Angstnehmer. Sie tragen bekannte Namen wie Valium, Rohypnol oder Diazepam. Nimmt man sie nur ein paar Tage, ist vielleicht wirklich alles in Ordnung. Aber schon nach wenigen Wochen beginnt eine Sucht, die sich in der Gefährlichkeit kaum von Kokain oder Heroin unterscheidet.

Das Unglaubliche, diese Drogensucht beginnt fast immer in einer Arztpraxis. Patienten mit Stress- oder Angstsyndromen wenden sich vertrauensvoll an ihren Arzt und der verschreibt ihnen nicht selten diese Medikamente. Einmal, zweimal, dann immer wieder und das obwohl bekannt ist, dass Benzodiazepine schon nach kurzer Zeit abhängig machen.

Panorama berichtet über Fälle in denen Ärzte den Patienten nach Wochen oder Monaten der Einnahme sogar anboten, die Medikamente, die wie Drogen wirken, künftig auf Privatrezept zu verschreiben und das oft jahrelang. Der Grund: Privatrezepte werden in der Apotheke bar bezahlt und hinterlassen daher keine Spuren in Artpraxen oder bei Krankenkassen. Eine Untersuchung des Bremer Arzneimittelexperten Prof. Glaeske belegt, dass durch ärztliche Fahrlässigkeit per Rezeptblock ein riesiger grauer Markt für Benzodiazepine entstanden ist. Schätzungen gehen von weit mehr als einer Million süchtiger Patienten in der Bundesrepublik aus. Panorama über verantwortungslose Ärzte und süchtige Patienten.

Dieses Thema im Programm:

Panorama | 30.03.2006 | 21:45 Uhr