Presseerklärung: VW-Skoda war rechtzeitig vor dubiosen Geschäftspartnern des Vorstands Schuster gewarnt

Helmuth Schuster (Archivbild von 2001) © dpa

Nach Informationen des NDR Politmagazins Panorama gab es im VW/Skoda-Konzern bereits im November 2003 Warnungen vor dem unseriösen Umfeld des Ex-Skoda-Vorstandes Dr. Helmuth Schuster.

Es ging um das geplante Exportgeschäft von Skoda-Fahrzeugen nach Angola. In E-Mails, die Panorama vorliegen, wird Skoda vor Schusters Geschäftspartner, dem Deutschen Johann Johannsen, gewarnt. Johannsen, von der spanischen Polizei mit Haftbefehl gesucht, gilt als Schlüsselfigur in der Skoda-Affäre um den geschassten Vorstand Dr. Helmuth Schuster. Der Konzern wird im November 2003 schriftlich von einem Schweizer auf Mallorca darauf hingewiesen, dass Johannsen Firmen gründe, exklusive Vertriebsrechte suche und versuche, diese mit faulen Verträgen zu verkaufen - er sei ein Serienbetrüger.

Nach weiteren Informationen von Panorama soll der Ex- Skoda-Vorstand Schuster weitere Nachforschungen verhindert haben. Gegenüber dem NDR Magazin räumt der VW-Konzern die Warnungen ein und erklärt: "Es ist zutreffend, dass es Herrn Dr. Schuster gelungen ist, in seiner Eigenschaft als Vorstand von Skoda Zweifel an der Seriosität einzelner Geschäfts- und Gesprächspartner zu zerstreuen."

Neben dem Angola-Geschäft hat Schuster zudem nach Panorama Informationen gemeinsam mit Johannsen versucht, den mehrere Hundert-Millionen-Euro schweren "VW-Pensions-Trust eV" bei Banken oder Finanzmaklern anzulegen. Ziel der Operation: hohe Vermittlungsprovisionen einzustreichen. Auch dieser Vorgang, der nicht erfolgreich war, führte zu deutlichen Warnungen vor Johannsen bei VW. Dennoch konnten die Beteiligten weiter am Angola-Geschäft arbeiten. VW erklärt gegenüber Panorama "Auch in Zusammenhang mit den (...) von Ihnen beschriebenen ¿Warnungen¿ hat Herr Dr. Schuster intern falsche Erklärungen abgegeben."

Johann Johannsen lehnte gegenüber Panorama jede Verantwortung für den VW-Skandal ab. Nach Informationen von Panorama hat Dr. Schuster noch im Juni dieses Jahres versucht, auf seine Geschäftspartner in Angola Druck auszuüben. Ziel war es, die Firma mit rechtsgültigen Verträgen für den Autoexport nach Angola möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Mit den angedachten Erlösen in Höhe von drei Millionen Euro sollen offenbar verschwundene Gelder in Indien ausgeglichen werden.

Der geschasste Skoda-Vorstand Schuster war federführend an einem versprochenen VW-Fabrikbau samt Zulieferpark in der südindischen Provinz Andrah-Padesh beteiligt. Nach übereinstimmenden Informationen von Panorama und dem ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi hat Schuster seine indischen Geschäftspartner bedrängt, zwei Millionen Euro an ein indische Firma namens "Vahishta Wahan" - kurz VW - zu überweisen. Eine Firma, die trotz der Namensnähe nicht zum VW-Konzern gehört. Das Geld war angeblich als Anschubfinanzierung für das Projekt gedacht. Diese Firma hat über einen mutmaßlichen Schuster-Strohmann das Geld ins Ausland, vermutlich Dubai, transferiert. Seitdem ist das Geld verschwunden. Auch dieser Vorgang wird von E-Mails gestützt, die Panorama vorliegen. Bei dem Indien-Geschäft handelt es sich nach Auskunft von Ermittlern um einen möglicherweise strafrechtlich relevanten Bereich, in dem gegen Schuster ermittelt wird.

Weder Schuster noch dessen Anwalt waren für Panorama zu sprechen.

14. Juli 2005

Dieses Thema im Programm:

Panorama | 14.07.2005 | 10:00 Uhr