Tötung ohne Folgen - Freispruch für rechtsradikalen Messerstecher

von Bericht: Christoph Schmidt, Volker Steinhoff
Nahaufnahme von Springerstiefel © dpa Foto: Bernd Thissen

Laute Musik dröhnt aus der Nachbarwohnung in Halberstadt. Nicht zum ersten Mal. Helmut Sackers ist genervt, er beschwert sich bei dem Nachbarn, einem Rechtsradikalen. Wenig später ist Helmut Sackers tot. Erstochen von eben diesem 29-jährigen Nachbarn. Das war vor 4 Jahren. Das zuständige Gericht verhandelte damals erstaunlich schnell. Mit einem ebenso erstaunlichen Urteil: der Rechtsradikale wurde freigesprochen. Er habe aus Notwehr gehandelt und Todesangst gehabt. Und das, obwohl der 60-jährige Sackers keine Waffe hatte und dem Angeklagten auch körperlich unterlegen war.

Offensichtlich hatten die Richter auch den rechtsradikalen Hintergrund des Angeklagten nicht weiter beachtet. Denn tatsächlich fanden sich in der Wohnung dutzende CDs mit rechtsradikalen Liedern. In einem wird dazu aufgerufen, Kommunisten tot zu schlagen. Am Tatabend hatte der Angeklagte Helmut Sackers als Kommunisten bezeichnet. Hoffnung schöpfte Sackers Lebensgefährtin, als das Skandalurteil vom Bundesgerichtshof aufgehoben wurde. Seit kurzem wird der Prozess in Halle neu verhandelt. Aber kann die Wahrheit nach vier Jahren überhaupt noch gefunden werden?

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Panorama | 23.09.2004 | 20:15 Uhr