Gute Geschäfte - Kinder als Billiglöhner

von Robert Bongen und Maike Rudolph

Jeden Samstag ist Silke unterwegs - mit einem schweren Stapel Werbepost. Die 15-jährige Schülerin will sich etwas dazu verdienen und verteilt in ihrer Nachbarschaft kostenlose Anzeigenblätter.

350 Stück pro Einsatz, sieben Euro bekommt sie für ihre Strecke insgesamt. Zwei Stunden würde sie angeblich dafür brauchen, so das Versprechen ihres Auftraggebers, der Verteilagentur. Und Silke ist darauf reingefallen.

Ein Stapel Prospekte

Tatsächlich schafft sie die Route nie unter drei Stunden. So kommt sie meist auf einen Stundenlohn von nur 2, 30 Euro. Solche Billiglöhne für Kinder und Jugendliche sind offenbar keine Ausnahme in Deutschland. Auch früher verdienten Schüler nur wenig, doch Experten bestätigen: Die Löhne für Schülerjobs sind in den letzten Jahren massiv gefallen. Rund 60 Prozent der Verteiler sind Schüler.

Schüler ohne Lobby, auf deren Rücken kräftig Gewinn gemacht wird. Die Profiteure: Verteilagenturen und die großen Handelsketten, denen es darum geht, ihre Werbeblätter so günstig wie möglich zu verbreiten. Welch ein Riesen-Geschäft dahinter steckt, zeigt nur eine Zahl: Rund 20 Milliarden Werbeblätter werden jährlich in Deutschland verteilt. Panorama über Kinder als Billiglöhner einer boomenden Branche.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 17.07.2008 | 21:45 Uhr