Nicht genutzte "Impfdosen"



Dietmar Bartsch (Die Linke, Fraktionsvorsitzender im Bundestag) kritisierte in unserer Sendung am 16. Mai 2021, in Hamburg wären rund 40.000 "Impfdosen" weggeworfen worden. Er begründete die Aussage mit Informationen aus einem Medienbericht.



"Faktencheck" der Redaktion ANNE WILL hierzu:

Nach NDR-Recherchen handelt es sich nicht um faktische Impfdosen, sondern um die sogenannte Überschussmenge pro Fläschchen oder Ampulle. Die Verwendung ist von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) offiziell nicht zugelassen.



Der Hamburger Senat schickte der Redaktion ANNE WILL hierzu folgende Stellungnahme:


"In Hamburg werden keine Impfstoffdosen weggeworfen.  

Bei den angeblich weggeworfenen 40.000 Impfstoffdosen wurden seitens der Medien (s. https://www.ndr.de/nachrichten/info/Ueberzaehlige-Impfdosen-Warum-kostbarer-Impfstoff-im-Muell-landet,impfdosen100.html) Überschussmengen berechnet, die über die Zahl der Impfeinheiten hinausgeht, die von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) pro Behältnis zugelassen sind. Für die Zulassung einer 7. bzw. 11. Dosis fehlt Hamburg allerdings die Regelungskompetenz, es werden Dosen in der Anzahl gemäß EMA-Zulassung entnommen (s. hierzu auch SKA 22/4081 im Anhang). Ob darüber hinaus weitere Dosen entnommen werden (können), liegt in der Verantwortung des jeweiligen Impfarztes und hängt auch von den örtlichen Gegebenheiten ab. Wer in Hamburg eine Corona-Schutzimpfung erhält, kann sich auch darauf verlassen, eine wirksame Impfung zu bekommen. Schutzimpfungen mit zu geringen 'Restmengen', die womöglich nicht genug Wirksamkeit erzeugen, sind ausgeschlossen. Aussagen der Firma Biontech unterstreichen dies: Ein Zulassungsantrag für eine weitere Dosis werde derzeit nicht angestrebt, weil nicht sichergestellt werden könne, dass immer genug Impfserum enthalten ist.  

Arzneimittel wie der Impfstoff werden durch die EMA zugelassen. Grundlage dafür sind der Zulassungsantrag des Herstellers und die darin enthaltenen Angaben. In dieser Zulassung ist auch geregelt, wie viele Dosen entnommen werden können.



Das BMG gibt dazu folgende Infos an die Länder: (Zitat aus einem Informationsschreiben)

'Entnahme von zusätzlichen Impfdosen aus gelieferten Mehrdosenbehältnissen zugelassener COVID-19 Impfstoffe: Die Entnahme zusätzlicher Dosen aus Mehrdosenbehältnissen zugelassener COVID-19 Impfstoffe, z.B. einer 7. (BioNTech) bzw. 11. Dosis (Moderna, AstraZeneca), ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich und gesetzlich zulässig , erfordert aber auf Seiten der Anwender eine besondere Umsicht und Sorgfalt. Angesichts der in der Durchstechflasche enthaltenen Gesamtmenge ist die Entnahme zusätzlicher Dosen vom Hersteller nicht garantiert, wenn man die Oberflächenbenetzung der Spritzen berücksichtigt sowie die Tatsache, dass in der Spritze oder Nadel eine Restmenge des Impfstoffs enthalten sein kann (sog. Totvolumen).

Die sichere Entnahme sämtlicher Impfdosen aus einem Mehrdosenbehältnis liegt grundsätzlich in der Verantwortung der ärztlichen Person bzw. des Personals, das den Impfstoff unter fachlicher Verantwortung in geeigneten Spritzen aufzieht. Dies gilt unabhängig davon, ob die erste, dritte, sechste oder eventuell siebente bzw. elfte Spritze aufgezogen wird.

Vorgaben für die Verwendung von Impfzubehör

Soweit die Hersteller die Entnahme einer zusätzlichen Dosis nicht garantieren, machen diese in ihren Produktinformationen auch keine Vorgaben zur Verwendung bestimmten Impfzubehörs. Besondere Spritze-/Kanülen-Kombinationen mit geringem Totvolumen (> 35µl) sind für die Entnahme zusätzlicher Impfdosen jedoch erforderlich bzw. im Falle von BioNTech bereits für die Entnahme einer 6. Dosis vorgesehen.

Im Rahmen der dezentralen Impfkampagne erfolgt die Belieferung der Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit Impfstoffen über Apotheken. Die Apotheken werden dabei über die etablierten Strukturen des pharmazeutischen Großhandels beliefert. Neben der Belieferung der COVID-19-Impfstoffe über den Großhandel und Apotheken an Arztpraxen erfolgt die Versorgung mit dem erforderlichen Impfzubehör ebenfalls über diesen Weg. Als Impfzubehör gelten verschiedene Spritzen und Kanülen sowie sterile 0,9 % NaCl-Lösung, die in der Allgemeinverfügung zur Sicherstellung der flächendeckenden Verteilung von Impfstoffen gegen COVID-19 an Arztpraxen vom 31. März 2021 (BAnz AT vom 1. April 2021 B8) aufgelistet sind. Der Großhandel und die Hersteller von Impfzubehör sind bemüht, den Arztpraxen Impfzubehör zu liefern, mit der die Entnahme einer 6. Dosis des BioNTech-Impfstoffes bzw. weiterer Impfstoffdosen auch bei anderen COVID-19 Impfstoffen grundsätzlich möglich ist.'"

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Anne Will | 16.05.2021 | 21:45 Uhr