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23.05.2012

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Spanien

Gesteht Juan Carlos' Schwiegersohn?

Iñaki Urdangarín verlässt am 26. Februar 2012 das Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca, nachdem er dort ausgesagt hat. © dpa-Bildfunk Bild vergrößern Bildunterschrift: Iñaki Urdangarín befürchtet anscheinend, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt zu werden. ]
Jetzt also doch? Iñaki Urdangarín will spanischen Zeitungsberichten zufolge die Vorwürfe im Korruptionsverfahren gegen ihn nicht mehr abstreiten. Der ehemalige Handballstar und sein ebenfalls angeklagter damaliger Geschäftspartner Diego Torres wollen sich angeblich schuldig bekennen und die unterschlagenen Gelder zurückzahlen. Der Grund dieses Manövers liege auf der Hand: Die beiden strebten demnach einen Deal mit der Justiz an. Als Belohnung für die plötzliche Ehrlichkeit solle es Bewährungsstrafen statt potenzieller Haftstrafen geben. Urdangaríns Anwälte hingegen haben bestritten, dass es entsprechende Absprachen mit der Staatsanwaltschaft gibt. "Wir haben weder formell noch informell Kontakt mit dem Staatsanwalt wegen einer möglichen Vereinbarung oder eines Deals gehabt", sagte Anwalt Pascual Vives einen Tag nach Erscheinen der Zeitungsberichte. Der Ehemann von Infantin Christina und Schwiegersohn von König Juan Carlos hatte im Februar erstmals vor Gericht ausgesagt - und alle Vorwürfe bestritten.

Beweislast gegen Urdangarín erdrückend

Iñaki Urdangarín verlässt am 26. Februar 2012 das Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca, nachdem er dort ausgesagt hat. © dpa-Bildfunk Bild vergrößern Bildunterschrift: Gute Miene zum bösen Spiel? Iñaki Urdangarín verlässt nach seiner Aussage das Gerichtsgebäude. ]
Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich damals rund 200 Demonstranten versammelt, die ihrem Unmut Luft machten über die mutmaßlichen Betrügereien Urdangaríns. Ein Witzbold tat dies, indem er rief: "Achtung, passt auf eure Brieftaschen auf, Urdangarín kommt!" Ein anderer hielt ein Transparent hoch mit der Aufschrift "Monarchie = Korruption". Der Verhöhnte hatte sich übrigens dafür entschieden, zu Fuß zum Gericht zu kommen, anstatt aus Sicherheitsgründen mit einem Auto vorzufahren. "Ich habe meine Verantwortlichkeiten wahrgenommen und meine Entscheidungen korrekt und mit vollständiger Transparenz getroffen", sagte der Beschuldigte bei seiner Ankunft. Laut dem Journalisten Eduardo Inda, der für die Zeitung "El Mundo" in der Angelegenheit recherchiert, sei die Beweislast gegen Urdangarín erdrückend.

Infantin Christina ist indes aus dem Schneider: Richter Castro lehnte das Gesuch von Nebenklägern ab, gegen Urdangaríns Frau Ermittlungen einzuleiten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte die Königstochter nichts von den Geschäften ihres Ehemanns gewusst. Sie war Teilhaberin in einer der Firmen, die in den Skandal verwickelt sind.

Palast wusste schon 2006 von den Vorwürfen

Das Königshaus hatte als Reaktion auf die Korruptionsvorwürfe im Dezember die Einkommen aller Familienmitglieder offengelegt - ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte des spanischen Palastes. Wie ein Palastsprecher Mitte Dezember mitteilte, wusste das Königshaus bereits im Jahr 2006 von den mutmaßlichen Betrügereien. Nun wurden Fragen laut, warum Juan Carlos den ehemaligen Handballstar Urdangarín nicht aufgefordert hat, möglicherweise unterschlagene staatliche Gelder zurückzuzahlen. Und: Trotz der peinlichen Enthüllungen und der Distanzierungsversuche seitens des Königshauses tauchte Urdangarín auf Weihnachtsgrußkarten auf, die vom Palast herausgegeben wurden.

Staatliche Mittel in eigene Tasche gesteckt

König Juan Carlos von Spanien, sein Schwiegersohn Inaki Urdangarin und seine Tochter Infantin Cristina posieren anlässlich der Ersten Kommunion eines seiner Enkelkinder am 23. Mai 2009 in Barcelona. © dpa-Bildfunk Bild vergrößern Bildunterschrift: König Juan Carlos (links) und Iñaki Urdangarín 2009 - in diesem Jahr zog der Ex-Handballer in die USA. ]
Juan Carlos hatte den Mann von Infantin Cristina bereits im Jahr 2006 dazu aufgefordert, die Präsidentschaft der angeblich gemeinnützigen Stiftung "Nóos" niederzulegen. In dieser Position hatte Urdangarín nach Ansicht der Staatsanwaltschaft staatliche Mittel unterschlagen und in die eigene Tasche gesteckt. Der König selbst zog damals Rechtsexperten zu Rate, die die Angelegenheit überpüften - anschließend hielt er seinen Schwiegersohn dazu an, die Präsidentschaft ruhen zu lassen. In der Folge wollte Urdangarín eine neue gemeinnützige Stiftung gründen, doch auch diese Pläne enthielten Unregelmäßigkeiten, die auf Betrugsversuche hindeuteten. Daraufhin legte Juan Carlos seinem Schwiegersohn nahe, der Geschäftswelt den Rücken zu kehren und ins Ausland zu ziehen. Das tat dieser dann auch, seit 2009 arbeitet der 44-Jährige bei der Telefongesellschaft Telefónica in den USA und lebt auch dort mit seiner Familie.

Stand: 02.05.2012 16:25