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23.05.2012

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Schweden

NS-Vorwürfe gegen Silvias Vater entkräftet?

Königin Silvia von Schweden bei der Beerdigung von Otto von Habsburg © dpa Bildfunk Bild vergrößern Bildunterschrift: Königin Silvia hat ihren Umgang mit der Vergangenheit ihres Vater überdacht. ]
Königin Silvia hat die Vergangenheit ihres Vaters während der Nazi-Zeit unter die Lupe nehmen lassen. Dem am Dienstag in Stockholm veröffentlichten Untersuchungsbericht zufolge soll Walther Sommerlath dem jüdischen Metallfabrikanten Efim Wechsler zur Flucht aus Nazi-Deutschland verholfen haben. Sommerlath habe Anteile an einer brasilianischen Kaffeeplantage gegen dessen Fabrik in Berlin-Kreuzberg getauscht. Auf diese Weise konnte Wechsler 1939 teile seines Vermögens vor der Enteignung durch die Nazis retten, so das Ergebnis der Recherchen. Neben Königin Silvia beteiligten sich der brasilianische Anwalt Alvaro Aguiar, ein Vetter der Königin, sowie Erik Norberg, der ehemalige Leiter des schwedischen Nationalarchivs, an der Untersuchung.

"Ich habe in Archiven in Brasilien und Deutschland recherchiert und festgestellt, dass mein Vater und Efim Wechsler einen Deal geschlossen hatten", erklärte Silvia der Zeitung "Goteborgs-Posten". In einem Interview mit dem Fernsehsender TV4 räumte der Historiker Nordberg ein, dass die Untersuchungen jedoch noch nicht abgeschlossen, sondern ein "noch andauernder Prozess" seien. Bei der Übernahme von Wechslers Fabrik sei offenbar kein Geld geflossen. Königin Silvia hatte die Studie über ihren 1990 verstorbenen Vater in Auftrag gegeben, nachdem im vergangenen Jahr eine TV-Dokumentation über Sommerlaths Rolle im "Dritten Reich" einen Skandal ausgelöst hatte. Der Dokumentation zufolge soll Sommerlath - seit 1934 Mitglied der NSDAP - Ende der 1930er-Jahre einen "arisierten" Betrieb übernommen haben, in dem er während des Zweiten Weltkrieges Rüstungsgüter für die Wehrmacht produzierte.

Experten: Bericht ist keine Entlastung

Der Bericht untermauere lediglich die Aussagen der Dokumentation, so der Kommentar des TV4-Journalisten Johan Asard. Problematisch an dem Deal sei gewesen, dass die Fabrik zu einem sehr niedrigen Preis in den Besitz von Sommerlath überging und der Verkauf "unter Zwang" stattgefunden habe. Thomas Lindquist, Geschichtsprofessor der Universität Göteborg, sieht den Sachverhalt ähnlich. Der jüdische Fabrikant habe unter Zwang in das Tauschgeschäft eingewilligt. Deshalb könne nicht die Rede davon sein, dass Sommerlath Wechsler geholfen habe.

Öffentliche Kritik an der Königin

Der Autor, Publizist und Politologe Rafael Seligmann in der ZDF-Sendung "nachtstudio" am 7.02.2001 © picture alliance / ZB - Fotoreport Bild vergrößern Bildunterschrift: Als "jämmerlich" bezeichnete Publizist Rafael Seligmann das Verhalten Silvias. ]
Silvia hatte sich damals von Vorwürfen distanziert und mit entsprechenden Antworten in Interviews für Empörung gesorgt. Nach der Ausstrahlung der Dokumentation beklagte sie sich darüber, dass sie aufgrund ihrer Aussagen auf eine Stufe gestellt worden sei mit dem SS-Offizier Adolf Eichmann, der eine tragende Rolle bei der Vernichtung der Juden durch die Nazis gespielt hatte. Unter anderem hatte sie versucht, ihren 1990 verstorbenen Vater mit folgenden Worten zu verteidigen: "Es war doch eine Maschinerie, oder wie? Er war ja nicht politisch aktiv oder Soldat. (...) Wenn man sich dagegen stellte, war man ja gegen die ganze Maschinerie." Der deutsche Publizist Rafael Seligmann kommentierte dies mit den Worten: "Wenn eine schwedische Königin 2010 ein Argument benutzt, wie das auch Adolf Eichmann vor 49 Jahren im Gerichtssaal in Israel getan hat, ist das jämmerlich."

Stand: 10.08.2011 18:20