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22.05.2012

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Schweden

Carl Gustaf: Rotlicht-"Beweisfoto" gefälscht

Schwedens König Carl Gustaf bei der Elchjagd im November 2010 © dpa Bildfunk Bild vergrößern Bildunterschrift: Glück im Unglück? Ein Skandal-Foto könnte Carl Gustaf entlasten. Experten glauben, es ist gefälscht. ]
Es ist sicher Carl Gustafs schönstes Weihnachtsgeschenk: Die Zeitung "Expressen" hat am Freitag ein Foto veröffentlicht, das den 65-jährigen schwedischen Monarchen bei einem Nachtclub-Besuch 1991 zeigen soll. Gleichzeitig beauftragte das Boulevard-Blatt unabhängige Gutachter, die Echtheit des Fotos zu überprüfen. Die Experten kamen nun zu dem eindeutigen Ergebnis, dass es sich bei der angeblich kompromittierenden Szene, die den König mit leicht bekleideten jungen Frauen zeigt, um eine Montage handelt. In das Bild sei ein Porträt des Königs aus dem Jahr 1976 eingefügt worden, so die Gutachter. "Es ist befreiend, dass ein Medium dieser Sache nun auf den Grund gegangen ist. Wir freuen uns sehr", so der Kommentar des Hofsprechers Bertil Ternert.

Ein Interview voller Dementis

König Carl Gustaf gibt der Nachrichtenagentur TT ein Interview © dpa Bildfunk Fotograf: Andres Wiklund Bild vergrößern Bildunterschrift: Sagt Carl Gustaf die Wahrheit? In einem Interview dementiert der schwedische König alle Vorwürfe. ]
Für König Carl Gustaf sollte das Interview mit der schwedischen Nachrichtenagentur TT Ende Mai ein Befreiungsschlag sein. Darin hatte er sich zu den mutmaßlichen Sex-Club-Besuchen geäußert und alle Vorwürfe bestritten. Zur Existenz angeblicher Beweisfotos sagte Carl Gustaf: "Es kann sie unmöglich geben", denn er habe niemals einschlägige Etablissements besucht. Auch die Glaubwürdigkeit der vielen angeblichen Zeugen stellte der König infrage: "Leider, leider, solche Clubs besuchen viele Menschen. Und die können nicht immer auseinanderhalten, wer da gewesen ist und wer nicht."

Presseberichte reißen nicht ab

Doch das Ganze schlug wie ein Boomerang zurück. Mehrere Zeitungen, darunter die schwedische Tageszeitung "Aftonbladet", forderten den Monarchen auf - "aus Respekt vor dem Volk" - abzudanken. Angesichts der Ankündigung kompromittierender Fotos durch den vorbestraften Stockholmer Ex-Nachtclub-Besitzer Mille Markovic titelte "Dagens Nyhether": "Die Monarchie wackelt." Dass die Debatte von Kriminellen gesteuert würde, sei einer Monarchie nicht würdig, so das Blatt. Markovic kündigte im "Aftonbladet" an, die Bilder auf einer serbischen Internetseite gegen Bezahlung anzubieten.

Das Prekäre für König Carl Gustaf waren die Aussagen mehrerer Journalisten, die die Bilder gesehen haben wollen und erklärten, die Fotos hätten "echt gewirkt". Zudem veröffentlichten mehrere Boulevardblätter Mitschnitte von Zeugenaussagen, die beweisen sollten, dass Carl Gustaf während der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta den "Gold Club" besucht haben soll.

"Beweisfotos" sollten verschwinden

Der Rotlicht-Skandal kam erneut ins Rollen, als ein Freund des Königs versucht haben soll, dem Stockholmer Ex-Nachtclub-Besitzer pikante Fotos der sogenannten Herrenabende abzukaufen. Zu allem Unglück wurde das mutmaßliche Gespräch auch noch aufgezeichnet und im Radio gesendet. Lakonischer Kommentar des Königs: Es sei gut, dass jemand die Verantwortung übernehme, er selbst könne schließlich nicht mit Kriminellen verhandeln. Im Herbst 2010 hatte ein Autorentrio in der Biografie "Carl XVI. Gustaf - Monarch wider Willen" erste Details zum mutmaßlichen außerehelichen Sexleben des Königs veröffentlicht.

Umfrage-Tief durch "Mafia-Image"

Sogar Schwedens Parlamentarier meldeten sich zu Wort: Sven-Erik Österberg, der sozialdemokratische Vorsitzende des Verfassungsausschusses im Stockholmer Reichstag, forderte in der Tageszeitung "Aftonbladet", die Kontakte des Königs zu dubiosen Freunden mit "Mafia-Image" offenzulegen. "Es ist doch ein großes Problem, dass niemand prüfen kann, was da passiert und niemand weiß, was wahr ist", so der Politiker. Notfalls müsse der Hof per Gesetz zu mehr Transparenz gezwungen werden. Die oppositionelle Linkspartei schließt sich Österbergs Initiative an.

Auch die Umfragewerte des Königs bei seinen Untertanen sprechen eine deutliche Sprache: Nur noch 44 Prozent der Schweden möchten ihren Carl Gustaf als König behalten, 41 Prozent der Befragten würden einen Rücktritt zugunsten von Kronprinzessin Victoria begrüßen.

Stand: 20.12.2011 15:50