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22.05.2012

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Norwegen

Prinzessin mit dunkler Vergangenheit

von Nicola Millies

Porträt der Kronprinzessin von Norwegen, Mette-Marit © Picture-Alliance / dpa / Stella Pictures Fotograf: Stella pictures Bild vergrößern Bildunterschrift: Vom Party-Girl zur künftigen Königin von Norwegen: Mette-Marit. ]
Man kann nicht gerade sagen, dass die Norweger ihre zukünftige Königin mit offenen Armen empfangen haben, als Kronprinz Haakon im Dezember 2000 seine Verlobung mit der bürgerlichen Mette-Marit Tjessem Høiby bekannt gibt. Im Gegenteil: Empörung macht sich breit. Denn die blonde, so schüchtern wirkende Frau soll es in ihrer Jugend angeblich etwas zu wild getrieben haben. Dabei hätte ihre Kindheit kaum bürgerlicher sein können. Geboren am 19. August 1973 wächst sie als Jüngste von vier Kindern in Kristiansand, im Süden Norwegens, auf. Dort spielt sie Volleyball, tanzt Ballett, ist bei den Pfadfindern und singt im Chor. Als ihre Eltern, der Journalist Sven Høiby und die Bankangestellte Marit Tjessem sich scheiden lassen, ist Mette-Marit gerade mal elf Jahre alt.

Wilde Partyjahre

In den Jahren danach kostet Mette-Marit ihre Jugend voll aus. Nach dem Abitur geht es zum Studium nach Oslo. Dort wird viel gefeiert, von Drogen und Alkohol ist die Rede. Ihr Sohn Marius aus der Beziehung mit Morten Borg wird 1997 geboren, Mette-Marit ist alleinerziehend. Aber manchmal spielt das Leben wie im Märchen: Zwei Jahre später lernt die ehemalige Kellnerin ihren Traumprinzen bei einem Musikfestival in ihrer Heimatstadt Kristiansand kennen. Und dieser entpuppt sich als sehr realer Prinz, denn es ist der norwegische Thronfolger Haakon. Er verliebt sich in sie und will sie nie wieder von seiner Seite lassen, ihre Vergangenheit ist ihm egal, ihrem Sohn ist er ein guter Stiefvater.

Der Neuanfang

Mette-Marit und Haakon am 12. Juni 2010 auf der Fahrt zum Kreidefelsen. © dpa Fotograf: Stefan Sauer Bild vergrößern Bildunterschrift: Starke Arme: Haakon ist die Vergangenheit seiner Braut egal. Hätte er für Mette-Marit auch auf den Thron verzichtet? ]
Den Norwegern ist Mette-Marit allerdings ein Dorn im Auge. Eine Bürgerliche mit unehelichem Kind - das hätten sie sicher leicht weggesteckt. Aber Drogen? Nein, damit soll die zukünftige Königin nicht in Verbindung gebracht werden. Doch das Volk hat die Rechnung ohne ihren Kronprinzen gemacht. "Wir haben uns ineinander verliebt und wollen den Rest unseres Lebens zusammen verbringen", sagt er fast trotzig. Im Dezember 2000 folgt die Verlobung. Vorher muss Mette-Marit aber mit ihrer Vergangenheit aufräumen. Sie erklärt sich vor der Presse: "Es war für mich in dieser Zeit wichtig, die Grenzen des Akzeptierten zu überschreiten. Ich kann leider das Leben nicht noch einmal von vorn anfangen, und habe meine Erfahrungen teuer bezahlt ..." Und am Ende doch gewonnen: Ziemlich schnell das Herz ihrer Schwiegereltern König Harald und Königin Sonja und zögerlich das des norwegischen Volkes.

Eine außergewöhnliche Frau

Die norwegische Königsfamilie im Sommerurlaub 2006: Königin Sonja, Kronprinz Haakon, Prinzessin Mette-Marit und die drei Kinder Prinzessin Ingrid Alexandra, Prinz Sverre Magnus und Marius Hoiby. © Picture-Alliance / dpa / Scanpix Bild vergrößern Bildunterschrift: Drei Kinder halten Mette-Marit und Haakon ganz schön auf Trab. Zum Glück gibt es da noch Oma und Opa. ]
Wie sehr Mette-Marit im Haus ihrer Schwiegereltern willkommen ist, mögen die Worte deutlich machen, die König Harald zur Feier ihrer Hochzeit, am 25. August 2001, mit Haakon an die Braut richtet: "Du bist keine gewöhnliche junge Frau, sondern du bist ein außergewöhnlicher Mensch. Du bist außergewöhnlich aufgeschlossen und ehrlich, außergewöhnlich engagiert, du hast eine große Willensstärke, du bist sehr mutig, heute hast du eine außergewöhnliche Wahl getroffen und du bist außergewöhnlich verliebt in Haakon." Und ihr Ehemann gestand: "Ich war noch nie so schwach und noch nie so stark. Mette-Marit, ich liebe dich!"

Lehrjahre einer Kronprinzessin

Doch Mette-Marit findet sich nur langsam in ihrer Rolle als künftige Königin ein. Die Flugangst macht ihr repräsentative Pflichten zur Qual, Erpressungsgerüchte, Krankheiten, ein trinkender Vater, der seine Hochzeit mit einer Stripperin vermarktet und eine Gesichts- und Hornhaut-Verbrennung durch Sonnenstrahlung bei einer TV-Aufzeichnung mit Sandra Maischberger - es ist wohl nur dieser besonderen Liebe zu Haakon und diesem starken Rückhalt aus der Familie zu verdanken, dass Mette-Marit nicht aufgibt und mittlerweile souverän und glücklich mit der Öffentlichkeit ihrer Person umgeht.

Die Patchwork-Familie aus dem Bilderbuch

Prinzessin Mette-Marit bei einer Abendveranstaltung. © dpa Bild vergrößern Bildunterschrift: Mette-Marit ist in ihrer Rolle als Kronprinzessin angekommen. Die Familie stärkt ihr den Rücken. ]
Marius hat mittlerweile zwei Geschwister bekommen: Ingrid Alexandra wird 2004, Sverre Magnus 2005 geboren. Im Gegensatz zu ihrem Stiefbruder dürfen sie sich Prinzessin und Prinz nennen. Ingrid steht in der Thronfolge nach ihrem Vater. Die Tradition, dass männliche Nachkommen den Vorrang vor weiblichen haben, ist mit Haakon, der jünger ist als seine Schwester Märtha Louise, beendet. Der Titel ist vielleicht auch der einzige Unterschied, an dem man erkennen kann, dass Marius nicht der leibliche Sohn von Haakon ist. Ansonsten hat sein Stiefvater ihn ebenso ins Herz geschlossen wie seine Mutter.

Stand: 21.02.2011 15:00