Fürst Rainier - Hollywood an der Riviera

Fürst Rainier - Hollywood an der Riviera

von Helene Heise

Fürst Rainier III. kurz vor dem 700-jährigen Jubiläum in Monaco im Jahr 1997 © dpa - Fotoreport Fotograf: AFP

Am 5. Mai 1949 übernimmt Rainier die Regierungsgeschäfte von Fürst Louis II.

Für Côte d'Azur-Urlauber war das Fürstentum Monaco mit seinem Palast, der auf das Mittelmeer hinausschaut, schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Aber wer nicht gerade Urlaub machte an der Côte d'Azur, der kannte den Zwergstaat eigentlich gar nicht. So überträgt Fürst Louis II. am 5. Mai 1949 seinem Enkel die Regierungsgeschäfte fernab aller Öffentlichkeit. Der Enkel wird nur knapp zwei Wochen später der Regent und soll als Rainier III. das Fürstentum ins Blitzlichtgewitter der Regenbogenpresse führen. Das gelingt dem 33. Fürsten von Monaco als er 1956 die amerikanische Filmschauspielerin Grace Kelly heiratet. Die folgenden 49 Jahre seiner Regentschaft sollen noch mehr Schlagzeilen liefern. Leider nicht nur positive.

Der Regenbogenpresse-Fürst

Als Fürst Rainier 1956 die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly heiratet, gibt es viele Gerüchte: Er wolle seinen Staat bekannt machen, sie den Adelstitel, den ihr Amerika niemals bieten kann, heißt es. Tatsache ist, das erste Treffen der beiden hat die Zeitschrift "Paris Match" eingefädelt, um eine Schlagzeile zu haben. Das ist gelungen.

Schöner hätte Hollywood es auch nicht inszenieren können: monegassischer Fürst heiratet amerikanischen Filmstar.

Schauspielerin Grace Kelly gibt für ihre neue Rolle als fürstliche Ehefrau ihren Beruf auf und nennt sich fortan Gracia Patricia. Vorher lernt sie aber noch huldvolles Winken.

Rainier tut eine Menge, um das Fürstentum bekannt zu machen. 1961 gründet er das "Festival de Télévision de Monte Carlo" und vergibt den Fernsehpreis, die "Nymphe d'Or". Regelmäßig werden damit auch deutsche Schauspieler und Produktionen ausgezeichnet.

"Caroline, so sitzt eine feine Dame aber nicht." Warum soll es bei Fürsten anders laufen als bei normalen Menschen?

Obwohl Albert ein Jahr jünger ist als seine Schwester Caroline, erbt er den Thron von Papa Rainier. So schreibt es die monegassische Primogenitur, das Erbrecht, vor.

Während Prinzessin Caroline und ihr Bruder Albert gebannt einer Parade der monegassischen Polizei beiwohnen, sucht Rainier in den Sternen nach einem Zeichen für die Zukunft Monacos.

Caroline und Albert sind schon sieben und acht Jahre alt, als Nesthäkchen Stéphanie das Licht der Welt erblickt.

Bei der Heimfahrt aus der Sommerresidenz kommt es am 13. September 1982 zu einem tragischen Unfall. Gracia Patricia, in Begleitung ihrer jüngsten Tochter Stéphanie, kommt in einer Haarnadelkurve von der Straße ab. Einen Tag später stirbt sie. Die Monegassen können drei Tage lang Abschied von ihrer aufgebahrten Landesmutter nehmen.

Einmal im Jahr wird es in Monaco voll und laut. Der "Große Preis von Monaco" lockt den Jetset und Formel-1-Fans an die Côte d'Azur. Michael Schumacher bringen die engen Gassen fünfmal Glück.

Zirkus ist Leben, das Leben ist ein Zirkus: Fürst Rainier fühlt sich in der Manege und inmitten von Artisten wohl.

Rainier gründet 1974 das "Internationale Zirkusfestival von Monaco", die Weltmeisterschaft der Artistik. 1999 überreicht er den begehrten "Goldenen Clown" an David Larrible.

Seit April 2002 gilt das alte Recht nicht mehr, nach dem das Fürstentum beim Tod eines kinderlosen Regenten an Frankreich zurückfallt. Falls Albert ohne "legitime Nachkommen" bleibt, könnten auch seine Schwestern oder deren Kinder den Thron besteigen.

Nesthäkchen und Sorgenkind: Seine jüngste Tochter Stéphanie hat den Fürsten mit ihrem Lebensstil oft um den Schlaf gebracht. Hochzeiten mit Leibwächtern, Affären mit Zirkusdirektoren, eine zweifelhafte Sängerkarriere - nicht die Schlagzeilen, die sich Rainier für Monaco wünscht.

Trotz schwerer Schicksalsschläge und schweren Erkrankungen bleibt Rainier bis kurz vor seinem Ende der Landesvater. Eine Lungenentzündung führt am 6. April 2005 zum Tod. Rainier wird 81 Jahre alt.

Traumhochzeit

Am 19. April 1956 heiratet Fürst Rainier III. die Filmschauspielerin Grace Kelly © Picture-Alliance / dpa / UPI

Traumhochzeit im Jahr 1956: Fürst Reinier und Gracia Patricia.

Aus Grace Patricia Kelly wird am 18. April 1956 Fürstin Gracia Patricia, eine viel zu schöne Story, als dass Hollywood sie sich entgehen ließe. Nicht nur, dass MGM das Hochzeitskleid bezahlt, die Bilder von der Hochzeit kommen auch als Film ins Kino. Mit Böllerschüssen lässt das Fürstenpaar 1957 die Geburt des ersten Kindes, Prinzessin Caroline, verkünden. 1958 wird Prinz Albert geboren, dem nach dem Hausrecht der Grimaldis die Nachfolge des Vaters zusteht. Gibt es keinen Nachfolger, fällt das Fürstentum an Frankreich. Grund genug für die Untertanen, mit den Eltern auf das Wohl des Erbprinzen anzustoßen. Nach Prinzessin Caroline und Prinz Albert bekommt das Fürstenpaar ein drittes Kind: 1965 erblickt Prinzessin Stéphanie das Licht der Welt.

Tragischer Unfall

Die Tote Gracia Patricia aufgebahrt im offenen Sarg in der Kapelle des Fürstenpalastes in Monaco. © dpa - Bildarchiv Fotograf: AFP

In einem offenen Sarg wird die tote Fürstin Gracia 1982 aufgebahrt.

Am 13. September 1982 fährt Fürstin Gracia Patricia auf der kurvenreichen "Corniche" zum Schneider in Monte Carlo, neben ihr die Tochter Stéphanie. In einer Kurve verliert sie die Kontrolle über das Fahrzeug, das in den Abgrund stürzt. Während Stephanie mit einem gebrochenen Halswirbel davonkommt, wird die Fürstin lebensgefährlich am Kopf verletzt. Sie stirbt einen Tag später in dem Krankenhaus, das ihren Namen trägt. Dies ist ein schwerer Schlag für den Fürsten und seine Familie. Möglicherweise wäre das Leben der drei Kinder in ganz anderen Bahnen verlaufen, wenn ihnen die Mutter geblieben wäre.

Die Eskapaden der Kinder

Prinzessin Caroline mit ihrem ersten Ehemann Philippe Junot am Strand. © dpa - picture alliance Fotograf: Photoreporters

Die blutjunge Prinzessin Caroline mit ihrem ersten Ehemann Philippe Junot am Strand.

Prinzessin Stéphanie zieht sich bei der Wahl ihrer häufig wechselnden Lebenspartner oft den Ärger ihres Vaters zu. Ihr erster Mann, der Leibwächter Daniel Ducruet, hat lange Zeit Palastverbot. Im September 2003 heiratet sie den zehn Jahre jüngeren portugiesischen Zirkus-Artisten Adans Lopez Peres. Prinzessin Carolines erste Ehe mit dem französischen Industriellen Philippe Junot wird 1980 nach zwei Jahren geschieden. Ihr zweiter Mann Stefano Casiraghi, den sie 1983 ehelicht, verunglückt 1990 tödlich. Seit 1999 ist Rainiers älteste Tochter mit Ernst August Prinz von Hannover verheiratet. Albert tritt am 2. Juli 2011 mit Charlene Wittstock vor den Traualtar.

Der gute Ruf von Monaco

Das Spielkasino von Monaco © Picture-Alliance / dpa / Abaca

Urquelle des Reichtums: das Spielkasino des Fürstentums Monaco.

Zum schillernden Image Monacos tragen nicht nur die Familiengeschichten bei. Rainier III. gelingt es, die Formel 1 in Monaco zu halten. Der internationale Jet-Set amüsiert sich zwischen Yachthafen und Boxengasse. Viele bleiben für immer und genießen ihr Leben im sonnigen Steuerparadies. Mit dem Zirkusfestival, das Jahr für Jahr in Monte Carlo stattfindet, pflegt der Fürst zugleich ein ganz persönliches Steckenpferd: Er ist ein bekennender Zirkusfan.

Es gibt aber auch negative Schlagzeilen. Früher war das Spielcasino von Monte Carlo die wichtigste Einnahmequelle des Fürstentums. Aber die Zeiten, in denen russische Großfürsten hier ihre letzten Kopeken verspielten, sind lange vorbei. Industrie und Infrastruktur warten dringend auf Modernisierung. Die Suche nach neuen Geldquellen wird begleitet von Vorwürfen aus dem Ausland, dass das Fürstenhaus illegale Geldwäsche in Monaco zulasse.

700-Jahr-Feier der Dynastie Grimaldi

1997 feiert Monaco stolz das 700-jährige Jubiläum der Grimaldi-Dynastie. Fürst Rainier enthüllt ein Standbild seines Vorfahren Francesco Grimaldi, der 1297 den Felsen erobert hat. Eines Tages werden die Monegassen auch Louis Henri Maxena Bertrand Rainier III. auf ähnliche Weise ehren - als den Modernisierer, den Fürsten, der Glanz gebracht hat nach Monaco und sich auch noch im hohen Alter um die Belange seiner Untertanen sorgt.

Tod nach 56 Jahren Regentschaft

Der Fürst feiert am 31. Mai 2003 seinen 80. Geburtstag. Obwohl gesundheitlich angeschlagen weist das Grimaldi-Oberhaupt Rücktrittsgerüchte immer wieder zurück: 1994 unterzieht sich Rainier einer Bypass-Operation. 2000 erfolgen gleich drei aufeinanderfolgende Eingriffe an der Lunge. Die Sorgen der Monegassen mehren sich, als ihr Souverän am 7. März 2005 erneut in die Herz-Lungen-Klinik des Staates eingeliefert wird und zwei Wochen später auf die Intensivstation verlegt werden muss. Nachdem kaum Hoffnung auf Besserung besteht, hat Prinz Albert am 31. März 2005 die Regentschaft über das Fürstentum übernommen. Tatsächlich erholt sich Rainier III. nicht mehr und verstirbt am am 6. April 2005. 56 Jahre steht er an der Spitze des Fürstentums.

Stand: 04.03.10 14:30 Uhr