Fürst Rainier - Hollywood an der Riviera
Fürst Rainier - Hollywood an der Riviera
von Helene Heise
Am 5. Mai 1949 übernimmt Rainier die Regierungsgeschäfte von Fürst Louis II.
Für Côte d'Azur-Urlauber war das Fürstentum Monaco mit seinem Palast, der auf das Mittelmeer hinausschaut, schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Aber wer nicht gerade Urlaub machte an der Côte d'Azur, der kannte den Zwergstaat eigentlich gar nicht. So überträgt Fürst Louis II. am 5. Mai 1949 seinem Enkel die Regierungsgeschäfte fernab aller Öffentlichkeit. Der Enkel wird nur knapp zwei Wochen später der Regent und soll als Rainier III. das Fürstentum ins Blitzlichtgewitter der Regenbogenpresse führen. Das gelingt dem 33. Fürsten von Monaco als er 1956 die amerikanische Filmschauspielerin Grace Kelly heiratet. Die folgenden 49 Jahre seiner Regentschaft sollen noch mehr Schlagzeilen liefern. Leider nicht nur positive.
Traumhochzeit
Traumhochzeit im Jahr 1956: Fürst Reinier und Gracia Patricia.
Aus Grace Patricia Kelly wird am 18. April 1956 Fürstin Gracia Patricia, eine viel zu schöne Story, als dass Hollywood sie sich entgehen ließe. Nicht nur, dass MGM das Hochzeitskleid bezahlt, die Bilder von der Hochzeit kommen auch als Film ins Kino. Mit Böllerschüssen lässt das Fürstenpaar 1957 die Geburt des ersten Kindes, Prinzessin Caroline, verkünden. 1958 wird Prinz Albert geboren, dem nach dem Hausrecht der Grimaldis die Nachfolge des Vaters zusteht. Gibt es keinen Nachfolger, fällt das Fürstentum an Frankreich. Grund genug für die Untertanen, mit den Eltern auf das Wohl des Erbprinzen anzustoßen. Nach Prinzessin Caroline und Prinz Albert bekommt das Fürstenpaar ein drittes Kind: 1965 erblickt Prinzessin Stéphanie das Licht der Welt.
Tragischer Unfall
In einem offenen Sarg wird die tote Fürstin Gracia 1982 aufgebahrt.
Am 13. September 1982 fährt Fürstin Gracia Patricia auf der kurvenreichen "Corniche" zum Schneider in Monte Carlo, neben ihr die Tochter Stéphanie. In einer Kurve verliert sie die Kontrolle über das Fahrzeug, das in den Abgrund stürzt. Während Stephanie mit einem gebrochenen Halswirbel davonkommt, wird die Fürstin lebensgefährlich am Kopf verletzt. Sie stirbt einen Tag später in dem Krankenhaus, das ihren Namen trägt. Dies ist ein schwerer Schlag für den Fürsten und seine Familie. Möglicherweise wäre das Leben der drei Kinder in ganz anderen Bahnen verlaufen, wenn ihnen die Mutter geblieben wäre.
Die Eskapaden der Kinder
Die blutjunge Prinzessin Caroline mit ihrem ersten Ehemann Philippe Junot am Strand.
Prinzessin Stéphanie zieht sich bei der Wahl ihrer häufig wechselnden Lebenspartner oft den Ärger ihres Vaters zu. Ihr erster Mann, der Leibwächter Daniel Ducruet, hat lange Zeit Palastverbot. Im September 2003 heiratet sie den zehn Jahre jüngeren portugiesischen Zirkus-Artisten Adans Lopez Peres. Prinzessin Carolines erste Ehe mit dem französischen Industriellen Philippe Junot wird 1980 nach zwei Jahren geschieden. Ihr zweiter Mann Stefano Casiraghi, den sie 1983 ehelicht, verunglückt 1990 tödlich. Seit 1999 ist Rainiers älteste Tochter mit Ernst August Prinz von Hannover verheiratet. Albert tritt am 2. Juli 2011 mit Charlene Wittstock vor den Traualtar.
Der gute Ruf von Monaco
Urquelle des Reichtums: das Spielkasino des Fürstentums Monaco.
Zum schillernden Image Monacos tragen nicht nur die Familiengeschichten bei. Rainier III. gelingt es, die Formel 1 in Monaco zu halten. Der internationale Jet-Set amüsiert sich zwischen Yachthafen und Boxengasse. Viele bleiben für immer und genießen ihr Leben im sonnigen Steuerparadies. Mit dem Zirkusfestival, das Jahr für Jahr in Monte Carlo stattfindet, pflegt der Fürst zugleich ein ganz persönliches Steckenpferd: Er ist ein bekennender Zirkusfan.
Es gibt aber auch negative Schlagzeilen. Früher war das Spielcasino von Monte Carlo die wichtigste Einnahmequelle des Fürstentums. Aber die Zeiten, in denen russische Großfürsten hier ihre letzten Kopeken verspielten, sind lange vorbei. Industrie und Infrastruktur warten dringend auf Modernisierung. Die Suche nach neuen Geldquellen wird begleitet von Vorwürfen aus dem Ausland, dass das Fürstenhaus illegale Geldwäsche in Monaco zulasse.
700-Jahr-Feier der Dynastie Grimaldi
1997 feiert Monaco stolz das 700-jährige Jubiläum der Grimaldi-Dynastie. Fürst Rainier enthüllt ein Standbild seines Vorfahren Francesco Grimaldi, der 1297 den Felsen erobert hat. Eines Tages werden die Monegassen auch Louis Henri Maxena Bertrand Rainier III. auf ähnliche Weise ehren - als den Modernisierer, den Fürsten, der Glanz gebracht hat nach Monaco und sich auch noch im hohen Alter um die Belange seiner Untertanen sorgt.
Tod nach 56 Jahren Regentschaft
Der Fürst feiert am 31. Mai 2003 seinen 80. Geburtstag. Obwohl gesundheitlich angeschlagen weist das Grimaldi-Oberhaupt Rücktrittsgerüchte immer wieder zurück: 1994 unterzieht sich Rainier einer Bypass-Operation. 2000 erfolgen gleich drei aufeinanderfolgende Eingriffe an der Lunge. Die Sorgen der Monegassen mehren sich, als ihr Souverän am 7. März 2005 erneut in die Herz-Lungen-Klinik des Staates eingeliefert wird und zwei Wochen später auf die Intensivstation verlegt werden muss. Nachdem kaum Hoffnung auf Besserung besteht, hat Prinz Albert am 31. März 2005 die Regentschaft über das Fürstentum übernommen. Tatsächlich erholt sich Rainier III. nicht mehr und verstirbt am am 6. April 2005. 56 Jahre steht er an der Spitze des Fürstentums.
Stand: 04.03.10 14:30 Uhr