Royalty inside: Wie sehr litt Charles unter Diana?

von Leontine von Schmettow

In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Rollen bei den Windsors ziemlich klar verteilt, zumindest wenn man an die erste Ehe des Thronfolgers denkt: Prinz Charles ist der Bösewicht, Prinzessin Diana das Opfer, das unter ihrem kaltherzigen Ehemann und dessen Affäre mit Camilla Parker Bowles litt. Doch jetzt, knapp 20 Jahre nach Dianas Tod, wirft eine neue Biografie ein anderes Licht auf das scheinbar bekannte Drama.

Prinz Charles - Eine Biografie in Bildern

14 Jahre Psychotherapie

Die Amerikanerin Sally Bedell Smith, die auch schon Biografien über die Queen, die Clintons und die Kennedys verfasste, argumentiert in "Prince Charles, The Passions and Paradoxes Of An Improbable Life", dass der älteste Sohn der Queen mindestens so sehr unter der Beziehung litt wie seine Frau. Ganze 14 Jahre sei er sogar in Psychotherapie gewesen, um seine Probleme mit Diana zu verarbeiten.

Dianas Arzt behandelt Charles

Prinz Charles auf der Couch? Dieses Bild ist für die Briten neu. Aber sicher nicht abwegig - gilt er doch schon immer als verschrobener, oder sagen wir sensibler, als der Rest der Royal Family. Sein damaliger Therapeut: der renommierte britische Psychiater Alan McGlashan, welcher 1997, im selben Jahr wie Diana, im Alter von 98 Jahren starb. Laurens van der Post, ein väterlicher Freund von Prinz Charles, hatte den Arzt empfohlen. Ursprünglich für Diana, die schon während der Flitterwochen unter Schlaf- und Essstörungen litt und oft scheinbar unvermittelt in Tränen ausbrach.

Eine schwierige Kindheit

Doch anstelle der jungen Braut war es der deutlich reifere Bräutigam, der sich dem Arzt langfristig anvertraute. Die Biografin beruft sich hier auf den väterlichen Freund, wenn sie schreibt, der Therapeut habe den Prinzen als "missverstanden und ausgehungert nach echter und spontaner Zuneigung" erlebt. Seine schwierige Kindheit, das Trauma, als Achtjähriger aufs Internat geschickt zu werden, das unstillbare Heimweh, das Mobbing durch die Mitschüler - all das trug offenbar nicht dazu bei, Charles zu einem emotional stabilen Menschen zu machen. Und erst recht nicht zu einem, der seiner noch viel labileren Ehefrau hätte eine Stütze sein können.

Bewusst wohlwollende Biografie

Nach fünf unglücklichen Ehejahren warf er dann auch verzweifelt das Handtuch - und wandte sich erneut seiner früheren Geliebten Camilla zu. So jedenfalls lautet das bewusst wohlwollende Fazit seiner Biografin. Ob die Briten ihrem künftigen König ebenfalls verzeihen können? Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, die Schurkenrolle nach mehr als 20 Jahren endlich loszuwerden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Mein Nachmittag | 13.04.2017 | 16:20 Uhr

Stand: 06.04.17 11:26 Uhr