Stand: 20.04.17 14:10 Uhr

Royalty inside: Windsors sprechen über Gefühle

von Leontine von Schmettow
Prinz William, Herzogin Catherine und Prinz Harry bei einem Auftritt für die Stiftung "Heads Together" © Picture-Alliance / Empics

Mit "Heads Together" machen sich Prinz William, Herzogin Catherine und Prinz Harry gemeinsam für einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten stark.

Wenn es eine goldene Regel bei den Windsors gibt, die im Selbstverständnis der britischen Königsfamilie als unumstößlich gilt, dann die, in der Öffentlichkeit keine Emotionen zu zeigen - und auch niemals über die eigenen Gefühle zu reden. Die Queen lernte schon als kleines Mädchen, ihre Regungen für sich zu behalten. Prinz Charles musste seinen Kummer unterdrücken, als er auf dem Internat Heimweh verspürte. Und auch William und Harry, die mit 15 beziehungsweise 12 Jahren ihre Mutter verloren, ließen sich bei der Beerdigung - beobachtet von der Weltöffentlichkeit - ihren Schmerz nicht anmerken.

Harry bricht Verhaltenskodex der Königsfamilie

"To keep a stiff upper lip", also stets Haltung zu bewahren und alle Emotionen zu verbannen, ist geradezu sprichwörtlich für die Einstellung der britischen Königsfamilie geworden. Und genau deshalb staunen die Briten jetzt so sehr, dass die Prinzen William und Harry ausgerechnet an diesem eisernen Prinzip rütteln, es sogar komplett infrage stellen. Eine Palastrevolution, die kaum grundlegender sein könnte! Den Anfang machte Harry, als er im Interview mit dem "Daily Telegraph" jetzt zum ersten Mal darüber sprach, wie schwer ihn der Tod seiner Mutter Diana belastete. Und wie sehr es ihm geholfen habe, nach 20 Jahren Schweigen endlich über seine Trauer zu sprechen.

William bringt frischen Wind in Kindererziehung

Prinz William legte umgehend nach: "Catherine und ich wollen unbedingt, dass George und Charlotte lernen, über ihre Gefühle zu sprechen. Emotionale Intelligenz ist für uns alle der Schlüssel, um mit der Komplexität des Lebens und von Beziehungen klarzukommen." Und: "Es mag Gelegenheiten geben, wo die 'stiff upper lip' angebracht ist - aber nicht um den Preis der eigenen Gesundheit." Was der Thronerbe da sagt, klingt so komplett konträr zu den althergebrachten Erziehungsleitlinien der Windsors, dass man sich wirklich fragt: Wie kommt es zu diesem Sinneswandel?

Stiftung fördert Aufklärung über psychische Krankheiten

Klar ist: William, Kate und Harry ist es wirklich ernst mit ihrem Anliegen. Daher haben sie vor einem Jahr die Stiftung "Heads Together" ins Leben gerufen - von allen ihren sozialen Engagements ist sie die Größte. Ihr Ziel: Das Tabu zu brechen, das in vielen Gesellschaften mit psychischen Erkrankungen verbunden ist, und auch dem damit verbundenen Stigma entgegenzuwirken.

Harry fühlt sich nach seinem "Outing" besser

Auch Prinz Harry gibt zu, dass er ein wenig Angst vor seinem "Outing" hatte. Doch seine Geschichte zeigt: Erst als er anfing, über seine Gefühle zu sprechen, konnte er die Hilfe bekommen, die er schon so lange gebraucht hatte - ohne es zu wissen. Sein Appell: "Ich kann die Menschen nicht genug dazu ermuntern, solche Gespräche zu führen." Ein ehrliches, ein mutiges Interview, welches dem Prinzen nur noch mehr Sympathien einbringen dürfte. Und wer weiß - vielleicht können auch seine älteren Verwandten noch etwas von ihm lernen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Mein Nachmittag | 27.04.2017 | 16:20 Uhr