Prinz Harry spricht erstmals über Dianas Tod

Erstmals hat Prinz Harry über den Tod seiner Mutter Diana gesprochen - und darüber, was dieses Erlebnis mit ihm gemacht hat. In einem Interview mit der Zeitung "The Telegraph" sagte Harry, dass er nach dem tödlichen Unfall Prinzessin Dianas vor knapp 20 Jahren unter schweren seelischen Problemen gelitten habe. "Ich steckte den Kopf in den Sand und habe mich geweigert, an meine Mutter zu denken", sagte Harry. "Das hatte sehr ernsthafte Auswirkungen nicht nur auf mein persönliches Leben, sondern auch auf meine Arbeit." Er habe Angstzustände erlebt und wahrscheinlich mehrmals kurz vor einem Zusammenbruch gestanden, als er in ein "totales Chaos" gestürzt sei. Erst durch das Zutun seines Bruders William habe er sich im Alter von 28 Jahren professionelle psychologische Hilfe gesucht.

Stationen im Leben von Prinz Harry

Boxsport gegen Aggressionen und Gespräche über Gefühle

Nachdem häufiger unterstellt wurde, Harrys Eskapaden hätten etwas mit seinen Kriegseinsätzen in Afghanistan zu tun, fühlte sich der Prinz offenbar genötigt, dies richtig zu stellen. Seine psychischen Probleme hätten nichts damit zu tun gehabt, sagte Harry im Interview. Glücklicherweise habe er den Tod von Kameraden niemals direkt miterleben müssen. Heute gehe es ihm wieder gut, so der Prinz weiter. Er habe mit dem Boxsport angefangen, um Aggressionen abzubauen, und die Gespräche über seine Gefühle hätten ihm gezeigt, dass er "Teil eines großen Clubs" sei.

Einsatz für offenen Umgang mit psychischen Problemen

Prinz Harry war zwölf Jahre alt, als seine Mutter 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben kam. Die Jahre zuvor waren geprägt vom Rosenkrieg zwischen Diana und ihrem Ehemann Prinz Charles. Die Ehe wurde 1996 geschieden, Prinz Charles heiratete später seine vormalige Geliebte Camilla Parker Bowles. Heute setzt sich Harry, der jahrelang als "Partyprinz" bekannt war, zusammen mit seinem Bruder William und seiner Schwägerin Kate für den offenen Umgang mit psychischen Problemen ein. Die drei engagieren sich dafür in der Initiative "Heads Together".

Prinz William und Lady Gaga rufen zu Offenheit auf

Am Tag nach der Veröffentlichung des Interviews mit Prinz Harry riefen Prinz William und Lady Gaga in einem Chat, der als Video im Zuge einer "Heads Together"-Kampagne verbreitet wurde, zu mehr Offenheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen auf. Es sei höchste Zeit, dass psychische Probleme genauso behandelt würden wie körperliche, sagte der Thronfolger, während er von seinem Schreibtisch im Kensington Palace aus mit der US-Sängerin in ihrer Küche in Hollywood chattete. Das Tabu führe "letztlich nur zu weiteren Problemen" und müsse endlich fallen, sagte William weiter. "Psychische Krankheiten sind immer noch mit viel Scham verbunden", erwiderte Lady Gaga. "Du fühlst dich, als stimme mit dir irgendetwas nicht." Die 31-Jährige hatte im vergangenen Jahr enthüllt, dass sie an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet.

Tod der Mutter belastet auch William bis heute

Auch für Prinz William ist der frühe Tod seiner Mutter bis heute eine Belastung. "Ich habe meine eigenen Gründe, mich für psychische Gesundheit zu engagieren - das, was mir wegen meiner Mutter passiert ist, als ich jünger war", sagte er nach der Vorführung eines Dokumentarfilms über psychisch kranke Marathonläufer in London. Dieser Schicksalsschlag werde ihn "niemals loslassen". "Die Leute sagen, dass das nicht so lange dauern könne, aber es ist so. Man kommt niemals darüber hinweg." Es sei ein so unglaublicher Schock gewesen, ein so großer Moment im Leben, der einen nie verlassen werde.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Mein Nachmittag | 27.04.2017 | 16:20 Uhr

Stand: 19.04.17 14:08 Uhr