Hosenbandorden trifft sich auf Schloss Windsor

Hosenbandorden trifft sich auf Schloss Windsor

Die Schaulustigen des Garter Day mussten keine Historiker sein, um den Hauch der Geschichte zu verspüren: Die Ritter des Hosenbandordens sind am 18. Juni 2012 in feierlicher Prozession durch den unteren Schlosshof von Windsor Castle zum Gottesdienst in die St. George's Chapel gezogen. Nur die luftigen Sommerkleider der Hunderten Schaulustigen erinnerten an das 21. Jahrhundert.

Queen Elizabeth lädt zum Garter Day

Ein schwerer Umhang aus blauem Samt, Hüte mit Federschmuck und übergroße Orden - so zeigen sich Queen Elizabeth und Prinz Philip am sogenannten "Garter Day". Wer Ritter des Hosenbandordens werden darf, entscheidet die Königin.

Charles war erst zehn Jahre alt, als seine Mutter ihn zum Ritter des Hosenbandordens ernannte. Prinz William wurde diese Ehre 2008 zuteil - damit wurde er das 1.000 Mitglied dieses exklusiven Ordens.

An die St. George's Chapel, wo der traditionelle Gottesdienst an diesem Tag stattfindet, haben Sophie und Prinz Edward wunderbare Erinnerungen: Am 19. Juni 1999 heirateten sie dort.

Der Gottesdienst findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Während der Zeremonie werden auch neue Mitglieder - so es welche gibt - in den Hosenbandorden aufgenommen. Im Anschluss schreiten Queen Elizabeth und ihr Mann feierlich über die Kirchentreppe und ...

... besteigen als erste die Kutsche, die sie an den Zuschauern vorbei, wieder zurück zum Schloss Windsor bringt. Schön, dass sich der Prinzgemahl von seiner Blasenentzündung erholt hat und nun wieder an der Seite seiner Frau repräsentieren kann.

Klatsch unter Damen der britischen Gesellschaft: Sophie, Gräfin von Wessex, Kate, Herzogin von Camebridge und Camilla, Herzogin von Cornwall. Ob sich die beiden Damen modisch von Stilikone Kate inspirieren ließen? Auf jeden Fall scheinen sie über den Aufmarsch ihrer "schick verkleideten" Gatten sehr amüsiert.

Die Yeomen of the Guard begleiten die Prozession. Die älteste noch existierende Leibgarde der britischen Könige besteht aus 73 Männern. Auf den Emblemen der Vorder- und Rückseite ihrer Uniformen aus der Tudorzeit sind neben der Tudor-Krone die Rose, das Kleeblatt und die Distel als Nationalsymbole der drei Landesteile des Vereinigten Königreiches abgebildet.

Kate steigt nach dem Gottesdienst zu ihrem Mann William und ihrem Schwiegervater Charles in die Kutsche. Sie hat sicherlich schon längst erkannt: Von vorne gleicht William eher seiner Mutter Diana, von hinten unverkennbar seinem Vater.

Prinzessin Anne sitzt gemeinsam mit ihrem Mann, Sir Timothy Laurence, und Gräfin Birgitte von Gloucester in einer Kutsche. Die Tochter von Queen Eilizabeth ist als Mitglied der königlichen Familie ebenfalls Ritterin des Hosenbandordens und nennt sich "Royal Knight".

Ritterschlag in geheimer Zeremonie

Der Order of the Garter ist der exklusivste Orden Großbritanniens, vielleicht sogar der exklusivste Orden weltweit. Die Queen beruft die Mitglieder nach eigenem Ermessen. Die Zahl der Knights ist jedoch auf 24 limitiert, hinzu kommen Ehrenmitglieder der königlichen Familie, die Royal Knights, sowie ausländische Würdenträger, die Stranger Knights. Nur Männer und Frauen, die sich in hervorragender Weise um das Inselreich oder die Krone verdient gemacht haben, kommen als Kandidaten infrage. Der Ritterschlag, der aus dem Umschlingen des Hosenbandes um das linke Knie besteht, blieb Kameras und den neugierigen Blicken des Publikums bislang verborgen.

Gottesdienst mit fester Sitzordnung

In der Kirche des Ordens, der St. George's Chapel, hat jeder Garter Knight seinen festen Ehrenplatz. Bis zum ersten Weltkrieg hingen dort auch die Fahnen deutscher Fürsten, die mit dem Hosenbandorden ausgezeichnet wurden. Aber wegen der antideutschen Stimmung, die sich damals in Großbritannien breitmachte, wurden die deutschen Garter Knights 1915 aus dem Ordensregister gestrichen. Wenn das Wetter es erlaubt, fahren die Royals nach dem Gottesdienst in einer offenen Kutsche zurück zum oberen Schlosshof und zu den royalen Gemächern.

Eduard III. - Der Ordensgründer

König Eduard III. von England, Kupferstich 17. Jahrhundert © Picture-Alliance / AKG-Images

Der französische Wahlspruch des Hosenbandordens soll von König Eduard III. stammen.

König Eduard III. soll den Ritterorden im 14. Jahrhundert gegründet haben. Um den französischen Wahlspruch "Honi soit qui mal y pense" der Vereinigung rankt sich eine pikante Legende: Bei einem höfischen Ball soll König Eduard III. das verlorene Strumpfband der Gräfin von Salisbury aufgehoben und um sein eigenes Bein geschlungen haben. Dem anschließenden Getuschel des Hofstaates soll er die Worte entgegnet haben: "Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Ich will dieses Hosenband zum vornehmsten Hosenband machen, das es je gegeben hat."

Stand: 19.06.11 11:15 Uhr