Harry - Vom Party-General zu Captain Wales

von Simone Nebelsieck

Wer einen großen Bruder hat, der immer alles richtig macht, hat es schwer. Wer wie Harry auch noch öffentlich im Fokus steht, auf dem lastet ein besonderer Druck. Bei dem Prinzen führt das zu Trotzreaktionen, mit kleineren und größeren Skandalen füllt er in verlässlichen Abständen die Klatschspalten: Er geht in Nazi-Uniform zur Kostümparty oder zieht beim Strip-Poker blank. Harry kann und will vielleicht auch gar nicht in die Fußstapfen seines Vorzeigebruders William treten. Seinen eigenen Platz im britischen Königshaus zu finden, fällt dem Prinzen, der mit vollem Namen Henry Charles Albert David Mountbatten-Windsor heißt, schwer. Mittlerweile tanzt er immer seltener aus der Reihe. Aus dem Partytier ist ein Mann geworden, der sich zu benehmen weiß - wenn es denn sein muss.

Stationen im Leben von Prinz Harry

Schon von Anfang an steht der am 15. September 1984 als zweites Kind von Prinz Charles und Prinzessin Diana in London geborene Harry unter öffentlicher Beobachtung. Dabei bemüht sich seine Mutter Diana darum, dass ihre Söhne behütet aufwachsen. Liebevoll hält sie ihre schützenden Hände über Harry und William. Mit den Medien vereinbart sie jeweils zu Beginn eines Schuljahres einen Fototermin, um die Jungs vor permanentem Blitzlichtgewitter zu bewahren. Doch die Ehe von Harrys Eltern bekommt Risse und damit wächst auch das Interesse der Boulevard-Medien an dem royalen Nachwuchs. Als sich Charles und Diana im Jahr 1992 trennen und vier Jahre später scheiden lassen, ist die Situation zwar kompliziert, trotzdem bemühen sie sich um eine möglichst normale Kindheit für ihre beiden Söhne. Sie teilen sich das Sorgerecht, William und Harry wachsen abwechselnd bei Mutter, Vater und ihrer Großmutter Queen Elizabeth II. auf.

Der schlimmste Tag im Prinzen-Leben

Prinz Harry steht mit gefallteten Händen und gesenktem Haupt neben seinem Bruder Prinz William. © picture alliance / dpa

Dieses Foto ging um die Welt: William und Harry trauern um ihre Mutter Diana.

Doch dann passiert der schreckliche Schicksalsschlag: Harry verliert seine Mutter. Prinzessin Diana stirbt am 31. August 1997 bei einem tragischen Autounfall in Paris. Die ganze Welt blickt bei dem Trauerzug durch London auf Harry und seinen Bruder William - und trauert mit. Der Tod seiner geliebten Mutter ist vielleicht auch ein Grund dafür, warum sich Harry später immer wieder nicht so benimmt, wie es von einem Prinzen erwartet wird. In seinen "Skandaljahren" lässt er kaum eine Party aus, trinkt viel und soll auch Drogen gegenüber nicht abgeneigt sein. In dieser Zeit geben ihm Boulevard-Medien den Spitznamen "Dirty Harry". Doch Harry versucht immer wieder, sich von dem Image als verantwortungsloser Feierwütiger zu befreien. Er entschuldigt sich für Fehltritte in seiner flapsigen Art und verspricht Besserung.

Nach seinem Schulabschluss am Eton College in Windsor geht er 2003 für ein Jahr nach Australien und Afrika. Im afrikanischen Lesotho arbeitet er in einem Waisenhaus. Anschließend beginnt er wie sein Bruder William eine Laufbahn beim Militär: Von 2005 bis 2007 macht Harry an der Royal Militäry Academy Sandhurst eine Offiziersausbildung. 2006 gründet er zusammen mit Prinz Seeiso von Lesotho die Stiftung "Sentebale", die sich um Aids-Waisen kümmert. Sentebale soll das Engagement seiner verstorbenen Mutter Prinzessin Diana fortführen und an sie erinnern: Übersetzt heißt das Wort "Vergiss mich nicht!". Mit seinem Engagement beweist Harry Verantwortungsbewusstsein und zeigt den Boulevard-Medien, dass sie ihr Bild vom "Entfant terrible" korrigieren müssen.

Freiwilliger Einsatz in Afghanistan

Royal Airforce Base in Shawbury 2009: Prinz Harry steht in Fliegeruniform vor einem Hubschrauber © picture-alliance

Beim Militär genießt Prinz Harry keinen Sonderstatus - und gerade das scheint ihm so gut zu gefallen.

Die Arbeit beim Militär scheint Harry gut zu tun. Hier ist er ein Offizier unter vielen, der behandelt wird wie jeder andere auch. Harry will keinen Sonderstatus. Im Gegenteil: Er will für sein Land an der Front kämpfen und meldet sich freiwillig für den Afghanistan-Einsatz. Mit diesem Wunsch setzt er sich durch. Von Mitte Dezember 2007 bis Februar 2008 ist er im Süden des Landes stationiert und nimmt an Fronteinsätzen der internationalen Truppen gegen islamistische Taliban teil. Als sein Einsatz öffentlich wird, muss der Prinz aufgrund von Sicherheitsbedenken vorzeitig wieder abreisen.

Harry verfolgt seine Karriere beim Militär weiter und lässt sich als Hubschrauberpilot ausbilden. 2010 wird er zum Colonel-in-Chief bei den Heeresfliegern ernannt und ein Jahr später zum Captain befördert. Das Fliegen scheint Captain "Wales" zu liegen: Die 16-monatige Ausbildung mit dem Kampfhubschrauber Apache schließt er im Februar 2012 als Bester ab. Im September des gleichen Jahres folgt dann der zweite Afghanistan-Einsatz, von dem er nach fünf Monaten wohlbehalten zurückkehrt.

Im Juli 2013 erreicht Harry dann die Spitze seiner bisherigen beruflichen Laufbahn: Er wird zum Apache-Kommandanten ernannt und ist somit Kommandant, Co-Pilot und Schütze auf einem der stärksten Kampfhubschrauber der Welt. Doch dann tauscht er den Hubschrauber gegen den Bürostuhl. 2014 beendet er den Piloten-Dienst und fängt bei der Militärverwaltung in London an. Dort organisiert er als Stabsoffizier Projekte und Gedenkfeiern. Ein Jahr später gibt Harry bekannt, dass er sich im Juni 2015 komplett vom Militär-Dienst verabschieden will.

Who wants to marry Harry?

Beim Rugby Match England gegen Wales sind Prinz Harry und Cressida Bonas als Zuschauer dabei. © Picture-Alliance / dpa

Die Beziehung mit Cressida hielt etwa zwei Jahre. Harry sucht weiterhin die Frau fürs Leben.

Im Gegensatz zu seinem Bruder William, mit dessen Frau Kate sich Harry blendend versteht, hat der jüngere Windsor-Sohn in Sachen Liebe bisher noch nicht das große Glück gefunden. Von 2004 bis 2010 ist er mit einigen Unterbrechungen mit der Südafrikanerin Chelsy Davy zusammen. Als es mit ihr schließlich endgültig vorbei ist, lernt er Cressida Bonas kennen. Trotz Hochzeitsgerüchten erfolgt nach etwa zwei Jahren die Trennung - seitdem dürfte Harry wieder einer der begehrtesten Junggesellen überhaupt sein.

Im Namen der Queen unterwegs

Während der Militärausbildung bleibt dem Prinz wenig Zeit für royale Termine. 2012 geht er zum ersten Mal für die Queen auf offizielle Auslandsreise. Zum 60. Thronjubiläum seiner Großmutter fliegt er nach Belize, auf die Bahamas, nach Jamaika und Brasilien. Der Prinz macht seine Sache gut, aus dem unberechenbaren Party-General ist ein verantwortungsbewusster Mann geworden - das erkennt auch die Queen und schickt ihn immer häufiger zu Terminen. Und auch das Volk verzeiht dem Prinzen seine Fehltritte. Ganz ohne kleinere und größere Ausfälle wird es auch bei dem "neuen" Prinz Harry wahrscheinlich nicht gehen - aber ohne wäre es am britischen Königshof sicherlich auch zu langweilig.

Stand: 17.03.15 11:48 Uhr