Stand: 29.03.17 12:00 Uhr

Ex-König Albert: Vaterschaftsklage abgewiesen

König Albert II. von Belgien und die Künstlerin Delphine Boël. © dpa Bildfunk Fotograf: Didier Lebrun / Dirk Waem

Wer ist ihr biologischer Vater? Delphine Boël kämpft weiter für eine gerichtliche Klärung.

In erster Instanz hat ein Brüsseler Gericht die Vaterschaftsklage von Künstlerin Delphine Boël gegen Belgiens Ex-König Albert abgewiesen. In dem Verfahren sollte es zunächst um die Aberkennung der Vaterschaft von Jacques Boël gehen, der zum Zeitpunkt von Delphine Boëls Geburt noch mit ihrer Mutter, der Baronin Sybille de Sélys Longchamps, verheiratet war und dessen Namen sie trägt. Ein DNA-Test hatte bereits 2014 ergeben, dass Jacques Boël nicht der leibliche Vater sein kann. In einem zweiten Schritt sollte dann die tatsächliche Vaterschaft geklärt und Albert zu einem Test gezwungen werden. Das Gericht erklärte die Klage jedoch für unbegründet, es gebe neben der biologischen Abstammung auch noch Kriterien wie familiäre Bindungen. Im rechtlichen Sinne sei Jacques Boël deshalb der Vater der Klägerin. Delphine Boëls Anwalt Marc Uyttendaele hält die Entscheidung des Gerichts für nicht stichhaltig und rechtlich nicht haltbar. In der nächsten gerichtlichen Instanz wolle man nun die "Wirklichkeit des Rechts der Wirklichkeit der Fakten" anpassen. Man gehe optimistisch in die nächste Runde, so der Rechtsvertreter weiter.

Nach Abdankung keine Immunität mehr

In der Geschichte der belgischen Monarchie ist Albert der Erste, der zu einer gerichtlichen Anhörung vorgeladen wurde. Albert hatte, nachdem er im Juni 2013 als bislang einziger belgischer König zugunsten seines Sohnes Philippe abgedankt hatte, seine Immunität verloren. Schon davor war die Frage nach einer angeblichen unehelichen Tochter durch die Medien gegangen. Doch erst die Abdankung ermöglichte es der belgischen Künstlerin Delphine Boël, rechtliche Schritte in ihrem Kampf um die Anerkennung als uneheliche Tochter einzuleiten.

Verfassungsgericht stimmt Klage zu

2013 hatte die heute 49-jährige Bildhauerin eine Vaterschaftsklage gegen den Ex-Monarchen eingereicht und gefordert, dass er sich einem DNA-Test unterziehen solle. Das für die Klage zuständige Brüsseler Gericht gab den Fall zunächst an den Verfassungsgerichtshof weiter, da unklar war, ob Boëls Klage zulässig ist. Ja, ist sie - entschied das Verfassungsgericht im Februar 2016. Konkret wurde zum einen entschieden, dass ein Kind die Vaterschaft anfechten kann, obwohl in Belgien automatisch der Ehemann der Mutter rechtlich als Vater eines Kindes gilt. Zum anderen urteilten die Verfassungsrichter, dass der Fall noch nicht verjährt ist und erklärten die im Gesetz genannte Verjährungsfrist für verfassungswidrig.

Albert schweigt seit Jahrzehnten zu der Affäre

Albert II. hält seine Abschiedsrede anlässlich seiner Abdankung © picture alliance / dpa

Dass der frühere König ein uneheliches Kind haben könnte, ist schon lange Thema in der Öffentlichkeit.

Albert hat Boël nie als seine Tochter anerkannt, seit Jahrzehnten schweigt er zu der Affäre. Allerdings sahen viele in seiner Weihnachtsansprache im Jahr 1999 ein verstecktes Eingeständnis. Damals sprach der König von einer Krise, die seine Ehe Jahrzehnte zuvor durchlitten habe. Baronin de Sélys Longchamps hatte in Interviews angegeben, seit Mitte der 1960er-Jahre für 18 Jahre eine Liebesbeziehung mit dem damaligen König gehabt zu haben. Albert hat mit seiner Frau Paola drei Kinder: Philippe (1960), Astrid (1962) und Laurent (1963).

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Mein Nachmittag | 13.04.2013 | 16:20 Uhr