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09.02.2010 | 16:13 Uhr

18. Oktober 2009

Schlimmer als Krieg - Völkermord verstehen und verhindern

"Wir haben in den anderen keine Menschen gesehen", erzählt der ehemalige SS-Mann Otto-Ernst Duscheleit in Berlin dem amerikanischen Politologen Daniel Jonah Goldhagen und zitiert anschließend Anne Frank: "Die Menschen, die andere als minderwertig ansehen, schließen sich durch diese Haltung aus der menschlichen Gemeinschaft aus."

Völkermord zu allen Zeiten, auf allen Kontinenten

Immer wieder steht die Weltöffentlichkeit fassungslos vor brutalen Mordkampagnen, die in verschiedenen Erdteilen verübt werden. Die Opferzahl der vergangenen 100 Jahre liegt bei mehr als 100 Millionen Menschen. Mehr als durch alle Kriege in diesen hundert Jahren umkamen. Türken ermordeten mehr als eine Million Armenier während des Ersten Weltkrieges, Deutsche sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges. In den 30er- und 40er-Jahren mordeten Japaner viele Millionen in Asien. Millionen starben unter dem stalinistischen Terror in der Sowjetunion. Die Liste lässt sich lange fortsetzen, bis in unsere Tage: Bosnien, Ruanda, Dafur.

Die Psychologie des Mordens

Daniel Jonah Goldhagen in einem Straflager in Ruanda.
© NDR/JTN Productions
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Doch wie kommt es zu diesen Taten, fragt sich Daniel Goldhagen. Er nimmt Ursprung und Verlauf in den Blick: Was bringt Menschen dazu, ihre Nachbarn - Männer, Frauen und Kinder - zu töten? Wie beginnt das Morden? Und wie hört es wieder auf? Und warum sehen wir meist tatenlos zu, wenn irgendwo ein brutaler und blutiger Völkermord stattfindet?

Wissenschaftler mit polarisierender Meinung

Daniel Goldhagen hat vor einem Jahrzehnt in Deutschland Aufsehen erregt mit seinem Buch "Hitlers willige Vollstrecker". Darin vertritt er unter anderem die These, dass die Deutschen in der großen Mehrheit die Ermordung der Juden unterstützten. Das Buch löste eine sehr kontroverse Diskussion aus. Daniel Goldhagen ist ein Wissenschaftler, der deutliche Positionen vertritt und der will, dass Geschichte sich nicht wiederholt, sondern dass aus ihr Lehren gezogen werden, zum Besseren. Das ist auch diesmal sein Anliegen.

Täter und Opfer kommen zu Wort

Daniel Jonah Goldhagen in einem Massengrab in Guatemala.
© NDR/JTN Productions
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Von Berlin aus unternimmt er mit einem Filmteam eine Reise um die Welt und spricht mit Tätern und überlebenden Opfern, mit Ermittlern, mit Diplomaten, mit Polizisten, mit Politikern. "Leute in Stücke hacken ist leichter, als einen Baum fällen", erzählt ihm der Mörder Elie Ngarambe in einer ruandischen Strafkolonie, "man hackt mit der Machete, der Mensch fällt hin, man hackt weiter, er ist in Stücken, und man geht weiter."

Den Opfern das Mensch-Sein absprechen

Goldhagen kommt zu dem Ergebnis, dass Völkermorde nicht etwa Massenhysterie sind und auch keineswegs spontan und unkontrolliert entstehen. Völkermorde sind immer das Ergebnis bewusster Entscheidungen. Politische Führer beschließen, dass Töten vieler Menschen erforderlich ist und schaffen das Klima, diese Entscheidung umzusetzen. Ein solches Klima zu schaffen, das bedeutet zum Beispiel, den Opfern das Mensch-Sein abzusprechen und sie als Bedrohung darzustellen. Ganz normale Bürger machen dann willentlich mit und töten ihre Nachbarn. Und die, die das Töten verhindern könnten, entscheiden sich, nichts zu tun, wegzuschauen.

Goldhagen fordert in der Konsequenz die internationale Politik auf, dem Töten massiv entgegenzutreten. Parallel zum Film wird im Oktober Daniel Goldhagens Buch "Schlimmer als Krieg - Wie Völkermord entsteht und wie er zu verhindern ist" erscheinen.

Sendedaten

18.10.2009, 23.50 Uhr im Ersten

Ein Film mit Daniel Jonah Goldhagen.

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Internet-Links

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