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09.02.2010 | 17:33 Uhr

01. August 2008

Der Mann, dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David

Ulrich Tukur bei Dreharbeiten würgt eine am Boden liegende Frau. © NDR/diwa-film GmbH München
große Bildversion anzeigen Ulrich Tukur als Serienmörder bei Dreharbeiten über seine Rolle: "Da er nicht versteht, mit welch perfider psychologischer Logik sich sein Verhalten entwickelt, tappt er in die schlimmste Falle, die ihm das Leben stellt. Er findet vermeintliche Ruhe und Befriedigung in der archaischen Lösung: Macht und Selbstbestimmung durch Auslöschung von (weiblichem) Menschenleben.

Er ist Maler und hat 21 Jahre lang im selben Betrieb zur vollen Zufriedenheit seines Chefs gearbeitet. Was der Chef nicht wusste: Manchmal hat er die Kundinnen nach gewissenhaft erledigter Arbeit erdrosselt. Er ist Mitglied im Fußballverein seines Dorfes, im Schützenverein und im Kegelclub. Er sammelt Briefmarken, er spielt Akkordeon und Heimorgel. Bei Weihnachtsfeiern freuen sich alle, dass er selbstverfasste Gedichte vorträgt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, weder Frau noch Kinder hat er jemals geschlagen. Aber er ist ein Frauenmörder.

Der Würger von Regensburg

Er sieht sich selbst als ruhigen, zufriedenen Menschen, der Wert auf Ordnung und Sauberkeit legt. Er tanzt gern, hört am liebsten Volksmusik oder Schlager und liest Heimatromane. Er ist Hauptperson in einem der spektakulärsten Mordprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dabei gesteht er, zwischen 1975 und 1993 sieben Frauen mit seinen bloßen Händen erwürgt und erstickt zu haben. Horst David, der "Würger von Regensburg". Weder er noch Gerichtspsychologen wissen, warum er es getan hat. Er, der Kavalier, der Akkordeonspieler, der Gelegenheitsdichter. Er hat es nicht getan, um seinen Sexualtrieb zu befriedigen, und er hat nicht aus Geldgier gemordet. 

Als Kind ausgesetzt

Der Mörder (gespielt von Ulrich Tukur) spricht mit einer Frau. © NDR/diwa-film GmbH München
große Bildversion anzeigen Ulrich Tukur bei den Dreharbeiten zum Film "Der Mann, dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David" wollte, ehe er die Rolle übernahm, wissen, woher er käme und wie der Anfang seines Lebens verlaufen sei.

Horst David, der von seiner Mutter als Fünfjähriger mit einem Schild um den Hals am Bahnhof in Hof ausgesetzt worden war, hat sich nie bemüht, nach den Morden an jungen Prostituierten oder älteren Frauen, Spuren zu verwischen. Es seien einfach immer "unglückliche Umstände" gewesen, gibt er zu Gerichtsprotokoll. Es ist nur ein Zufall, der die Ermittler der Münchner Mordkommission nach zwanzig Jahren auf seine Spur führt.

Neue Computerverfahren

In einen neuen Computer werden zu Testzwecken zwanzig Jahre alte Fingerabdrücke von unaufgeklärten Mordfällen eingegeben. Josef Wilfling, ein erfahrener Kriminaler und Psychologe, erkennt plötzlich Zusammenhänge. Der einbestellte Horst David legt Tag für Tag ein neues Geständnis ab. Sieben Morde gibt er zu, dann schweigt er - bis heute. Horst David wird mit lebenslanger Haft bestraft. Bis heute ist ungeklärt, was ihn zu den Morden trieb, welche Motive er hatte. Die faszinierend unkonventionellen Verhörmethoden des Ermittlers beleuchten die erschreckend normale Biografie eines Biedermanns, der zum Serienmörder geworden war. Das Dokudrama schildert auf Grundlage einer seit Jahren andauernden Recherche mit den Stilmitteln einer Semi-Dokumentation den Lebensweg und die Verbrechen des Frauenmörders.

Ulrich Tukur in die Rolle des Täters

Ulrich Tukur mit Zigarette im Mund. Im Hintergrund sitzt eine Frau auf einem Stuhl. © NDR/diwa-film GmbH München
große Bildversion anzeigen Filmszene mit Ulrich Tukur in der Rolle des Serienmörders Horst David, über deren psychologischen Hintergrund er sich wie folgt äußert: "Der Hass auf die Frau, die ihn verraten und verlassen hat, und die Sehnsucht, einmal die Dinge selbst in der Hand zu haben, nicht immer nur fremdbestimmt zu sein, dominieren zu können."

Warum konnte Horst David in Deutschland so lange morden, ohne gefasst zu werden? In dem Dokumentationsdrama schlüpft der Schauspieler Ulrich Tukur in die Rolle des Täters.  Die Doppelexistenz Davids interessiert den Schauspieler. Ulrich Tukur bekommt mit Einverständnis des Täters Einblick in Vernehmungsakten, das psychiatrische Gutachten und die im Gefängnis verfasste Lebensbeichte. Darüber hinaus stehen Tukur, der sich intensiv mit den Hintergründen dieser ebenso faszinierenden wie erschreckenden Biografie auseinandersetzt, mehr als hundert Briefe zur Verfügung, die Horst David aus der Haft an die Autorin Danuta Harrich-Zandberg geschrieben hat.

Sendedaten

01.08.2008 um 21.45 Uhr im Ersten

Ein Film von Danuta Harrich-Zandberg und Walter Harrich.

Download
01.08.2008 21:45

Pressemappe zum Dokudrama im Ersten als pdf. [mehr]

Bilderstrecke
Ulrich Tukur bei Dreharbeiten würgt eine am Boden liegende Frau. © NDR/diwa-film GmbH München

Bilderstrecke zu den Dreharbeiten der Dokumentation. [mehr]

Weitere Informationen

Verbrechen lohnt sich - Wie Mörder und Bankräuber von Medien abkassieren

20.02.1997 21:00

Panorama-Beitrag über den finanziellen Wert von kriminellen Medienbeichten. [mehr]

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