Horrorautobahn A1 - Europas längste Baustelle
Ein VW-Transporter, besetzt mit fünf Personen, schießt über die provisorische Leitplanke in den Gegenverkehr, prallt frontal gegen einen Passat und gegen einen LKW, wird dann wieder zurück auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Die Rettungskräfte finden ein Bild des Grauens vor: zwei Tote, acht Schwerverletzte, darunter drei Kinder. Es ist der schlimmste Unfall seit dem Ausbau der A1 zwischen Hamburg und Bremen.
Lang ersehnt und nun gefürchtet
Eine Stauwelle von riesigem Ausmaß hat die Autobahn erfasst. Der Grund: Mehr Geld als jemals zuvor fließt aus den Bundeskassen in den Straßenbau. Insgesamt zwölf Milliarden Euro. Die Bauwut resultiert aus den beiden Konjunkturprogrammen des Bundes. Bis spätestens 2011 müssen die Mittel ausgegeben werden. Was den Weg für den nächsten Wirtschaftsboom ebnen soll, sorgt erst einmal für das Gegenteil: Deutschland steckt fest, jedenfalls verkehrstechnisch. Hamburg als wichtigster Industrie- und Logistikstandort Deutschlands ist für vier Jahre vom Rest der Republik nur bedingt erreichbar. Jahrelang wurde die Erweiterung der Autobahn herbeigesehnt. Doch jetzt, wo sie da ist, entwickelt sich die größte Straßenbaustelle Europas mit 70 Kilometern Länge zu einem Monstrum, das immer neue Schreckensmeldungen produziert.
Eine unberechenbare Falle
Steigende Unfallzahlen, kilometerlange Staus, entnervte Anwohner und Pendler, Polizisten im Dauerstress. Der Ausbau hat das Leben der Beamten verändert: Die Unfälle haben sich verdoppelt, mehr Geschwindigkeitskontrollen müssen gefahren werden, und die Verkehrsführung im Baustellenbereich ändert sich täglich. Wegen der ständigen Staus kommt die Polizei nur schwer zu den Unfallstellen; zeitweise sind ganze Autobahnabschnitte gesperrt. Den Tribut, den ein solches Bauwerk fordert, hatten Politiker und Planer unterschätzt: Täglich werden die engen Durchfahrten für viele Verkehrsteilnehmer zur Falle.
Noch weitere fünf Jahre Dauerstress
Lutz Wetzel hat mit seinem Kamerateam den schwierigen Alltag auf der größten Autobahnbaustelle Europas dokumentiert und Menschen begleitet, die mit dieser Herausforderung zurechtkommen müssen: Autofahrer, Planer, Verkehrsexperten, Anwohner, Bauarbeiter und die Beamten der Polizeiwache Sittensen. Sie alle müssen noch fünf Jahre durchhalten, so lange befindet sich die A1 noch im Ausnahmezustand.
07.02.2010, 13.15 Uhr im Ersten
Ein Film von Lutz G. Wetzel.
Erstsendung: 04.12.2009 im NDR Fernsehen
Niedersachsens Straßenbaubehörde informiert
Details zu Planung und Fortschritt des A-1-Ausbaus zwischen Hamburg und Bremen.
Kampf dem Stau
Wege aus dem Verkehrschaos zeigt BR online auf.
Forschung gegen den Stau
Umfassendes Dossier des Wissensmagazins nano zum Thema Verkehrsleitsysteme und Stauvermeidung. (3sat vom 13.06.2008)
"Keine Zeit für anderes"
Knutz Nagel von der Autobahnpolizei Sittensen über die Lage auf der Autobahn.
"Man weiß nie, ob man den Einsatzort erreicht"
Werner Postels von der Feuerwehr Sittensen und die Problematik der Verkehrssituation für die Rettungskräfte.



