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09.02.2012 | 20:22 Uhr

07. Februar 2010

Horrorautobahn A1 - Europas längste Baustelle

Manchmal sind es nur Zentimeter bis zum dicken Lkw. Wer in der größten Autobahnbaustelle Europas auf der A1 fährt, muss starke Nerven haben. © NDR Fotograf: NDR/Lutz G. Wetzel
große Bildversion anzeigen Alltag in der größten Autobahnbaustelle Europas.

Ein VW-Transporter, besetzt mit fünf Personen, schießt über die provisorische Leitplanke in den Gegenverkehr, prallt frontal gegen einen Passat und gegen einen LKW, wird dann wieder zurück auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Die Rettungskräfte finden ein Bild des Grauens vor: zwei Tote, acht Schwerverletzte, darunter drei Kinder. Es ist der schlimmste Unfall seit dem Ausbau der A1 zwischen Hamburg und Bremen.

Lang ersehnt und nun gefürchtet

Dieser Riesen-Mülleimer wird von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Er passt nicht durch die enge Autobahnbaustelle. © NDR Fotograf: NDR/Lutz G. Wetzel
große Bildversion anzeigen Dieser Mülleimer passt nicht durch die enge Autobahnbaustelle.

Eine Stauwelle von riesigem Ausmaß hat die Autobahn erfasst. Der Grund: Mehr Geld als jemals zuvor fließt aus den Bundeskassen in den Straßenbau. Insgesamt zwölf Milliarden Euro. Die Bauwut resultiert aus den beiden Konjunkturprogrammen des Bundes. Bis spätestens 2011 müssen die Mittel ausgegeben werden. Was den Weg für den nächsten Wirtschaftsboom ebnen soll, sorgt erst einmal für das Gegenteil: Deutschland steckt fest, jedenfalls verkehrstechnisch. Hamburg als wichtigster Industrie- und Logistikstandort Deutschlands ist für vier Jahre vom Rest der Republik nur bedingt erreichbar. Jahrelang wurde die Erweiterung der Autobahn herbeigesehnt. Doch jetzt, wo sie da ist, entwickelt sich die größte Straßenbaustelle Europas mit 70 Kilometern Länge zu einem Monstrum, das immer neue Schreckensmeldungen produziert.

Eine unberechenbare Falle

In der Baustelle auf der A1 in Panik geraten: Caravan-Fahrer wurde Opfer des Autobahn-Stresses. © NDR Fotograf: NDR/Lutz G. Wetzel
große Bildversion anzeigen Ein Caravan-Fahrer wurde Opfer des Autobahn-Stresses.

Steigende Unfallzahlen, kilometerlange Staus, entnervte Anwohner und Pendler, Polizisten im Dauerstress. Der Ausbau hat das Leben der Beamten verändert: Die Unfälle haben sich verdoppelt, mehr Geschwindigkeitskontrollen müssen gefahren werden, und die Verkehrsführung im Baustellenbereich ändert sich täglich. Wegen der ständigen Staus kommt die Polizei nur schwer zu den Unfallstellen; zeitweise sind ganze Autobahnabschnitte gesperrt. Den Tribut, den ein solches Bauwerk fordert, hatten Politiker und Planer unterschätzt: Täglich werden die engen Durchfahrten für viele Verkehrsteilnehmer zur Falle.

Noch weitere fünf Jahre Dauerstress

Wieder mal Riesenstau und lange Wartezeiten. Alltag auf der größten Autobahnstelle Europas zwischen Bremen und Hamburg. © NDR Fotograf: NDR/Lutz G. Wetzel
große Bildversion anzeigen Wieder mal Riesenstau und lange Wartezeiten.

Lutz Wetzel hat mit seinem Kamerateam den schwierigen Alltag auf der größten Autobahnbaustelle Europas dokumentiert und Menschen begleitet, die mit dieser Herausforderung zurechtkommen müssen: Autofahrer, Planer, Verkehrsexperten, Anwohner, Bauarbeiter und die Beamten der Polizeiwache Sittensen. Sie alle müssen noch fünf Jahre durchhalten, so lange befindet sich die A1 noch im Ausnahmezustand.

Archiv
Sendedaten

07.02.2010, 13.15 Uhr im Ersten

Ein Film von Lutz G. Wetzel.

Erstsendung: 04.12.2009 im NDR Fernsehen

Internet-Links
LKW stehen dicht an dicht auf einer Straße © picture-alliance/dpa/ZB Fotograf: Arno Burgi

Details zu Planung und Fortschritt des A-1-Ausbaus zwischen Hamburg und Bremen.

Wege aus dem Verkehrschaos zeigt BR online auf.

Umfassendes Dossier des Wissensmagazins nano zum Thema Verkehrsleitsysteme und Stauvermeidung. (3sat vom 13.06.2008)

Audios (als Download)

Knutz Nagel von der Autobahnpolizei Sittensen über die Lage auf der Autobahn.

Werner Postels von der Feuerwehr Sittensen und die Problematik der Verkehrssituation für die Rettungskräfte.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW