21.01.10 | 21:45 Uhr

Bundeswehr in Afghanistan: Die gelähmte Armee

Noch eine Woche bis zur großen Afghanistan-Konferenz in London. Doch konkrete Pläne für den Einsatz unserer Soldaten will der Verteidigungsminister bislang nicht diskutieren. Afghanistan müsse man zu einem "tragbaren Ende" bringen, sagt Theodor zu Guttenberg und tut damit so, als ob ein Ende der Mission tatsächlich schon in Sicht sei.

Ein Bundeswehrsoldat patrouilliert in Kundus (23.11.2004). © dpa - Bildfunk Fotograf: Peter Endig

Bundeswehr in Afghanistan: Die gelähmte Armee
Vor acht Jahren sind deutsche Soldaten ausgezogen, um den Wiederaufbau zu begleiten, für Stabilität zu sorgen, den Frieden zu sichern. Aber in Afghanistan herrscht kein Frieden, sondern Krieg. Panorama mit einem Plädoyer für einen ernstgemeinten Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

Ein Bundeswehrsoldat patrouilliert in Kundus (23.11.2004). © dpa - Bildfunk Fotograf: Peter Endig

Vor acht Jahren sind deutsche Soldaten ausgezogen, unsere Sicherheit am Hindukusch zu verteidigen. Ihre Aufgabe war, den Wiederaufbau zu begleiten, für Stabilität zu sorgen, den Frieden zu sichern. Aber in Afghanistan herrscht kein Frieden, sondern Krieg. Jahrelang hatten die deutsche Öffentlichkeit das nicht wissen und die politisch Verantwortlichen das nicht beim Namen nennen wollen: Deutsche Soldaten, die Brunnen bohren? "Ja!" Deutsche Soldaten die töten? "Nein!".

Verschleiernde Rhetorik und Selbstbetrug hatten fatale Folgen für die deutschen Soldaten und damit auch für die Menschen in Afghanistan. Schlecht ausgerüstet für Kampfeinsätze, gegängelt durch allzu defensive Einsatzregeln, ohne politischen Rückhalt für militärische Maßnahmen - so mussten die Soldaten zusehen, wie sich die Sicherheitslage rund um ihr Lager in Kundus ständig verschlechterte, die Zahl der Aufständischen immer weiter zunahm.

Das Versagen beim Wiederaufbau des Landes lässt sich nicht mehr leugnen, ebenso wenig wie die Notwendigkeit, gegen Aufständische zu kämpfen. Doch statt endlich eine tragfähige Strategie zu entwickeln, verstecken sich die Politiker schon wieder hinter Abzugsphantasien. Panorama mit einem Plädoyer für einen ernstgemeinten Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

Buch-Tipp

Marc Lindemann: "Unter Beschuss"

Unser Interviewpartner Marc Lindemann ist Politologe und war mehrmals als Nachrichtenoffizier in Aghanistan.

In einem Buch über seinen Einsatz legt er dar, warum die Bundeswehr nur noch damit beschäftigt ist, sich selbst zu verteidigen, statt für Sicherheit und Wiederaufbau zu sorgen.

Autor: Marc Lindemann
Titel: Unter Beschuss
Preis: € 18,95
Verlag: Econ
ISBN: 978-3430300469