Gewerkschaftsmitglieder verdienen mehr: unsolidarisch oder gerecht?

14.02.13 | 22:30 Uhr

Gewerkschaftsmitglieder verdienen mehr: unsolidarisch oder gerecht?

von Ben Bolz & Johannes Jolmes

Alle sind gleich, aber manche sind gleicher. Manche, von denen man genau das nicht erwartet. Etwa Angestellte deutscher Unternehmen, die Mitglied einer Gewerkschaft sind. Ein Beispiel: Es ist rund ein Jahr her, als Nokia Siemens verkündete, dass der Standort in München geschlossen werden soll. Fast alle Mitarbeiter - egal ob Gewerkschaftsmitglied oder nicht - kämpften damals für den Erhalt ihrer Jobs. Immerhin: 2000 Arbeitsplätze konnten so gerettet werden.

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Gewerkschaft: unsolidarisch oder gerecht?
Mit Bonusleistungen versuchen Gewerkschaften neue Mitglieder zu gewinnen. Doch genau da geraten sie in Konflikt mit den eigenen Idealen und dem Anspruch, für alle Arbeitnehmer zu kämpfen.

Klage gegen Ungleichbehandlung

1600 Menschen allerdings mussten gehen. Und die mussten dann erleben, wie die IG Metall ihre Leute bei den Verhandlungen für den Sanierungstarifvertrag finanziell deutlich besser stellte. IG Metaller erhielten nämlich 10.000 Euro mehr Abfindung und zehn Prozent mehr in der Transfergesellschaft. Man habe vorher kommuniziert, dass IG Mitglieder mehr bekommen, rechtfertigt sich Michael Leppek von der IG Metall München. Verraten und verkauft fühlten sich dagegen viele der Nichtorganisierten. Sie klagen nun gegen diese Ungleichbehandlung. In erster Instanz haben sie teilweise schon Recht bekommen.

Konflikt mit den eigenen Idealen

Gewerkschaftsmitglieder verdienen mehr: unsolidarisch oder gerecht?

Gewerkschaftsmitglieder und "Trittbrettfahrer" demonstrieren Seite an Seite.

In Zeiten schlechter Mitgliederzahlen setzen die Gewerkschaften vermehrt auf so genannte Bonusleistungen für ihre Mitglieder, um neue Kollegen zu gewinnen. Funktionäre rechtfertigen die Besserstellungen damit, dass die Gewerkschaftsmitglieder die ganze Tarifarbeit in den Betrieben erledigen und die Nicht-Organsierten nur "Trittbrettfahrer" sind. Die Palette ist breit: mehr Urlaubstage, mehr Weihnachtsgeld oder eben auch mal höhere Abfindungen bei Sanierungstarifverträgen.

Dabei geraten sie jedoch immer wieder in Konflikt mit den eigenen Idealen und ihrem gesellschaftlichen Anspruch für alle Arbeitnehmer zu kämpfen. Zudem dürfen Gewerkschaften Bonusleistungen für Mitglieder  - wenn überhaupt - nur in sehr engen Grenzen heraus handeln. Es dürfe dadurch kein unzulässiger Druck zum Beitritt entstehen, so das Bundesarbeitsgericht. Und genau das kann bei so genannten Sanierungstarifverträgen wie bei Nokia/Siemens oft der Fall sein.

 

Stellungnahme der Redaktion

Stellungnahme der Redaktion

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

aufgrund der ja nun wirklichen zahlreichen Stellungnahmen zu unserem Film, möchte ich hier kurz auf die wesentliche Vorwürfe eingehen:

1. Selbstverständlich ist es uns bekannt, dass Gewerkschaften Tarifverträge zunächst einmal nur für ihre Mitglieder aushandeln und die nicht organisierten Mitarbeiter davon profitieren, dass die Unternehmer die Tarife für alle übernehmen. Die Problematik dieser Trittbrettfahrer - Mentalität wurde im ersten Teil des Beitrags ja auch dargestellt:
Zitat aus dem Film:
Die AWO ist nicht das einzige Beispiel, bei dem Ver.di ihre Mitglieder mit sogenannten Differenzierungsklauseln besser stellt.
In Zeiten schlechter Mitgliederzahlen setzen die Gewerkschaften vermehrt auf solche Extras, um neue Kollegen zu gewinnen. Und sie machen es wohl auch aus Ärger über die sogenannten "Trittbrettfahrer", die von der Arbeit der Gewerkschaft profitieren.
O-Ton Detlef Hensche, ehemaliger IG-Medien-Chef: "Das Ärgernis, dass Nicht-Gewerkschaftsmitglieder partizipieren an dem, was die anderen oftmals auch kampfweise durchsetzen, das Ärgernis ist tief verwurzelt in den Gewerkschaften."

2. Wir bestreiten in dem Film nicht, dass Bonusleistungen in einem gewissen Rahmen ihre Berechtigung haben. Was wir kritisch diskutieren, sind lediglich die Besserstellungen von Gewerkschaftsmitgliedern bei Sanierungstarifverträgen,wo alle gleichermaßen von Arbeitslosigkeit bedroht sind und Gewerkschaftsmitglieder mehr Abfindung oder mehr in der Auffanggesellschaft bekommen als die anderen.
Bei NSN hat die IG Metall im übrigen den Sanierungstarifvertrag für alle Mitarbeiter verhandelt, weil der IG-Metall geführte Betriebsrat darauf verzichtet hat, einen Sozialplan zu machen und dies der IG Metall quasi übertragen hat.

3. Man kann doch nicht bestreiten, dass auch innerhalb der Gewerkschaften diese Bonusleistungen durchaus kritisch diskutiert werden. Detlef Hensche, früher Vorsitzender der IG Medien, der in unserem Beitrag ja auch zu Wort kommt, hat zum Beispiel in dem Interview mit Panorama mehrfach darauf hin gewiesen, dass Bonusleistungen zu den Idealen und dem gesellschaftspolitischen Anspruch der Gewerkschaften in einem gewissen Widerspruch stehen.
Abschließend möchte ich auf einen der letzten Sätze in diesem Film verweisen: "Die Gewerkschaften müssen sich fragen: Wann sind Bonusregelungen ein berechtigter Anreiz zum Gewerkschaftsbeitritt, wann ein unanständiges Machtinstrument..." - es muss doch erlaubt sein, diese Frage zu stellen!

Mit herzlichen Grüßen
Ben Bolz, Panorama

 

Stand: 14.02.13 09:00 Uhr