Ein "Geheimer Krieg"

In gemeinsamen investigativen Recherchen haben der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und die "Süddeutsche Zeitung" aufgedeckt, wie amerikanische Militär- und Nachrichtendienst-Einheiten in Deutschland ein Drohnenprogramm aufgesetzt und Spionage betrieben haben. Damit steht fest: Folter, Entführung und Kampfdrohnen-Einsätze wurden auch auf dem Gebiet der Bundesrepublik organisiert.

In einem Krankorb stehen drei Menschen, im Hintergrund ist das Brandenburger Tor zu sehen.

Geheimer Krieg: Jetzt spionieren wir!
Spionageanlagen auf dem Dach der US-Botschaft in Berlin: Es reicht! Eine Gruppe investigativer Reporter setzt selbst auf Drohnen und spioniert zurück.

Von Stuttgart und Ramstein aus werden amerikanische Killer-Drohnen mitgesteuert und töten mutmaßliche Terroristen - aber auch Zivilisten - in Afrika und im  Nahen Osten. Der Secret Service und das US-Heimatschutzministerium nehmen auf deutschen Flughäfen Verdächtige fest. Agenten forschen für die Amerikaner Asylbewerber aus, sammeln Informationen, die bei der Bestimmung von Drohnen-Zielen eine Rolle spielen können. Der  Aufbau geheimer Foltergefängnisse wurde einem CIA-Stützpunkt  in Frankfurt übertragen. Eine amerikanische Geheimdienstfirma, die für die NSA tätig ist und Kidnapping-Flüge für die CIA plante, erhält bis heute Millionenaufträge von der deutschen Regierung. Finanziert werden die deutschen Beihilfen im Anti-Terror-Krieg mit Steuergeld. Das Fazit: Deutschland ist längst Bestandteil der amerikanischen Sicherheitsarchitektur geworden.

Mehrjährige Recherche

ARD-Reporter John Goetz steht vor der amerikanischen Botschaft in Berlin.

John Goetz gab den Anstoß zu den Recherchen zu "Geheimer Krieg".

John Goetz und ein Team aus Panorama-Reportern, Datenjournalisten und SZ-Reportern veröffentlichen vom 15. November an, was sie auf ihrer mehrjährigen Recherche herausgefunden haben. Sie besuchten unter anderem das Stuttgarter Kommandozentrum für US-Drohneneinsätze in Afrika, standen in Ramstein im Innern einer Luftleitzentrale für den Drohnenkrieg, statteten dem britischen Geheimdienst GCHQ einen Besuch ab, fanden geheime Büros von US-Sicherheitsbehörden und trafen Generäle. Die Auswertung von Datenspuren der geheimen US-Aktivitäten findet sich ebenso auf einer neuen Webseite wie eine animierte Deutschlandkarte, mit der die Anatomie des "Geheimen Krieges" dargestellt wird. Bisher nicht verständliche  Datensätze konnten entschlüsselt werden, sie enthalten Informationen über relevante Orte, beteiligte Unternehmen und Geldflüsse. Herausragende Geschichten der Recherche werden mit den multimedialen Möglichkeiten des Digital Storytelling erzählt.

Geheimer Krieg auf vielen Kanälen

In den kommenden Wochen werden die Rechercheergebnisse zudem auf verschiedenen Kanälen veröffentlicht: Als Radiobeiträge auf NDR Info, in dem Buch "Geheimer Krieg", in zahlreichen Artikeln der "Süddeutschen Zeitung" und im Internet. Ferner wird das Erste die Dokumentation "Schmutzige Kriege" weltweit zum ersten Mal senden. Teils Politthriller, teils Detektivfilm, beginnt die Dokumentation von Autor Jeremy Scahill bei der Aufklärung eines nächtlichen Angriffs von US-Einheiten in Afghanistan, bei dem viele Zivilisten, darunter zwei schwangere Frauen, umkamen. Schnell entwickelt sich eine weltweite Recherche in die bis dahin unbekannte Parallelwelt der mächtigen und streng geheimen Spezialeinheit der Amerikaner, das Joint Special Operations Command (JSOC). Scahill findet immer mehr über JSOC heraus, deckt brutale Einsätze auf, die sorgfältig vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden, ausgeführt von Männern, über die es keinerlei Unterlagen gibt und die somit auch nie vom Kongress vernommen werden können. Im Militärjargon "finden, fixieren und erledigen" die JSOC-Teams ihre Ziele, arbeiten eine geheime Tötungsliste ab. Es gibt kein Ziel, das für diese Truppe nicht legitim wäre, auch amerikanische Staatsbürger werden nicht verschont.

Das Projekt "Geheimer Krieg" ist eine in Deutschland bisher einmalige medienübergreifende Kooperation und ein Beispiel für modernen investigativen Journalismus. Sein Höhepunkt wird der Abend des 28. November im Ersten sein: es beginnt mit der monothematischen Panorama-Sendung um 21.45 Uhr, dann folgt um 22.45 Uhr die  Talkshow "Beckmann", und anschließend wird die Dokumentation "Schmutzige Kriege" um 00.00 Uhr gesendet.

Stand: 14.11.13 13:28 Uhr