04.04.13 | 21:45 Uhr

Beate Zschäpe: Die nette Terroristin von nebenan?

von Nils Casjens, Anke Hunold & Anna Orth

Es ist ein heruntergekommenes Milieu in Zwickau-Marienthal. Die Mieten sind niedrig, jedes vierte Haus steht leer. Viele leben von Hartz IV. Beate Zschäpe hat Geld, das unterscheidet sie von den Frauen hier. Trotzdem schließt sie Freundschaft mit ihnen. "Für mich war sie so eine Art Schwester. Die große Schwester. Jedes Mal, wenn sie da war, das war wie ein Familientreffen", sagt Heike. Sie hat Tür an Tür mit ihr gelebt.

Beate Zschäpe

Beate Zschäpe: Die nette Terroristin von nebenan?
Beate Zschäpe ist der Mittäterschaft an zehn Morden angeklagt. Jahrelang lebte sie im Untergrund, schloss Freundschaften. Warum fühlte sich die Terroristin so sicher?

Beate Zschäpe, eine enge Freundin? Eine nette Nachbarin? Wie geht das? Sie ist bekannt von schwarz-weiß Fotos, als mutmaßliche Terroristin. Sie ist angeklagt wegen Mittäterschaft an zehn Morden, wegen schwerer Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Zschäpe sagt dazu bis heute nichts. Sie schweigt.

"Für mich bleibt sie dieser herzensgute Mensch"

Beate Zschäpe

Normaler Alltag im Untergrund? Privat zeigte Beate Zschäpe ihr bestes Gesicht, schließt Freundschaften, macht Sport.

Im Privaten hat sie ihr bestes Gesicht gezeigt, hat  Freundschaften geschlossen zu Frauen wie Heike und Nadine, ihren Nachbarinnen. Bei ihnen hat sie sich wohl gefühlt, die Freundschaften waren offenbar echt, nicht nur Tarnung einer Terroristin. Sie haben immer Zeit für sie, sind froh über jemanden, der einfach nur zuhört. Was sonst in der Welt passiert, interessiert die Frauen nicht so. Von den so genannten Dönermorden, für die ihre Freundin Beate Zschäpe mitverantwortlich sein soll, haben sie nichts mitbekommen: "Ich guck kaum Nachrichten und so’n Scheiß." Jetzt wissen Heike und Nadine, dass ihre Freundin als Terroristin angeklagt ist. Doch bis heute wollen sie es nicht wahrhaben, wollen am Bild ihrer Freundin "Lisa" - so nennen sie Beate - nichts ändern. "Egal, was jetzt hier die Kripo alles festgestellt hat, für mich bleibt es die Lisa, die ich kannte. Egal wie sie jetzt heißt, Beate oder Lisa, für mich bleibt sie dieser herzensgute Mensch", sagt Heike.

Mitschuld am Mord

Kerim Simsek

Kerim Simseks Vater war das erste Opfer des NSU. Er will beim Prozess gegen Zschäpe dabei sein.

Für Kerim Simsek ist Beate Zschäpe Mitschuld am Mord an seinem Vater. 20 Jahre lebte der schon in Deutschland, führte einen gut laufenden Blumengroßhandel, gab mehreren Angestellten Arbeit. Bis die Terroristen ihn im Jahr 2000 erschießen, weil er Ausländer ist. Ihr erstes Opfer. "Zwei Tage lag er im Koma, mit neun Schüssen und zwei in den Kopf. Das eine Auge sah schlimm aus, weil eine Kugel direkt durch das Auge gegangen ist. Diesen Anblick werde ich nie vergessen", sagt Kerim Simsek. Am dritten Tag stirbt sein Vater. Mit dessen Tod hat seine Familie ihre wirtschaftliche Grundlage verloren. Erst jetzt wurde die Familie auch als Opfer anerkannt. So geht es fast allen Opferfamilien. Jetzt endlich sollen sie finanziell entschädigt werden.

Heike, Nadine und andere ehemalige Nachbarn und Freunde von Beate Zschäpe finden das ungerecht. "Dann kriegen die halt alles, ne, und ich sage mal, wir haben ja noch nicht mal irgendjemanden gekriegt, der da mit uns drüber redet, wie wir das überhaupt ... ich meine, wir mussten ja auch alleine damit fertig werden", sagt Nadine. Andere in der Runde finden die Entschädigungen "absolut asozial".

Jetzt steht der Prozess gegen Beate Zschäpe an. Kerim Simsek will dabei sein: "Ich will ihren Gesichtsausdruck sehen, die Mimik sehen. Ich hoffe, dass sie da Reue zeigt."