Tod in der Fabrik: der Preis für billige Kleidung

06.12.12 | 21:45 Uhr

Tod in der Fabrik: der Preis für billige Kleidung

von Dietmar Schiffermüller

Es ist nicht viel, was bleibt: Rehana zeigt uns ein Familienfoto mit ihren vier Töchtern. Sie haben von einem besseren Leben geträumt, wollten hart arbeiten für eine Zukunft ohne Armut. In langen Schichten nähten sie Jeanshosen für deutsche Textilmärkte. Doch dann kam das Feuer. Am 11. September 2012, kurz vor 19.00 Uhr, brach ein Brand aus, der schnell alle Fabrikräume ergriff.

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Tod in der Fabrik: der Preis für billige Kleidung
Verriegelte Türen, schlampiger Brandschutz, abgebrannte Fabriken: Mehr als 700 Menschen sind in den vergangenen Jahren bei Bränden in Nähstuben in Fernost ums Leben gekommen.

Die Menschen wollten fliehen, doch sie konnten nicht. Wahrscheinlich sind auch Rehanas Töchter in Panik zu den Fenstern gerannt, haben die Notausgänge gesucht. Doch die Fenster waren vergittert, die Türen nach Angaben vieler Arbeiter offenbar verschlossen. Fast täglich erschüttern uns neue Details aus unseren Nähstuben in Fernost.

Abgebrannte Fabriken, Aufpasser, die die Türen verriegeln, schlampiger Brandschutz. Gewiss, auch die örtlichen Brandbekämpfer haben jämmerlich versagt. Doch es ist vor allem die Gier westlicher Konzerne, die offenbar die Preise drücken und den Druck an die Zulieferer weitergeben. Effizienter Brandschutz ist häufig das Letzte, was auf der Liste der Fabrikbesitzer steht.

Die Folgen eines Brandes

Ein Blick auf eine ausgebrannte Textilfabrik in Karachi.

Fast 300 Menschen starben hier bei einem Brand am 11. September 2012.

Panorama Redakteurin Britta von der Heide will die ausgebrannte Textilfabrik filmen.

Das erweist sich jedoch als schwierig: Das Gebäude ist mit Wellblechwänden abgesperrt.

Christoph Lütgert spricht mit den Angehörigen von einem der 289 Brandopfer.

Hier hat die Familie ihren Sohn und Bruder verloren.

Die Menschen, die in dieser Textilfabrik arbeiteten, hatten kaum eine Chance.

Denn trotz Zertifizierungen durch deutsche Discounter fehlt es in vielen der Fabriken an Brandschutzmaßnahmen.

Diese Familie wurde beim Band in Karachi fast völlig ausgelöscht: Fünf Menschen starben, darunter vier der Frauen und der Sohn der Familie.

Fast 700 Tote seit dem Jahr 2000

Rasch ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Opfer werden entschädigt, Fehler eingeräumt. Doch es ist unübersehbar, dass etwas nicht stimmt mit der Geschäftsaufteilung zwischen Deutschland und den Produktionsländern. Jahrelang sollten Zertifikate den Kunden Sicherheit vorspielen. In bunter Werbung wurde das Bild von Kontrolle und Verantwortung bemüht.

Doch die Überprüfungen, die sogenannten Audits, sind meistens allenfalls Momentaufnahmen - fast immer angekündigt. Die Zertifizierer, die die Papiere ausstellen, sind häufig weit über die Welt verstreute Großunternehmen. Brandschutzkontrolle mit Fernsteuerung. Nach Untersuchungen von Instituten sind fast 700 Menschen in den vergangenen Jahren bei Fabrikbränden allein in Pakistan und Bangladesch ums Leben gekommen. Sie produzierten billige Kleidung und bezahlten einen hohen Preis dafür.

(25) Kommentare

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Bickel schrieb am 19. Dezember 2012 um 00:05 Uhr:

an Enttäuschter2 JuergenDi und Hr Lütgert

...ich finde ja es ok, wenn man der Meinung ist, dass ein kleines Mehr an Subjektivität einem gelungenen Journalismus durchaus gut zu Gesichte stehen würde. Aber a) ist für mich das offensichtliche... | mehr

Alex schrieb am 11. Dezember 2012 um 19:16 Uhr:

Wo ist die Lösung?

Ich habe diese Reportage gesehen. Es war nicht die erste dieser Art und wird wohl auch nicht die Letzte gewesen sein. Ich finde das gut, dass der Konsument informiert wird. Leider fehlt mir die... | mehr

Siggi schrieb am 8. Dezember 2012 um 09:01 Uhr:

Gut gemeint - falsche Botschaft

Wir brauchen mehr kritischen Journalismus, da kann man auch mal "lästig" und hartnäckig sein. Denkansatz und Methode waren in Ordnung. Nur die Botschaft wird falsch, wenn man billig kaufen verteufelt... | mehr

Enttäuschter_2 schrieb am 8. Dezember 2012 um 03:57 Uhr:

Verzweifelter Weltverbesserer

PS.: Kontrapunkt zur Meinung von Hr Bickel: Ein Journalist hat für mich nicht ein "Situationsbeschreibender Gehaltsempfänger-Hanswurst" zu sein! Ich erwarte einen mit Gestik, Körperhaltung und... | mehr

JuergenDi schrieb am 7. Dezember 2012 um 22:47 Uhr:

Die Reportage als solche ...

Ich finde die Reportage sehr gut und empfehlenswert, habe aber zwei Anmerkungen zu den hier geschriebenen Kommentaren: Sehr geehrter Herr Bickel Wie sie in ihrem Beitrag selbst schreiben, handelt es... | mehr

Stand: 02.12.12 16:00 Uhr