Prügelnde Polizisten: Gewalt ohne Folgen

07.06.12 | 21:45 Uhr

Prügelnde Polizisten: Gewalt ohne Folgen

von Alexandra Ringling, Maike Rudolph

Polizisten setzen während einer Demo gegen einen Nazi-Aufmarsch in Hamburg Pfefferspray ein. © dpa / Picture Alliance Fotograf: Christian Charisius

Polizisten setzen während einer Demonstration Pfefferspray ein. Doch die Anwendung von Gewalt scheint nicht immer berechtigt zu sein.

Elena Schelhas wird auf die Polizeiwache gerufen, sie soll dolmetschen. Doch dazu kommt es nicht. Als sie die Wache nach zwei Stunden wieder verlässt, hat sie eine große Beule an der Stirn. Zwei Polizisten sollen sie attackiert und drei Mal gegen eine Wand gestoßen haben - das berichtet sie zumindest. Die Übersetzerin stellt Anzeige wegen Körperverletzung, doch das Verfahren gegen die Beamten wird eingestellt. Die Aussage der Polizisten, die 60-jährige Frau sei aus freien Stücken gegen die Wand gelaufen, erscheint dem ermittelnden Staatsanwalt glaubwürdig. Zu einer Stellungnahme ist er nicht bereit. Die Begründung dafür klingt zynisch: Die Resozialisierungschancen des Opfers müssten gewahrt bleiben.

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Prügelnde Polizisten: Gewalt ohne Folgen
Die Aufklärungsquote bei Polizeiübergriffen ist sehr niedrig - nur bei drei Prozent der Vorwürfe kommt es zur Anklage. Häufiger Grund: Polizisten ermitteln gegen ihre eigenen Kollegen.

Die Aufklärungsquote bei Polizeiübergriffen ist sehr niedrig - nur bei drei Prozent der Vorwürfe kommt es zur Anklage. Häufiger Grund: Interne Ermittlungsstellen sind für die Untersuchung der Vorfälle zuständig - Polizisten ermitteln gegen ihre eigenen Kollegen. Deutschland ist hier eher eine Ausnahme: Fast überall in Europa sind unabhängige Ermittlungsstellen eingerichtet. Der Europarat fordert die Bundesrepublik schon lange auf nachzuziehen. Doch Politiker wie der bayrische Innenminister Joachim Herrmann sehen trotz aller Kritik keinen Handlungsbedarf.

(100) Kommentare

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PeterchensMondf schrieb am 8. August 2013 um 10:01 Uhr:

Und zurück ins Bonbonland

Keine Ihrer Ausführungen ändert etwas an dem Sachstand, dass Politzisten, die im Verdacht stehen eine Straftat begangen zu haben von den selben Staatsanwälten belangt werden sollen, die 365 Tage im... | mehr

Reiner schrieb am 9. Oktober 2012 um 18:50 Uhr:

Recht bedeutet noch lange nicht gleiches Recht für alle

Hier halten die staatlichen Instanzen zusammen - zum Nachteil des verletzten Bürgers. Das zynische Ergebnis das herauskommt: Resozialisierung des eigentlichen Opfers, das nun als Täter auch noch zur... | mehr

roberth. schrieb am 24. September 2012 um 15:26 Uhr:

bin selber schon von polizisten in hamburg-st. georg verprügelt worden und habe nichts angezeigt,weil ich genau wusste,das eine anzeige nichts bringen würde. die polizisten waren sich ihrer sache so... | mehr

NRe schrieb am 30. Juli 2012 um 10:14 Uhr:

Unabhängige Kommission - Sanktionierung

Unabhängig von der Berichterstattung, es handelt sich ja schließlich um Boulevard, muss man doch feststellen, dass die immer wieder getroffene Aussage, es gäbe keine Unabhängigkeit in der Ermittlung... | mehr

JaCobi schrieb am 5. Juli 2012 um 13:41 Uhr:

Joachim Herrmann und Co. ...

Ich habe aktuell den Innenminister von Bayern gefragt, warum er solche Verhaltensauffälligkeiten nicht so gründlich untersucht hat, daß Bürger Vertrauen haben können in unseren Rechtsstaat. Sollte... | mehr

Stand: 06.06.12 17:13 Uhr

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