Aufrüstung ohne Debatte: Kampfdrohnen für die Bundeswehr

26.07.12 | 21:45 Uhr

Aufrüstung ohne Debatte: Kampfdrohnen für die Bundeswehr

von Bastian Berbner, Johannes Edelhoff, Britta von der Heide, Tina Soliman & John Goetz

Es geht um Tötung aus der Distanz: Kampfdrohnen können Feinde fast lautlos beobachten und aus der Luft eliminieren. Die Piloten steuern sie per Joystick viele Kilometer weit entfernt, ohne ihr eigenes Leben zu gefährden. Ein Einsatz ohne Risiko - und ein Todesurteil ohne Gerichtsverfahren. Kurz: Eine Technik, die die Austragung bewaffneter Konflikte in Zukunft massiv verändern wird. Das ist verführerisch, offenbar auch für die Bundeswehr: Dort erwägt man nun die vermeintlich präzisen Waffen anzuschaffen, konkret die US-Kampfdrohne "Predator" - auf Deutsch: "Raubtier".

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Aufrüstung ohne Debatte: Kampfdrohnen für die Bundeswehr
Einsatz ohne Risiko mit Kampfdrohnen. Auch die Bundeswehr erwägt die Anschaffung der vermeintlich präzisen Waffen, mit denen Menschen auf Verdacht getötet werden können - geschehen im Fall Bünyamin E..

Tötung auf Verdacht durch Kampfdrohnen?

Die Bundeswehr will ihre Soldaten durch den Einsatz von Kampfdrohnen besser schützen, beispielsweise sollen sie Konvois aus der Luft unterstützen, so der Wehrbeauftragte des Bundestages Hellmut Königshaus. Doch der Einsatz von Kampfdrohnen ist rechtlich umstritten, weil auf Verdacht Menschen getötet werden, präventiv, ohne jemals vor ein Gericht gestellt worden zu sein.

Feindliche Kämpfer und Zivilisten sind aus der Luft nur schwer zu unterscheiden. Das zeigt der Fall des ersten deutschen Opfers, Bünyamin E. aus Wuppertal.

Eine US-Kampfdrohne tötete den 20-jährigen im Oktober 2010 in Pakistan bei einem Angriff auf das Haus eines mutmaßlichen Talibanführers. Eine Straftat hatte E. nicht verübt. Ob er Teil einer bewaffneten Einheit war, ist umstritten. Juristen streiten bis heute über die Rechtmäßigkeit seiner Liquidierung.

Verteidigungsministerium hält an seinen Drohnen-Plänen fest

Thomas de Maizière, zwei Soldaten im Vordergrund in der Unschärfe. © dpa Fotograf: Friso Gentsch

Thomas de Maizière versperrt sich einer Debatte über den Erwerb von Kampfdrohnen.

Das Verteidigungsministerium hält an seinen Drohnen-Plänen fest, will diese aber nicht kommentieren. Minister Thomas de Maizière lehnte eine Interviewanfrage zu diesem Thema ab und versperrt sich so jeglicher Debatte. Dabei wäre eine breite öffentliche Diskussion das Mindeste, was dem Erwerb solch umstrittener Kampfmittel voraus gehen müsste.  

Panorama über die klammheimlichen Pläne zur Anschaffung einer umstrittenen Waffe.

(67) Kommentare

jetzt kommentieren

Bart Vanzetti schrieb am 7. August 2012 um 02:18 Uhr:

die Frage nach dem vermeindlichen "Schutz" deutscher Soldat*innen würde sich nicht stellen, wenn Deutschland statt einen hegemonialen Krieg zu führen die Militäreinsätze beenden, die Soldat*innen... | mehr

EinBürger schrieb am 1. August 2012 um 14:58 Uhr:

Ein großes Lob an die Panorma-Redaktion! - Danke für kritische und reflektierte Berichterstattung statt als Berichterstattung getarnte Propaganda, die nur nur das Volk in die gewünschte Richtung... | mehr

MenschMeier schrieb am 31. Juli 2012 um 01:58 Uhr:

Ist schon komisch

Trotz dieser vielen Kommentare, fehlt die Frage: Warum sind die deutschen Soldaten eigentlich da unten? bzw. Was haben die da zu suchen? Der beste "Schutz" unserer Bürger in Uniform ist der... | mehr

serge schrieb am 30. Juli 2012 um 12:21 Uhr:

aber ja doch. freie wahl der waffen, wie in den USA. mal abwarten wann die ersten drohnen von irgendeinem spinner volksnah eingesetzt werden, dann wird das heuchlerische entsetzensgeschrei wieder... | mehr

Thomas schrieb am 29. Juli 2012 um 11:37 Uhr:

Kampfdrohnen

Die gegner unserer Soldaten fragen auch nicht nach den Menschenrechten. Wer auf Deutsche Soldaten schiest sollte mit allen zur verfügung stehenden Mitteln bekämmpft werden,auch mit unbemannten ,denn... | mehr

Stand: 26.07.12 10:00 Uhr