03.03.11 | 21:45 Uhr

Stammzelltherapie: dubiose Geschäfte mit Schwerkranken

Es war für sie die letzte Hoffnung. Im August 2010 fuhr Familie Spirlea mit ihrem Sohn Riccardo von Pisa nach Düsseldorf. Das zweieinhalbjährige Kind hatte seit der Geburt eine schwere Hirnschädigung, die klassische Medizin konnte nicht mehr weiterhelfen. Die Spirleas waren im Internet auf eine Stammzelltherapie aufmerksam geworden, die von der Firma Xcell in Düsseldorf angeboten wird und die Chance auf Verbesserung versprach. Preis: 18.5000 Euro. Doch letztendlich kostete die Therapie dem kleinen Jungen das Leben. Er starb nach der Injektion der Stammzellen in den Kopf an auftretenden Hirnblutungen. Die Form der Injektion wurde vom Paul Ehrlich Institut als bedenklich eingestuft. Xcell praktiziert sie nach eigenen Angaben momentan nicht mehr.

Übertragung einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle, Praxis zur Herstellung von Stammzellen zum therapeutischen Klonen von Gewebe © picture-alliance/dpa Fotograf: epa

Stammzelltherapie: dubiose Geschäfte mit Schwerkranken
In den letzten Jahren hat XCell nach eigenen Angaben mehrere tausend Menschen mit körpereigenen Stammzellen therapiert. Doch die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht belegt.

Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt

In den letzten Jahren hat Xcell jedoch nach eigenen Angaben mehrere tausend Menschen mit körpereigenen Stammzellen therapiert. Das Unternehmen behauptet, damit Krankheiten wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Alzheimer lindern zu können und verweist auf Erfolgsquoten von bis zu 60 Prozent. Doch die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht belegt – ganz im Gegenteil: Stammzellforscher warnen vor der Therapie, die Xcell anbietet, weil es keinen klinischen Studien über deren Wirksamkeit gibt. Aus diesem Grunde ist auch das kommerzielle Anbieten von Stammzelltherapien in den meisten anderen Ländern Westeuropas untersagt. Panorama über den Handel mit Hoffnung und das zweifelhafte Geschäft mit der Stammzelltherapie.

Stand: 03.03.11 12:21 Uhr