10.06.10 | 21:45 Uhr

Organspende: Warum in Deutschland zu viele Kinder sterben

Die zweijährige Charlotte hat lange um ihr Leben gekämpft: Sie hatte eine angeborene Lebererkrankung. Anderthalb Jahre musste sie auf eine Spenderleber warten. Solange, bis es fast zu spät war, lebensbedrohlich. Hauptproblem: der Mangel an Spenderorganen.

Organspendebehälter auf einem Tisch © picture-alliance / ZB Fotograf: Kalaene Jens

Allerdings könnte Kindern schneller geholfen werden, denn menschliche Lebern sind teilbar. Kindern genügt ein kleiner Teil eines Spenderorgans, der verbleibende, größere Teil kann einem Erwachsenen transplantiert werden. Beide Teile passen sich dann den Bedürfnissen des neuen Körpers an. So kann eine einzige Leber zwei Menschenleben retten - mit Hilfe der sogenannten "Split-Lebertransplantation".

In Deutschland aber geschieht das zu selten. Denn nicht jeder Operateur kann es, nicht jede Transplantationsklinik will es. In Deutschland gibt es 22 Kliniken, die Lebern transplantieren. Viel zu viele, kritisieren Experten, denn gerade den kleineren Zentren fehle es mal an Ressourcen, mal an Knowhow für die aufwendigen Split-Lebertransplantationen. Und: Die Kliniken sind nicht verpflichtet, mit anderen zu kooperieren und Organe zu teilen.

Mit manchmal tödlichen Folgen - vor allem für die jüngsten Patienten. Transplantationsexperten fordern daher eine Verpflichtung für alle Kliniken, Lebern zu teilen, wenn sie teilbar sind. Lobbyvertreter von Ärzten und Krankenkassen dagegen lehnen diese Verpflichtung ab. Die Entscheidung müsse den Medizinern vor Ort überlassen bleiben. Die Ärzte hätten die nötige Expertise, darauf sollten sich die Patienten verlassen.