12.08.10 | 21:45 Uhr

Iranische Kampfdrohnen: Deutsche Fabrikanten liefern Motoren

Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen gegen einen Hersteller von Flugmotoren eingeleitet. Die Firma aus dem Rheinland wird verdächtigt, illegal Flugmotoren in den Iran geliefert und damit gegen § 34 des Außenwirtschaftsgesetzes verstoßen zu haben.

Raketentest der Revolutionären Garde im Iran © dpa Fotograf: A2800 epa

Die iranische Luftwaffe hatte im Februar verkündet, dass der "Iran mit der Serienfertigung einer unbemannten Bomberdrohne" beginne. Der Iran versucht, auch auf diesem Gebiet, seinen Erzfeinden USA und Israel Paroli zu bieten. Besonders brisant: Panorama deckt auf, dass sich der Iran für seine Kampfdrohnen erfolgreich um Flugmotoren aus Deutschland bemüht. Iranische Kampfdrohnen, teilweise Made in Germany, können auch Israel bedrohen.

Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen will die Bundesanwaltschaft keine weiteren Einzelheiten nennen. Der Geschäftsführer der Firma räumt gegenüber "Panorama" jedoch ein, dass "möglicherweise" Motoren seines Hauses in den Iran gelangt seien. Er habe allerdings nicht gewusst, dass die Lieferung dorthin gehen sollte. Nach "Panorama"-Recherchen hat die Firma zudem 30 Flugmotoren an einen 28-jährigen Händler iranischer Herkunft aus Wiesbaden verkauft, gegen den auch ermittelt werde. Dieser Händler soll die Motoren illegal über Dubai in den Iran geliefert haben.

Zollkriminalamt bestätigt militärische Nutzung

Mini-Drohne © dpa Fotograf: Jochen Lübke

Das Zollkriminalamt in Köln bestätigt, dass derartige Flugmotoren im Iran für militärische Zwecke wie Kampfdrohnen genutzt werden: "Von der Ausstattung, von der Beschaffenheit und auch von der Antriebskraft her sagen unsere Experten eindeutig: das muss für Kampfdrohnen sein", sagt der Sprecher des Zollkriminalamts, Wolfgang Schmitz, dem Politikmagazin. Das Zollkriminalamt ist nicht direkt an diesen Ermittlungen beteiligt, aber für die Abwehr solcher Gefahren zuständig. Derzeit werde gegen mehrere deutsche Firmen wegen des illegalen Exports von Flugmotoren in den Iran ermittelt.

Anklage in einem weiteren Verfahren

In einem weiteren Verfahren hat das Landgericht Aachen wegen des illegalen Exports eines Flugmotors inzwischen sogar Anklage erhoben. Einem 50-jährigen Deutschen iranischer Herkunft wird vorgeworfen, den Motor - als Stromerzeugungsaggregat getarnt - in den Iran geschmuggelt zu haben. Die Anklage fordert für den promovierten Ingenieur eine Freiheitsstrafe von nicht unter zwei Jahren wegen des Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz.

"Wir gehen davon aus, dass diese Flugmotoren in sogenannte Drohnen eingebaut werden sollten und damit dann auch militärischen Zwecken dienen sollten", sagt der Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft Robert Deller im "Panorama"-Interview. Der Angeklagte, der während der Ermittlungen die Aussage verweigert hatte, weist die Vorwürfe gegenüber "Panorama" zurück und bezeichnet sich als "Pazifist", der sich für solche Dinge nicht hergebe.