23.09.10 | 22:00 Uhr

Vergewaltigung: Fünf Jahre unschuldig im Knast

Gerichtsakten © dpa

Jahrelang saß Ralf Witte wegen der angeblichen Vergewaltigung einer 15-jährigen unschuldig hinter Gittern. Anfang des Monats wurden er und ein Mittäter in einem Wiederaufnahmeverfahren vor dem Landgericht Lüneburg freigesprochen. Über die damalige Verurteilung, die auch auf fragwürdigen Gutachten basierte, hatte Panorama bereits am 25. Juni 2009 berichtet und Witte im Gefängnis besucht. Rückblickend auf dieses Urteil spricht der Anwalt des Freigesprochenen, Johann Schwenn, nun von "Rechtsbeugung".

Kurz nach dem Panorama-Bericht wurde Ralf Witte vorläufig entlassen. Das Landgericht Lüneburg hatte große Zweifel an der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Vergewaltigungsopfers. Nur wenige Monate nach der Verurteilung der Männer im Jahr 2004 machte das vermeintliche Opfer Jennifer W. eine neue Aussage bei der Staatsanwaltschaft. Sie sagte aus, dass sie bereits seit ihrem achten Lebensjahr Opfer eines Kinderpornorings gewesen sei. Auch habe sie mit ansehen müssen, wie ein Baby getötet wurde. Der damals zuständige Staatsanwalt hatte diese Aussage der Hauptbelastungszeugin jahrelang zurückgehalten. Das damalige Urteil basierte fast vollständig auf der Aussage des vermeintlichen Opfers. Und dieses habe, so Anwalt Schwenn, bereits damals an einer psychischen Störung, dem Borderline-Syndrom, gelitten.

Nun sah das Gericht es als erwiesen an, dass Ralf Witte und der Mittäter zu Unrecht verurteilt wurden. Auch die Staatsanwaltschaft hatte in dem jetzigen Verfahren die Freilassung und eine Haftentschädigung gefordert. Der Vorsitzende Richter Axel Knaack sagte bei der Urteilsverkündung: "Aus heutiger Sicht hätte es nie zu einer Verurteilung kommen dürfen - eigentlich noch nicht einmal zu einer Anklage". Panorama über die tragischen Konsequenzen eines fehlerhaften Verfahrens.