Presseerklärung: Betrugsvorwürfe gegen CargoLifter

Ingenieure in Panorama: "Es gab keinen seriösen Bauplan für das Luftschiff"

Test-Luftschiff der Firma CargoLifter AG © ZB-Fotoreport Fotograf: Ralf_Hirschberger

Der CargoLifter, geplant als das längste und teuerste Luftschiff der Welt, war möglicherweise ein gigantisches Betrugsmanöver, das Anleger und den Staat über 300 Millionen Euro gekostet hat. Das legen Aussagen beteiligter Ingenieure und Techniker nahe, die jetzt gegenüber dem ARD-Fernsehmagazin Panorama ihre Erlebnisse schildern.

Der Zeppelin-förmige fliegende Kran sollte gewaltige Lasten über Tausende Kilometer transportieren. Das Projekt war vom ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe als das "achte Weltwunder" bezeichnet und auch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in den höchsten Tönen gelobt worden. Inzwischen ist die Firma in Brandenburg pleite. In der jüngsten Ausgabe von Panorama (Donnerstag, 7. November, 21.45 Uhr in der ARD) belasten Ingenieure und Techniker den Firmenchef Carl von Gablenz schwer. Der Brite Giles Camplin: "Hinter den Kulissen war klar: Wir hatten kein Luftschiff, und es gab auch keinen seriösen Bauplan. Der Lastentransport funktionierte einfach nicht." Ein erster Prototyp, der im Mai 1998 auf der Leipziger Verkehrsmesse präsentiert wurde, sei "eine riesige Geldverschwendung gewesen." Er konnte "gar kein Gewicht hochheben und hat gerade mal zehn Flugstunden absolviert".

Der zweite CargoLifter-Ingenieur, Karl-Heinz Weller, fügte gegenüber Panorama hinzu:

"Wir haben niemals von Seiten des Managements die Entscheidung gehört: So wird das Luftschiff jetzt gebaut ... Für mich war CargoLifter eine große Maschinerie, die den Auftrag hatte, von wem auch immer Geld einzunehmen."

Als die Aktienkurse des Brandenburger Unternehmens abstürzten, präsentierte Firmenchef von Gablenz ein neues Projekt: einen Last-Ballon, der gar keine eigene Entwicklung, sondern aus den USA eingeführt worden war. Vor großem Presseaufgebot wurde der erste Ballonverkauf an einen Kunden aus Kanada zelebriert. Anwälte von Aktionären vermuten jetzt ein Scheingeschäft. Es gebe Anzeichen, so Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, dass hinter dem kanadischen Ballonkäufer die Firma CargoLifter selbst gesteckt habe. Am Ende platzte auch der Ballon-Verkauf.

Mit der Firmenpleite haben der Bund und das Land Brandenburg 50 Millionen Euro an Zuschüssen und 72.000 Aktionäre insgesamt über 300 Millionen Euro verloren. Ex-Mitarbeiter Camplin: CargoLifter "hatte nur gute Verkaufsleute. Die waren wirklich brillant. Die hätten auch Eis an Eskimos verkauft und Öl an die Araber."

Carl von Gablenz, Ex-Chef der Pleite-Firma gegenüber Panorama: "Wer dort investiert hat oder auch als Mitarbeiter dazugekommen ist, der wusste, das ist eine Sache mit Risiko."

7. November 2002