Stammzellklinik XCell vor dem Aus

Die Stammzellklinik XCell in Düsseldorf steht vor dem Aus. Der Privatklinik sei die Abgabe sämtlicher stammzellhaltiger Knochenmarkspräparate untersagt worden. Das bestätigte der Sprecher des Gesundheitsminsisteriums in Nordrhein-Westfalen, Christoph Meinerz, gegenüber Panorama. "Das Unternehmen darf ab sofort keine weiteren Stammzelltherapien mehr durchführen." Die Firma hat den Empfang der Untersagungsverfügung schon am 26. April 2011 gegenüber der Bezirksregierung Köln bestätigt.

Die Klinik stand massiv in der Kritik, seitdem im vergangenen Jahr der Tod eines rumänischen Kindes bekannt wurde. Dem zweieinhalbjährigen Riccardo, der von Geburt an eine schwere Hirnschädigung hatte, waren Stammzellen in den Kopf gespritzt worden. Er starb an nach der Operation auftretenden Gehirnblutungen. Die Eltern hatten für die Operation rund 18.000 Euro ausgegeben. Panorama hatte sowohl mit ihnen wie auch mit dem Leiter von XCell, Cornelis Kleinbloesem, gesprochen. Die nordrheinwestfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens hatte gegenüber Panorama angekündigt, sich für ein Verbot der kommerziellen Nutzung von XCell einzusetzen. Das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, hatte nach dem Todesfall die Einspritzung von Stammzellen ins Gehirn und ins Rückenmark für "bedenklich" erklärt.

Übertragung einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle, Praxis zur Herstellung von Stammzellen zum therapeutischen Klonen von Gewebe © picture-alliance/dpa Fotograf: epa

Stammzelltherapie: dubiose Geschäfte mit Schwerkranken
In den letzten Jahren hat XCell nach eigenen Angaben mehrere tausend Menschen mit körpereigenen Stammzellen therapiert. Doch die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht belegt.

Deutschland ist in Europa das einzige Land gewesen, in dem das Anbieten von Stammzelltherapien durch private Anbieter möglich war. Grund ist eine Gesetzeslücke, die für sogenannte Heilversuche keine Erlaubnis vorsieht, solange sie nicht seriell betrieben werden. XCell benötigte lediglich eine Erlaubnis für die Aufbereitung von Stammzellen. Die Folge war, dass Menschen aus der ganzen Welt nach Deutschland reisten, um bei XCell eine Stammzelltherapie zu machen. Dabei ist deren Wirkung in keinster Weise belegt. Wissenschaftlicher sprachen darum immer wieder von einem "Handel mit Hoffnung". Die Therapien kosten zwischen 9.000 und 18.000 Euro.

Die Internetseite von XCell ist momentan geschlossen. Es ist lediglich die Meldung zu lesen, dass die Stammzelltherapie "aufgrund einer neuen Entwicklung im deutschen Recht derzeit nicht möglich" sei. Der Pressesprecher des Gesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen, Christoph Meinerz, begründete das jetzige Aus für die Therapie mit einer Übergangsphase, die nun zu Ende sei.

Für die Eltern des kleinen Riccardo dürfte diese Meldung eine späte Genugtuung sein. Gegenüber Panorama hatten sie die Schließung der Klinik vehement gefordert.

Stand: 09.05.11 12:00 Uhr