Amoklauf leicht gemacht: Waffen im Haus

Mit Waffen aus dem Tresor seines Vaters hat ein Jugendlicher in Memmingen Angst und Schrecken verbreitet. Der Junge hatte am Dienstag vor seiner Schule und auf einem Sportplatz mehrfach geschossen, dabei aber niemanden verletzt. Erst nach Stunden ergab sich der 14-Jährige der Polizei. Angeblich hatte der Vater, ein 53-jähriger Sportschütze, die Pistolen vorschriftsgemäß eingeschlossen. Laut Aussage der Polizei Kempten hat der 14-jährige Schütze jedoch die elektrische Schließeinrichtung des begehbaren Tresors manipuliert, drei Waffen entwendet und damit den Amokalarm an seiner Schule ausgelöst. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Memmingen am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen mit.

Verschärfung des Waffenrechts

Frau mit Lärmschützern auf einem Schießstand © picture alliance / landov Fotograf: BRIAN KERSEY

Sicher verwahrt? Nach wie vor dürfen Sportschützen ihre Waffen zu Hause aufbewahren

"Der Vorfall verdeutlicht nochmals, wie dringend das Waffenrecht verschärft werden muss", erklärte Hans-Christian Ströbele, Abgeordneter der GRÜNEN . Es gäbe kein Grundrecht darauf, scharfe - auch großkalibrige - Waffen zuhause aufbewahren zu dürfen, so wie es das Waffengesetz derzeit leider immer noch ermögliche.

Genau um diese Frage geht es heute bei der Sachverständigen-Anhörung zu zwei Initiativen der GRÜNEN zur Verschärfung des Waffenrechts im Innenausschuß des Deutschen Bundestags. "Funktionsfähige Waffen und Munition müssen grundsätzlich raus aus den Privatwohnungen" lautet ein Passus der Gesetzes-Initiative.

Zentrale Waffenaufbewahrung ein Munitionsdepot?

Der Deutsche Schützenbund (DSB) hingegen hat sich nach dem Amokalarm in Memmingen für die Aufbewahrung von Sportwaffen zu Hause ausgesprochen. "Wenn wir, was immer wieder gefordert wird, Schusswaffen und Munition in Schützenhäusern aufbewahren wollten, dann würde dort ein Munitionsdepot entstehen", sagte DSB-Vizepräsident Jürgen Kohlheim am Mittwoch dem Audiodienst der Nachrichtenagentur dpa.

Auch die Gewerkschaft der Polizei halte diese Art der Aufbewahrung für sehr viel gefährlicher, zumal Schützenhäuser oft außerhalb von Wohngebieten seien. Eine Verschärfung des Waffenrechts lehnt Kohlheim ab: "Ich glaube nicht, dass wir mit weiteren strengen Vorschriften das Versagen eines Einzelnen in irgendeiner Form ausschließen können."

Das Waffenrecht in Deutschland sei ohnehin schon sehr streng verglichen mit anderen Ländern, vor allem bei den Vorschriften zur Aufbewahrung von Waffen. Außerdem seien die meisten Sportschützen sehr verantwortungsvoll. "Wir können natürlich bei 1,4 Millionen Sportschützen, die wir in unserem Verband haben, nicht die Hand für jeden ins Feuer legen", sagte der Vizepräsident.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Amokläufen mit Sportwaffen, wie Panorama am 26. März 2009 berichtete:

Ein Mann zielt mit einem Luftgewehr © picture-alliance/dpa

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Stand: 23.05.12 13:09 Uhr