Panorama: Verdacht der Untreue gegen Bischof Mixa

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat sich beim Kauf von Antiquitäten  "eindeutig einer Straftat schuldig gemacht",  so beurteilt der renommierte Hamburger Strafrechtler  Gerhard Strate die Finanztransaktionen von Bischof Mixa aus seiner Zeit als Stadtpfarrer im bayerischen Schrobenhausen im ARD-Politikmagazin Panorama.

1995 hatte Walter Mixa als Vorsitzender der "Kirchenstiftung Schrobenhausen" Kunstgegenstände für das Pfarrhaus gekauft, darunter einen Kupferstich für 43.000 DM. Bezahlt wurden das Kunstwerk aber von der "Katholischen Waisenhausstiftung" des Ortes, deren Vorsitzender Mixa ebenfalls war. Das belegt eine Quittung, die Panorama vorliegt.

"Der Ankauf von Antiquitäten oder alten Stichen hat nichts mit dem Zweck einer Waisenhausstiftung zu tun", so Gerhard Strate. "Wenn das Geld - wie hier offenbar geschehen - über fünf Jahre der Waisenhausstiftung entzogen war, dann begründet das eindeutig den Vorwurf der Untreue."

Der Sprecher des Bischofs, Dirk Hermann Voss, räumt in Panorama Fehler bei der Anschaffung ein und begründet sie mit "buchungstechnischen Vorgängen". Es sei mehrfach zu "finanztechnisch unklaren Zuordnungen gekommen".

Dieser Argumentation hält der Strafrechtler Strate entgegen: "Bloß allein, dass Bischof Mixa als Seelsorger und Priester tätig ist, bedeutet nicht, dass er nicht wüsste, dass man  nicht in fremde Taschen greifen darf. Das war ein Griff in fremde Kassen. Das hat er auf keinen Fall gedurft."

Nach "Panorama"-Recherchen ist bislang völlig unklar, ob es sich bei dem Kunstwerk tatsächlich - wie behauptet - um einen Originalstich des Künstlers "Piranesi" handelt.

Der Verkäufer des Stichs ist Rudolf Koletzko, ein langjähriger Bekannter des Bischofs. Auf Anfrage von Panorama räumt er ein, nicht genau zu wissen, ob der Stich echt ist. Das Werk stamme aus der Haushaltsauflösung seiner Mutter.

Nach Einschätzung des Kunstexperten Harald Weinhold aus München wäre selbst ein echter Piranesi-Stich nur cica 4000 Euro wert, der damalige Kaufpreis von 43.000 DM also unverständlich.

Weitere eidesstattliche Versicherung gegen Mixa

Wie bereits von Panorama gemeldet, gerät der Bischof zusätzlich unter Druck, weil nun ein weiteres mutmaßliches Opfer Mixa an Eides statt vorwirft, von ihm geohrfeigt worden zu sein. Panorama liegt die entsprechende Erklärung einer Frau vor, die 1971 bei Walter Mixa den Firmunterricht besucht hat. "Er hat mich mehrfach geschlagen, mit der flachen Hand ins Gesicht."

Mixa war damals Pfarrvikar in Weilach. Damit gibt es nun die achte eidesstattliche Versicherung gegen den Augsburger Bischof, der Kinder geprügelt haben soll. Die ersten sieben Versicherungen stammen alle von ehemaligen Heimkindern aus dem Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen. Dort war Walter Mixa von 1975 bis 1996 als Stadtpfarrer tätig.  Seine Tätigkeit in Weilach lag davor. Nach der Aussage der Frau habe er bereits dort Gewalt angewandt.

"Ich wäre jederzeit bereit, das auch vor Gericht zu bezeugen", sagt die Frau in Panorama.

Bislang  hatte das Bistum auf Vorwürfe dieser Art mit der Beteuerung der Unschuld des Bischofs reagiert. "Die Vorwürfe werden nicht wahrer, indem man sie permanent wiederholt oder sie zahlenmäßig durch die eine oder andere anonyme eidesstattliche Erklärung ergänzt", so Dr. Dirk Hermann Voß, der Pressesprecher des Bischofs, in Panorama.