Neonazi-Aufmarsch in Hamburg - Hetzjagd auf Journalisten

In Hamburg haben Neonazis mehrere Journalisten angegriffen – unter anderem auch ein Panorama-Team. Eine Panorama-Reporterin sowie ein Kameramann wurden mehrmals getreten, militante Neonazis - so genannte "Autonome Nationalisten" – bepöbelten und schubsten das Team.

"Autonome Nationalisten" bei dem Neonazi-Aufmarsch in Hamburg.

"Autonnome Nationalisten" bei dem Neonazi-Aufmarsch in Hamburg.

Panorama hatte ein Interview mit dem Hamburger Neonazi Christian Worch sowie dem NPD-Chef in der Hansestadt, Jürgen Rieger, geführt. Die Gespräche waren zuvor mit den Beteiligten vereinbart worden. Dennoch gingen auch Neonazis mit Ordnerbinden gegen die Panorama-Journalisten vor. Beobachter der rechtsextremen Szene sprachen davon, dass die "Autonomen Nationalisten" völlig außer Kontrolle geraten seien.

"Front von schwarz gekleideten Personen"

Neonazis greifen am 1. Mai in Hamburg Journalisten an. © Endstation Rechts

Angriff der Neonazis auf Journalisten am Rande des Aufmarsches in Hamburg.

Außerdem wurden aus dem Demonstrationszug der Neonazis weitere Journalisten angegriffen. Wie auch in einem Bericht des ARD-Nachtmagazins zu sehen ist, warfen die militanten Rechtsextremisten einen Bauzaun um. Dann stürmten sie auf einen Hügel und prügelten dort auf einen Fotografen ein, raubten ihm zudem die Kamera. Andere Journalisten mussten vor den Neonazis fliehen, verletzten sich bei Sprüngen über Zäune. "Ich sah nur noch eine Front von schwarz gekleideten Personen auf mich zu stürmen", so einer der angegriffenen Fotografen gegenüber Panorama. Einige Journalisten retteten sich auf angrenzende Bahngleise, wurden von den Neonazis dann noch mit Steinen und Flaschen beworfen. Auch während des Demonstrationszuges kam es zu Angriffen auf Medienvertreter: Eine Fotografin wurde attackiert, ihre Kamera offenbar ebenfalls zerstört. Gegenüber Panorama sagte die Fotografin, sie habe Prellungen an Rücken und Schulter sowie Hautabschürfungen erlitten. Sie sei zwei Mal von Neonazis, die aus dem Demonstrationszug ausgeschert waren, angegriffen worden.

Die NPD wollte auf Anfrage von Panorama keine Stellung zu den Angriffen nehmen. Bundespressesprecher Klaus Beier sagte, es habe sich nicht um eine NPD-Demonstration gehandelt, daher werde die Partei dies nicht kommentieren.

Rechtsextremisten mit NPD-Fahnen bei einer Neonazi-Demonstration in Hamburg.

NPD-Anhänger bei dem Aufmarsch in Hamburg

Die Demonstration in Hamburg wurde von "Freien Nationalisten" mit Unterstützung der NPD-Hamburg und deren Jugendorganisation JN durchgeführt. Vom NPD-Bundesvorstand war Thomas "Steiner" Wulff dabei, NPD-Landeschef Jürgen Rieger war einer der Hauptredner.

"Hetzjagd der Neonazis"

Die geschädigten Journalisten sprachen von einer Hetzjagd der Neonazis, so etwas habe es noch nicht gegeben. Einige Neonazis wurden von den Journalisten offenbar bereits identifiziert. Durch die Angriffe wurden Kameras und Zubehör im Wert von mehreren tausend Euro zerstört.