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16.05.2012

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Fünf Jahre unschuldig im Knast: Neues Verfahren hat begonnen

In dieser Woche hat in Lüneburg das neue Hauptverfahren gegen den angeblichen Vergewaltiger Ralf Witte begonnen. Der zu über 12 Jahren Haft verurteilte Witte hat bereits fünf Jahre wegen Vergewaltigung im Knast gesessen – möglicherweise völlig unschuldig. Wie Panorama bereits am 25. Juni 2009 berichtete, hatte die Staatsanwaltschaft entlastendes Material jahrelang verschwiegen, eine Tatsache, die zur Wiederaufnahme des Verfahrens geführt hat.

Blick aus der Zelle einer Justizvollzugsanstalt © dpa Fotograf: Uwe Zucchi Bild vergrößern Bildunterschrift: ]
Der damals zuständige Staatsanwalt hatte im ersten Verfahren gegen Ralf Witte Aussagen der Hauptbelastungszeugin zurückgehalten, die ihre Glaubwürdigkeit "auf das Schwerste erschüttern", so das Landgericht Lüneburg. Das damalige Urteil basierte fast vollständig auf der Aussage des vermeintlichen Opfers. "Das Verfahren ist wieder bei Null", sagte der Vorsitzende Richter Axel Knaack zu Prozessbeginn am Mittwoch. "Die Staatsanwaltschaft Hannover hat entlastende Tatsachen jahrelang gesetzeswidrig verschwiegen", erklärte der Hamburger Verteidiger Johann Schwenn zum Prozessbeginn. "Das Gesetz nennt das Rechtsbeugung. Weiter als durch das Zurückhalten entlastender Tatsachen kann sich ein Staatsanwalt nicht vom Recht entfernen."

Schwenn hatte im vergangenen Jahr die Freilassung von Witte erreicht. Das Landgericht Lüneburg ordnete "die sofortige Unterbrechung der Vollstreckung" an, nachdem ein psychologisches Gutachten "deutliche Zweifel" an der Glaubwürdigkeit Jennifers erbracht hatte. Ralf Witte bestritt am Mittwoch in Lüneburg die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen massiv. Das mutmaßliche Opfer Jennifer W. will nicht erscheinen, obwohl sie Nebenklägerin ist. Daher könnte das Urteil schon Ende August fallen. Das vermeintliche Opfer beruft sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, auch weil ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage gegen sie laufe. Schwenn nannte eine Zeugnisverweigerung bei gleichzeitiger Nebenklage ein "Aussageverhalten von beeindruckender Verschlagenheit". Auch Richter Knaack sagte am Mittwoch: "Im Moment spricht einiges dafür, dass das hier anders enden wird als in Hannover."

Stand: 06.08.2010 22:00
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