Fall Karan: Ein Lügner wird Senator
Hamburgs neuer Wirtschaftssenator, Ian Karan, hatte am vergangenen Wochenende eingeräumt, dass seine finanzielle Unterstützung für die inzwischen untergegangene Schill-Partei größer war, als er es zunächst angegeben hatte. Besonders merkwürdig ist dabei, dass Karan angab, Schill noch 2004 mit 5.000 Euro unterstützt zu haben, obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt wegen seiner versuchten Erpressung von Ole von Beust bereits entlassen und aus seiner eigenen Partei ausgeschlossen war.
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Karan hatte angegeben, vom Vorgehen Schills gegen kriminelle Ausländer habe er sich versprochen, stärker von der Hamburger Gesellschaft akzeptiert zu werden. Was diese ohnehin zweifelhafte Begründung 2004 noch für eine Rolle gespielt haben soll, bleibt schleierhaft.
Wo sind die Spenden hin?
Unklar ist offenbar auch, wie die Spenden bei der Schill-Partei verbucht wurden, so es sie denn in der von Karan angegebenen Höhe gegeben hat. Dem "Hamburger Abendblatt" hatte der Unternehmer gesagt, er habe der Partei insgesamt 44.500 Euro gespendet, in drei Tranchen von 19.500 und 20.000 Euro im Jahr 2001 und 5000 Euro in 2004. In den Rechenschaftsberichten des Bundestages tauchen zwischen 2000 und 2004 allerdings keine Spenden von Ian Karan an die Schill-Partei auf, obwohl dies bei allen Spenden von mehr als 10.000 Euro der Fall sein müsste.
Der letzte Landesvorsitzende der Schill-Partei, Peter Alexander von der Marwitz, sagte dem Abendblatt, dass "diese Spenden in der Buchhaltung nicht wiederzufinden" seien. Mit anderen Worten: Entweder Karan hat erneut gelogen oder seine Spenden wanderten in schwarze Kassen oder private Taschen. Von Marwitz sagte, ihm sei bekannt, dass der damalige Schill-Politiker Mario Mettbach 5.000 Euro von Karan erhalten habe, was Karan dem Abendblatt bestätigte. Auf NDR-Anfrage teilt die Hamburger Staatsanwaltschaft mit, dass sie ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem ungeklärten Verbleib der Spende geführt hat. Das Verfahren wurde im November 2007 gemäß § 170 Abs. 2 Strafprozessordnung eingestellt, da sich keine Hinweise darauf ergeben hatten, dass Herr Mettbach das Geld nicht in der Parteizentrale abgeliefert hatte. Gegenüber der NDR-Sendung "Menschen und Schlagzeilen" lehnte er jede Verantwortung für den ungeklärten Verbleib seiner Spenden für die Partei von Ronald Schill ab. Die Verwendung der Spenden sei "allein Angelegenheit der damals verantwortlichen Parteifunktionäre" gewesen. Ob er für die Spenden eine Quittung erhalten habe, wollte Karan nicht sagen. Damit bleibt weiter unklar, warum Karans Spenden an die sogenannte Schill-Partei im Jahr 2001 nicht in den Rechenschaftsberichten der Partei auftauchen.
Lebenslauf erheblich geschönt
Karan hatte bereits zuvor zugeben müssen, über Teile seiner Biografie nicht die Wahrheit gesagt zu haben. So war die von Karan in der Vergangenheit wiederholt bekräftigte Behauptung, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihn persönlich aufgefordert, deutscher Staatsbürger zu werden, offenbar frei erfunden: "Das ist falsch. Merkel hat mich niemals dazu aufgefordert", sagte Karan der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Hamburger Multimillionär gab auch zu, dass er im Gegensatz zur bisherigen Darstellung nicht aufgrund von Protesten gegen den Vietnamkrieg die London School of Economics ohne Studienabschluss verlassen musste: "Der wahre Grund waren meine hohen Fehlzeiten", so Karan.
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Auch die Hamburger Grünen unterstützten Karan letztlich: "Wichtig war uns, dass Herr Karan sich klar von seiner damaligen Unterstützung für die Schill-Partei distanziert. Das hat er getan und diese als größten Fehler seines Lebens bezeichnet", sagte GAL-Fraktionschef Jens Kerstan. Außerdem werde "nicht über einzelne Senatoren, sondern über den Senat als Ganzes im Block" abgestimmt, so Kerstan. Dass Karans Spenden nun offenbar auch noch über dubiose Kanäle geflossen sein könnten, schien Kerstan nicht zu stören.






